Logik, ein häufig falsch gebrauchter Begriff

Logisch denken kann jeder Mensch, der oftmals falschen Verwendung des Wortes „Logik" zum Trotz.

„Das ist doch logisch“. Dies ist ein oft unbedacht dahin gesagter Satz. In vielen Fällen ist der Satz an sich aber so ziemlich unlogisch. Verantwortlich ist eine grundsätzliche Missdeutung des Begriffs der Logik. Logisch erscheint vielen Menschen ein Vorgang, der passiert, weil er so passieren muss, wenn beispielsweise der Apfel vom Baum fällt und nicht in den Himmel steigt, wenn er sich vom Ast löst. Das hat mitnichten etwas mit Logik zu tun, sondern ist eine naturgesetzliche Tatsache. Logisch hingegen ist nur die Schlussfolgerung aus bestehenden Aussagen oder Feststellungen. Ein zwingendes Eintreten von Geschehnissen kann allenfalls als eine „Logik des Seins“ bezeichnet werden, wohingegen die Logik an sich eine Folgerichtigkeit der Form nach ist, weshalb hinlänglich auch von „formaler Logik" gesprochen wird. Der Unterschied dürfte deutlich werden, wenn die beiden Logikformen näher beschrieben werden.

Formale Logik

Logik ist nach klassischer Auffassung das Aufstellen von Aussagen unter Beachtung bestimmter, dem Verstand zugrunde liegenden Denkgesetzen. Die wichtigsten sind die nachstehenden:

  • Satz vom Widerspruch: Etwas kann nicht zugleich wahr und falsch sein bzw., allgemeiner ausgedrückt, eine Eigenschaft haben und nicht haben.
  • Satz vom ausgeschlossenen Dritten: Etwas hat eine zugeschriebene Eigenschaft oder es hat sie nicht; ein „Zwischending“ (das Dritte) ist unlogisch.
  • Satz der Identität: Von einander in allerlei Hinsicht ununterscheidbaren Dinge müssen ein und dasselbe Ding sein.
  • Satz vom zureichenden Grunde: Jeder Zustand lässt sich auf einen anderen zurückführen.

Diese Denkgesetze gelten als Axiome eines jeden logischen Konzepts. Ihre Eigenart bringt es mit sich, dass sie nur die Form des Denkens betreffen, da nichts über mögliche Inhalte ausgesagt ist. Insofern ist die Bezeichnung formale Logik zutreffend. Nun vollzieht sich das bewusste, zumal argumentative Denken mithilfe der Sprache unter Verwendung von Begriffen und unter Einhaltung von Regeln des Satzbaus (Syntax). Daher verwirklicht sich die Logik im Aufstellen von sprachlich korrekten Aussagen, welche Begriffe im Einklang zu Denkgesetzen in Relation zu einander bringen. Somit ist bereits die Aussage „Autos sind ein Fortbewegungsmittel“ ein logisches Urteil, da im Begriff Fortbewegungsmittel Autos eingeschlossen sind. Es kommt also nicht auf die Kombination von mindestens zwei Aussagen wie beim Syllogismus an, um eine logische Aussage zu tätigen. Die syllogistische Konklusion verfährt nach folgendem Muster: Alle Bohnen im Sack sind weiß. Diese Bohne stammt aus dem Sack. Ergo, diese Bohne ist weiß.

Logik des Seins

Manche Tatsachen gelten als dermaßen über alle Zweifel erhaben, dass sie scheinbar bereits eine logische Konsequenz sein müssen oder ihr Eintreten zwingend erfordern. Prominentes Beispiel sind die Naturgesetze, aber auch Systeme mit feststehenden Regeln, ferner auch gesetzliche Bestimmungen oder das Naturrecht werden als unverrückbare Tatsachen angenommen. Aus den Gesetzen und Regeln vom beliebigen Inhalt ergeben sich Konsequenzen für die darin betrachteten Inhalte. So kann ein Richter logisch durch Subsumtion des Sachverhalts unter den Tatbestand eines Gesetzes sein Urteil fällen, der Physiker logisch die Naturgesetze zum Aufdecken von physikalischen Wechselwirkungen kombinieren oder der Bauingenieur notwendige Berechnungen logisch aus Gesetzen der Statik ableiten. Das ist in der Tat Logik.

Nicht logisch ist aber die Annahme, die Gesetze beziehungsweise Regeln an sich seien logisch, so sehr sie sich in der Praxis bewähren. Bestenfalls handelt es sich um empirisch abgesicherte Hypothesen, die pragmatisch angewendet werden können. Die dahinter stehende Induktion, also das Schließen von wenigen Beobachtungen auf eine allgemeingültige Gesetzmäßigkeit, ist allerhöchstens eine schwache, da nicht zwingende Logikform. Immerhin kann man daraus die Verwendung des Begriffs „Logik des Seins“ begründen, der allerdings irreführend ist. Jedenfalls macht es formal logisch gesehen Sinn, vom Baum wegzugehen, wenn man den Apfel nicht auf den Kopf bekommen will. Nur sollte man nicht als Begründung anführen, es sei pure Logik, dass der Apfel nach unten fällt - es sei denn man deduziert aus einem allgemeinen Gravitationsgesetz. Aber auch nur dann. Ansonsten kann man vermuten, dass schon mehrere Äpfel auf den Kopf gefallen sein müssen.

Quelle:

Werner Strombach, Die Gesetze unseres Denkens, C. H. Beck, München 1970

Lesetipp:

Mark Zegarelli, Logik für Dummies, Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2008

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