Ein Lob auf den Knoblauch mit einem geruchsarmen Rezept

Eine weiße Knolle mit erstaunlicher Kraft. - M. Gromann/pixelio.de
Eine weiße Knolle mit erstaunlicher Kraft. - M. Gromann/pixelio.de
In der kleinen weißen Knolle verbirgt sich die erstaunliche Kraft der Natur. Der schlichte Knoblauch verbindet kostbare Eigenschaften mit strengem Geruch.

Die weiße Knolle ist vor einer langen Zeit zu uns aus Asien gekommen. Ihren einzigartigen Eigenschaften verdankt sie einen globalen Erfolg. Die Juden sollen sich besonders um die Verbreitung verdient gemacht haben. Sie aßen Knoblauch regelmäßig. Dank der unscheinbaren Pflanze überstanden sie die Seuchen besser als der Rest der Bevölkerung. Deshalb wurden sie der Machenschaften mit dem Teufel bezichtigt.

In der langen Geschichte des Knoblauchs würdigte man zuerst seine magischen und heilenden Kräfte.

Altes Heilmittel

Die ersten schriftlichen Zeugnisse über dieses Lauchgewächs haben die Sumerer im dritten Jahrtausend vor Christus verfasst. Herodot (490/480 - 424 v. Chr.), ein griechischer Historiker und Geograph, berichtete, dass die beim Bau der Pyramiden beschäftigten Arbeiter in großen Mengen Zwiebel und Knoblauch konsumierten, weil sie an deren leistungssteigernde Wirkung glaubten.

Pedanios Dioskurides (1. Jahrhundert), ein Mediziner griechischer Abstammung im Dienste der römischen Arme, widmete dem Knoblauch in seinem Werk „Materia Medica“ viel Platz. Die Kraft der Pflanze sollte gegen Parasiten, Giftschlangenbissen, Läusen und Wanzen helfen.

Jene antike Tradition übernahm dann die Klostermedizin. Die Mönche empfahlen die weiße Knolle mit Milch gekocht gegen Lungenbeschwerden. Bei den Ohrschmerzen wurden die Zehen mit dem lauwarmen Gänseschmalz vermengt und in Ohr geträufelt, was die Schmerzen linderte. Gegen Geschwülste rieb man den Knoblauch einfach in die Haut ein.

Knoblauch aus der medizinischen Sicht

Die heutige Medizin bescheinigt dem Knoblauch eine hohe Wirksamkeit. Das beim Zerkleinern entstehende Allicin zeigt starke antibiotische Eigenschaften. Der Name „Naturantibiotikum“ ist daher berechtigt. Die ätherischen Senföle, die er enthält, wirken schleimlösend.

In den klinischen Studien bewiesen die Wissenschaftler, dass der Knoblauch als Cholesterinsenker sehr gute Dienste leistet und beugt der Arterienverkalkung vor. Er vermindert die Gerinnung des Blutes. Gegen die Volkskrankheit – den hohen Blutdruck – lässt sich auch seine Kraft spektakulär bestätigen.

Außerdem enthält er einen wahren Energiecocktail an Mineralstoffen und Spurenelementen. Vitamin C sowie verschiedene Vitamine der Gruppe B sind in den Knollen auch zu finden.

In der deutschen Küche

In die Küche zog der Knoblauch ziemlich spät ein. Im populären Kochbuch von Henriette Davidis-Schulze aus dem Jahre 1951 lesen wir: „Knoblauch wird in der deutschen Küche nur vereinzelt gebraucht an bestimmte Wurstsorten und Fleischspeisen… Meist wird nur sein Saft gebraucht.“ (S. 21)

Seitdem hat sich manches verändert. Das Allerweltgewürz wird für unzählige Gerichte gebraucht und in großen Mengen importiert. Im Jahre 2000 holte man 13.000 Tonnen hierher. Dazu muss man noch die geringen Mengen aus den einzelnen deutschen Gemüseplantagen addieren.

Der Geruch des Knoblauchs erscheint jedoch nach wie vor nicht gesellschaftsfähig zu sein. Trotz der Reisen in die fernen knoblauchreichen und knoblauchriechenden Länder reiben sich viele der Weltbewanderten hierzulande die Nase und verziehen das Gesicht. Damit wollen sie wahrscheinlich signalisieren, dass sie den besseren Kreisen angehören. Einst verwendeten den Knoblauch in der Küche ausschließlich die Bauer; auf den vornehmen Tischen war er verboten.

Damit der Stinker weniger stinkt

Der hartnäckige Geruch hält sich noch mindestens einen Tag nach dem Verzehr. Schuld daran ist das schwefelhaltige Allicin, das über den Atem und die Hautporen abgegeben wird. Ganz beseitigen lässt sich der Odeur zwar nicht, aber eine Reihe von Hausmittel soll bei der Minderung Hilfe leisten.

In dieser Rolle sind die grünen Kräuter wie Petersilie oder Minze bekannt. Genauso verbreitet ist der Tipp, ein Glas frischer Milch zu trinken.

Einwenig exotischer mutet der Hinweis an, die in Essig eingelegten Ingwerscheiben zu kauen. Die Franzosen schwören auf den Rotwein, der überdies zu vielen Knoblauchgerichten passt.

Eingelegter Knoblauch

Wenn man ihn einlegt, duftet der Knoblauch weniger streng nach dem Genuss. Für 2 Gläser je 500 ml braucht man 5 Knoblauchknollen, 500 ml trockenen Weißwein, 100 ml Essigessenz, 6 EL kalt gepressten Olivenöl, 2 TL Salz, 1 TL schwarzer Pfefferkörner, 75 g Zucker, 2 Chilischoten und je 3 Zweige Rosmarin und Thymian.

Alle Zutaten (auch der geschälte Knoblauch) werden 3 Minuten lang gekocht und über die Nacht stehen gelassen. Am nächsten Tag kocht man die Mischung nochmals 5 Minuten und lässt sie abkühlen. Danach werden Gläser mit Knoblauch und Sud randvoll gefüllt und sofort verschlossen. So eingelegter Knoblauch hält sich an dunklen und kühlen Plätzen einige Wochen.

Zitate und Quelle: Claudia Boss-Teichmann, Thomas Richter, Berlauch & Knoblauch. Verlag Eugen Ulmer. 2002 Stuttgart. 80 Seiten.

Grazyna Gintner, Grazyna Gintner

Grazyna Gintner - Ich habe als Journalistin in Polen gearbeitet. Seit Jahren lebe ich in Deutschland. Neulich brachte ich unter dem Pseudonym Lydia Sanojar ...

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