Logenhaus der Wetzlarer Freimaurer 100 Jahre alt

Wetzlar - Schnitzler
Wetzlar - Schnitzler
Gründung und Blüte zur Zeit des Reichskammergerichts an der Lahn. Auch der Freiherr von und zum Stein war Mitglied.

Ihre Vereinigung umwittert seit Jahrhunderten Geheimnisvolles, auch Verschwörerisches, Unheimliches. Vor allem in Deutschland, und das ist zu spüren bis ins 21. Jahrhundert; es ist noch immer – auch – Ausfluss nationalsozialistischer Propaganda und wütender Verfolgung durch die Faschisten. Die Freimaurerei ist vielen fremd geblieben. Dabei wurde sie begründet schon im Jahr 1717 in London. Ihre Gründer belebten schlicht und einfach die Regeln und Gebräuche der Steinmetze und Maurer des Mittelalters und leiteten den Namen von den geheim gehaltenen symbolischen Riten der mittelalterlichen Dombauhütten ab. Sie setzten und setzen sich für ein gerechtes Zusammenleben der Menschen und den geistig-sittlichen Fortschritt der Menschen ein. Das ist auch Wahlspruch und Leitlinie der Freimaurerloge „Wilhelm zu den drei Helmen“ im hessischen Wetzlar, die am 8. Oktober 2011 den 100. Geburtstag ihres Logenhauses beging und für den 16. Oktober zu einem Tag der offenen Tür eingeladen hatte.

Freiheit, Toleranz und Brüderlichkeit

Die Wetzlarer Loge ist allerdings weitaus älter. Schon im Jahr 1775 erlangte sie ihre Unabhängigkeit. Dass sich hier, in der Domstadt an der Lahn, schon früh ein reges Freimaurer-Leben entwickelte, hing zuvorderst damit zusammen, dass hier das Reichskammergericht residierte. Viele der Mitglieder waren Kanzleiassessoren, Rechtswissenschaftler, Advokaten. Berühmte Namen waren darunter. An erster Stelle wohl Friedrich Karl Reichsfreiherr von und zum Stein. Er wurde – Praktikant am Reichskammergericht – im Jahr 1777 Mitglied der Loge, und wurde später, zusammen mit Karl August von Hardenberg, der große Reformator in Preußen. Daneben zählt die Ahnentafel der Wetzlarer Loge Namen wie Franz Friedrich von Ditfurth, die Brüder von Bostel oder den Kammergerichts-Procurator Johann Christoph von Brandt. Sie alle wirkten nicht allein nach innen, in das weithin verborgene Logen-Leben hinein, sondern genauso nach außen, in das soziale, gesellschaftliche. Ihre Leitlinien waren Freiheit, Toleranz und Brüderlichkeit. Bestes Beispiel boten in den 1920er Jahren der deutsche Außenminister Gustav Stresemann und der französische Ministerpräsident Aristide Briand. Mit „ihrem“ Vertrag von Locarno beendeten sie faktisch den Ersten Weltkrieg. Beide verband die Freimaurerei.

Zirkel, Winkelmaß und Dreieck als Symbol

Jetzt feiert die Wetzlarer Freimaurer-Loge das 100-jährige Bestehen ihres Logenhauses. Am Wetzlarer Goldfischteich steht das im Jugendstil errichtete, aus vulkanischem Tuffstein gebaute Haus. Entworfen worden war es von dem Architekten und Stadtbaumeister Krieger, der auch Mitglied der Loge war. An der Außenfassade lässt eine Vielzahl von freimaurerischen Symbolen – unter anderem Zirkel, Winkelmaß und Dreiecke – den Hausherren erkennen. Auch im Inneren setzen sich solche Symbole in Wandmalereien, Fresken und der Verglasung fort. Wie die Loge selbst hatte dieses Haus im 20. Jahrhundert ein wechselvolles Schicksal: 1934, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurde die Freimaurerei verboten und die Villa zwangsweise verkauft. Erst 1947 gelang es, die Loge „Wilhelm zu den drei Steinen“ wiederzubeleben. Und das gewohnte Logenhaus kam zurück in den Besitz der Logenbrüder.

Klaus J. Schwehn, Klaus J. Schwehn

Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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