
- Literatur von Frauen - eine Auswahl von Autorinnen - Manuela Weiß
Lange waren Frauen von vielen Bereichen des Lebens, von der Arbeitswelt und auch der Literatur ausgeschlossen. Erst im Zeitalter der Romantik begann sich im Zusammenhang mit einem aufkeimenden neuen Lebensgefühl der ideale Nährboden für das Gedeihen literarisch-emanzipatorischer Ideen herauszubilden. Dieser Nährboden brachte schließlich auch genügend Freiraum, um weibliche Schriftstellerinnen die Teilnahme am literarischen Leben zu ermöglichen. Heute gibt es eine lange Liste großer Schriftstellerinnen und Autorinnen in Vergangenheit und Gegenwart – hier eine kleine Anregung zum Lesen.
Die Pionierinnen der Literatur: Mary Shelley, Jane Austen ...
Die Aufklärung und der einhergehende geistige und gesellschaftliche Wandel brachten erstmals richtig große Schriftstellerinnen hervor. Viele Schriftstellerinnen schrieben bereits unter einem Pseudonym, wie die Schwestern Charlotte (1816–1855; „Jane Eyre“) und Emily Brontë (1818–1848; „Sturmhöhe“). Eine weitere wichtige Pionierin der Literatur war die britische Autorin Mary Shelley (1797-1851). Die ersten beiden Ausgaben ihres Roman-Klassikers „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ wurden noch anonym publiziert. Mary Shelley konnte aber noch zu Lebzeiten unter ihrem richtigen Namen Erfolg erreichen. Die Autorin Jane Austen (1775-1817) stammte ebenfalls aus Großbritannien und lieferte mit ihren Werken "Stolz und Vorurteil" sowie "Emma" einen wichtigen Beitrag zur Literaturgeschichte. So auch die amerikanische Schriftstellerin Harriet Beecher-Stowe (1811-1896), die mit ihrem Roman „Onkel Toms Hütte“ als literarischem Protest gegen die Sklaverei ein Millionenpublikum erreichte. Auch im deutschen Sprachraum gab es im 19. Jahrhundert Schriftstellerinnen, die Romane publizierten wie Sophie Mereau (1770-1806; „Amanda und Eduard“) oder Sophie von La Roche (1730-1807, erster deutscher Frauenroman: ,,Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim").
Die Krimi-Ikonen: Krimi- und Thriller-Autorinnen
Wenn man sich mit Krimi-Literatur beschäftigt, dann kommt man ganz gewiss an der britischen Autorin Agatha Christie (1890-1976) nicht vorbei. Ihre Kriminalromane rund um die exzentrische Miss Marple oder den belgischen Detektiv Hercule Poirot haben Kult-Status erreicht und das Krimi-Genre maßgeblich beeinflusst. Eine weitere Vertreterin des klassischen Krimis ist die englische Autorin Dorothy L. Sayers (1893-1957), die den berühmten Amateurdetektiv Lord Peter Wimsey als Protagonist einer ganzen Reihe von hochwertigen Kriminalromanen schuf (z.B. „Aufruhr in Oxford, 1935). Auch die Schriftstellerinnen Ngaio Marsh (1895-1982) und Josephine Tey (1896-1952) trugen zur Entwicklung des klassischen Kriminalromans bei. Ebenfalls eine Ikone der Krimiliteratur ist Daphne Du Maurier (1907-1989), von der die Romanvorlagen für Alfred Hitchcocks berühmte Schocker-Filme „Die Vögel“ und „Rebecca“ stammen. Die amerikanische Schriftstellerin Patricia Highsmith (1921-1995) hat mit ihren Büchern zur Entwicklung des psychologisch tiefgründigeren Kriminalromans beigetragen, bei dem die Aufklärung des Falles zugunsten einer Psychologisierung der Protagonisten in den Hintergrund tritt („Der talentierte Mr. Ripley“). Ähnlich sozialkritische Kriminalromane schuf die schwedische Schriftstellerin Maj Sjöwall (*1935) gemeinsam mit ihrem Ehemann Per Wahlöö. Krimis mit Humor und ohne Brutalität lieferte die amerikanische Schriftstellerin Charlotte MacLeod (1922-2005) in Romanen wie „Schlaf in himmlischer Ruh“ (1978). Vertreterinnen des Hard Boiled-Krimis mit brutalen Elementen sind hingegen die Amerikanerinnen Margaret Millar (1915-1994), Marcia Muller (*1944) und Sara Paretsky (*1947). Empfehlenswert sind auch die Bücher von Ruth Rendell (*1930), Joy Fielding (*1945, „Lauf, Jane, lauf“), Minette Walters (*1949, „Im Eishaus“), Elizabeth George (*1949, „Gott schütze dieses Haus“), Kathy Reichs (*1950, „Tote lügen nicht“) und Fred Vargas (*1957, „Das geheime ABC der Toten“).
