Lizz Wright: "The Orchard"

Das dritte Album der Jazzsängerin aus Georgia

Lizz Wright - www.lizzwright.net
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Mit ihrem neuen Werk haben Lizz Wright und ihr Produzent Craig Street die perfekte Mischung aus Jazz, Blues und Country-Folk gezaubert

Seit etlichen Jahren hat sich sowohl in den USA als auch in Europa eine Jazz-Sprache heraus gebildet, die vor allem aus dem Pop und Songwriting bereichernde Einflüsse aufsaugt. Während jedoch der Jazz des 21. Jahrhunderts in der Alten Welt, vor allem der Skandinaviens, oft in beliebiges, sphärisches Fahrwasser abdriftet, hat er sich in den USA durch den Flirt mit Nachbardisziplinen erstaunlich weiter entwickelt. Einer der erstaunlichsten Synthesen aus Jazz, Blues, Gospel, Pop und Folk kann sich die schwarze Sängerin Lizz Wright rühmen. Auf ihrem dritten Werk hat sie all diese Stile zu einer betörenden Balance vereinigt.

Partnerschaft mit Craig Street und Toshi Reagon

War Wright mit ihrem Debüt "Salt" vor fünf Jahren noch erkennbar im Südstaaten-Jazz verortet, ließ sie schon auf ihrer zweiten Scheibe "Dreaming Wide Awake" von 2005 deutlicher die Nähe zum Folk und Blues durchblicken. Der Produzentenwechsel vom Edelton-Designer des Jazz, Tommy LiPuma, zum stilistisch offeneren Craig Street unterstrich den Wandel. "The Orchard" empfängt den Hörer schon gleich auf den Coverbildern mit sattem Lokalkolorit: Lizz Wright steht in einem Feld von saftigen Grünpflanzen und in den Mangrovensümpfen. Bei einigen der Songs tritt Toshi Reagon in Erscheinung, die Tochter der Gospelsängerin und Bürgerrechtsaktivistin Bernice Reagon Johnson. Am Pult stand wiederum Craig Street.

Dramatisches Spiritual und kantiger Blues

"Coming Home" kommt als langsamer aber umso eindringlicherer Opener daher und verströmt die Dramatik eines uralten Spirituals. Die feine Grenzmarke zum Soul wird mit "Leave Me Standing Alone" überschritten, funige Wah Wah-Gitarre inklusive. Kantiger und zugleich schwüler Blues stampft in Gestalt von Ike Turners "I Idolize You" einher, und hier hat Saitenmeister Oren Bloedow seine rauchige Sternstunde. In Folk-Stücken wie den wunderschönen, gitarrengetragenen "Another Angel" und "Speak Your Heart" kann man schier die würzige Landluft der Südstaaten atmen – hier legt Lizz Wright alle Blue Notes ab und haucht mit wunderbarer Schwebestimme. Und "Song For Mia" beginnt als simpler Lagerfeuer-Walzer, offenbart dann aber anhand ganz weniger Töne fesselnde Erzählkraft.

Bauchiger Alt in Acappella-Klage

Die Meisterstreiche sind jedoch zwei Balladen der herzblutenden Art: "When I Fall", ein inniger und zugleich leidenschaftlich getönter Schaukasten für ihr Vibrato voller Seelenfeuer, sowie "Hey Man" – auch dies ein Cover, von Bernice Reagon Johnson: Hier kann die 28jährige alle Qualitäten ihres bauchigen Alts ausspielen, von der fast erschütternden Acappella-Klage einer Liebeskranken im Intro bis zum mehrchörigen Ende. Eine Überraschung lauert zum Schluss: Mit "Thank You" greift sie einen Evergreen von Page & Plant auf – Led Zeppelin sind seelenvoll in Georgia gelandet.

aktuelle CD:

"The Orchard" (Verve/Universal)

Tournee:

28.3. bis 8.4.2008

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