Lobgesang von Ken Scholes – Die Legende von Isaak 2

Ken Scholes: Lobgesang - Blanvalet
Ken Scholes: Lobgesang - Blanvalet
Rezension des Fantasy-Romans "Lobgesang" von Ken Scholes. Der amerikanische Fantasy-Autor setzt damit seine "Legende von Isaak" gekonnt fort.

Ein apokalyptische Welt, die von einer weiteren Katastrophe heimgesucht wird. Mechoservitoren, magische Pulver und Zaubersprüche, Rache, Liebe und Intrigen – all dies steckt in der „Legende von Isaak“. Ken Scholes hat mit „Lobgesang“ den zweiten Band dieser Legende vorgelegt, der nahtlos an die Handlung aus seinem ersten Fantasy-Roman anknüpft.

„Lobgesang“ von Ken Scholes fesselt durch clevere Intrigen

Der Krieg nach der Zerstörung Windwirs ist beendet. Rudolfo, der Herr der neun Häuser der neun Wälder, lässt eine neue Bibliothek errichten, die das Wissen der Menschheit enthalten soll. Doch der Frieden ist trügerisch, wie Rudolfo schon bald erfahren muss. Zum Geburtsfest für seinen Sohn erscheinen nicht nur Abgesandte aller Völker, sondern auch Meuchelmörder, gegen die auch magifizierte Kämpfer kaum eine Chance haben. Die Verschwörer, die den Fall von Windwir herbeigeführt haben, haben ihre Ziele noch nicht alle erreicht. Das muss auch Vlad Li Tam erfahren, der mit seinem gesamten Spionagenetz nach dem Feind der Benannten Lande sucht. Das Netzwerk der Verschwörer reicht weit und verfügt über große Macht …

„Lobgesang“ – starker Fantasy-Roman mit kleinen Schwächen

Ken Scholes enthüllt in „Lobgesang“ mehr darüber, wie es zum verheerenden Angriff auf Windwir und zur Zerstörung des Ordens der Androfranziner kam. Doch er deckt noch nicht sein ganzes Blatt auf, daher dürften den Lesern noch weitere Überraschungen bevorstehen. Wie in einem Irrgarten – dieses Bild gebrauchen auch Rudolfo und seine Verbündeten – verbirgt sich hinter jeder Biegung eine weitere oder eine Sackgasse; doch der Ausgang ist schwer zu finden. Aus den Rätseln um die Intrige zieht der Fantasy-Roman seine Spannung.

„Lobgesang“ („Canticle“ vom lateinischen Canticum) führt die Leser der „Legende von Isaak“ erstmalig auch in die mahlenden Ödlande, der zerstörten Welt. Doch Ken Scholes deckt noch nicht alle Geheimnisse auf, die sich dort verbergen mögen. Er nutzt jedoch die Gelegenheit, um Neb mehr Raum zu geben und den jugendlichen Charakter noch stärker auszubilden. Auch die Figur der jungen Winters gewinnt in „Lobgesang“ an Statur. Geschickt variiert Scholes zudem das Erzähltempo, sodass Leser nicht atemlos durch die Handlung hecheln müssen.

Bei allen positiven Aspekten, die den Fantasy-Roman auszeichnen, hat „Lobgesang“ auch ein paar kleinere Schwächen. So wird nicht deutlich, warum sich der Bund nicht gegen die Blutmagifizienten zur Wehr setzt, indem er die Gegner dazu zwingt diese zerstörerische Magie einzusetzen – schließlich überlebt niemand den Einsatz der Mittel. Auch bleibt die Figur des Rudolfo im Gegensatz zu „Sündenfall“ ziemlich blass. Er reagiert nur auf die Ereignisse und bleibt zu sehr am Rande des Geschehens. Auch der Mechoservitor Isaak, nach dem die Reihe benannt ist, spielt leider nur eine Nebenrolle.

Aus dem Gegengesang wird das Hohelied

Fünf Bände wird „Die Legende von Isaak“ von Ken Scholes nach bisherigem Stand umfassen. Der dritte Band ist im Original bereits erschienen und heißt „Antiphon“. Die deutsche Übersetzung trägt den Titel „Hohelied“ und ist wie die beiden Vorgänger bei Blanvalet erschienen. Wörtlich übersetzt müsste der Titel jedoch Wechselgesang oder Gegengesang heißen – was inhaltlich gut zu Nebs Aufgabe in den mahlenden Ödlanden passt. Allerdings weicht bereits die erste deutsche Übersetzung von den Bezügen zu Kirchenliedern des Originals ab, wurde doch aus dem Klagelied der Sündenfall.

Ken Scholes: Lobgesang. Die Legende von Isaak 2. Blanvalet 2011. Broschiertes Taschenbuch, 576 Seiten. Euro 15 (Österreich 15,50).

Jörn Käsebier - Bei Suite101.de betreute Jörn Käsebier zweieinhalb Jahre die Ressorts Wirtschaft & Geld sowie Sport als Redakteur, solange es ...

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