Die Fantastinnen: Science-Fiction- und Fantasy-Autorinnen
Der Name der britischen Autorin J. K. Rowling (*1965) wird seit dem Erfolg der „Harry Potter“ Reihe in einem Atemzug mit Fantasy-Literatur genannt. Auch die amerikanischen Schriftstellerin Stephenie Meyer (*1973) hat mit ihrer Vampir-Saga „Twilight“ einen Bestseller im Bereich der modernen Fantasy-Literatur gelandet. Im Bereich der traditionellen Fantasy gibt es Bestseller-Autorinnen wie Marion Zimmer Bradley (1930-1999), die Fantasy-Romane rund um die Artus-Sage verfasst hat (z.B. „Die Nebel von Avalon), oder Patricia A. McKillip (*1978), die 1975 für "Die vergessenen Tiere von Eld" den World Fantasy Award gewann. Eine weitere lesenswerte Preisträgerin dieses Awards ist Elizabeth A. Lynn („Die Zwingfeste“). Eine äußerst vielseitige Autorin im Bereich der Fantasy- und Science-Fiction-Literatur ist die Amerikanerin Ursula K. Le Guin (*1929), die in vielen ihrer Bücher politische Utopien entwarf und viele bedeutende internationale Preise für Science-Fiction-Literatur gewann (z.B. für „Planet der Habenichtse“). Eine wichtige weibliche Figur im Bereich der Fantasy-Literatur ist Susanna Clarke (*1959), die mit „Jonathan Strange & Mr. Norrel“ ihren Durchbruch schaffte. Science-Fiction-Romane rund um das Thema Zeitreisen hat die US-amerikanische Autorin Connie Willis (*1945) verfasst („Die Farben der Zeit“). Die Autorin Vonda N. McIntyre (*1948) schuf neben den kommerziellen Star-Trek- und Star-Wars-Romanen auch anspruchsvollere Literatur im Bereich der historischen Fantasy wie „Am Hofe des Sonnenkönigs“ und eine gelungene Synthese zwischen Fantasy- und Science-Fiction-Elementen wie in „Die Traumschlange“. Einen erfolgreichen dystopischen Roman schuf Kate Wilhelm (*1928) mit „Hier sangen früher Vögel“. Als erfolgreiche und lesenswerte deutsche Science-Fiction-Autorinnen sind Gudrun Pausewang („Die Wolke“), Ulrike Nolte („Die fünf Seelen des Ahnen“ oder Maria J. Pfannholz („,Den Überlebenden“) zu nennen.
Die Romantikerinnen: Autorinnen Historischer Romane
Im Genre des Historischen Romans ist es besonders wichtig, dass die Vergangenheit beim Lesen lebendig wird. Das schaffen Autorinnen wie Rebecca Gable (*1964; „Das Lächeln der Fortuna“), Helene Köppel (*1948; „Die geheimen Worte“) oder Tanja Kinkel (*1969; „Die Puppenspieler") durch genaue Darstellung des Milieus und der mittelalterlichen Epoche. Hingegen beschäftigt sich die amerikanische Schriftstellerin Diana Gabaldon (*1952) in ihrer Highland-Saga (7 Bände) mit der Liebe zur Zeit des Jakobitenaufstandes von 1745 und zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs. Als ein Bestseller des Historischen Romans ist „Die Päpstin“ von Donna Woolfolk Cross zu nenen, in dem die faszinierende Geschichte einer der außergewöhnlichsten Frauengestalten der Geschichte erzählt wird. Eine Meisterin des Genres ist außerdem die weltberühmte chilenische Schriftstellerin Isabel Allende, die ein vielseitiges Oeuvre mit vielen Bestsellern (z.B. „Das Geisterhaus“) geschaffen hat.
Die Literaturnobelpreisträgerinnen: Von Selma Lagerlöf bis Herta Müller
Der Nobelpreis für Literatur wird seit dem Jahre 1901 verliehen. Dabei steht eine geringe Anzahl von zwölf Literaturnobelpreisträgerinnen der Auszeichnung von 93 Männern gegenüber. Die begehrte Trophäe konnte die schwedische Autorin Selma Lagerlöf als erste Frau in der Literaturgeschichte ergattern. Hier weitere Roman-Schriftstellerinnen, die den Literaturnobelpreis erhalten haben, chronologisch sortiert mit ihrem wichtigsten Werk:
- Selma Lagerlöf (1909; Norwegen; „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“)
- Grazia Deledda (1926; Italien; „Schilf im Wind“)
- Sigrid Undset (1928; Norwegen; Romantrilogie "Kristin Lavranstochter")
- Pearl S. Buck (1938; Amerika; „Die gute Erde“)
- Nadine Gordimer (1991; Südafrika; “July’s Leute”)
- Toni Morrison (1993; Amerika; „Sehr blaue Augen“)
- Elfriede Jelinek (2004; Österreich; „Die Kinder der Toten“)
- Doris Lessing (2007; Großbritannien; „Anweisung für einen Abstieg zur Hölle“)
- Herta Müller (2009; Deutschland; „Atemschaukel“)
Quellen:
- Becker-Cantarino, Barbara: Schriftstellerinnen der Romantik. Epoche – Werke – Wirkung. München: C.H.Beck. 2000.
- Birkle, Carmen/ Matter-Seibel, Sabina/ Plummer, Patricia: Frauen auf der Spur. Kriminalautorinnen aus Deutschland, Großbritannien und den USA. Tübingen: Stauffenburg. 2001.
- Kerner, Charlotte (Hrsg): Madame Curie und ihre Schwestern - Frauen, die den Nobelpreis bekamen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag. 1997
- Liste der Preisträger von einschlägigen Literaturpreisen wie Nebula Award, Campbell Award, Hugo Award, James Tiptree, Jr. Award, Philip K. Dick Award, Deutscher Fantasy Preis etc.
