
- Die weltberühmten barocken Kirchen von Lorca müssen nach dem Erdbeben gestützt werden. Für die Restaurierung braucht die Stadt 6 Mio Euro. - Louis Max Blank
Das Erdbeben im Mai 2011 traf die verarmte Region Murcia mit seiner historischen Stadt Lorca zum wohl schlechtesten Zeitpunkt. Wirtschaftlich läuft es schlechter denn je: Die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordniveau – 6 von 10 Menschen haben keinen Job, Stopp für Kredite und leere Taschen lassen den Handel zurückgehen. Viele Geschäfte in der hübschen Innenstadt mit den maurischen engen Gassen mussten aufgeben. Fassaden bröckelten ab, Decken stürzten ein, Stromleitungen rissen und Schaufenster zerbarsten.
In zwei Mal drei Sekunden hatte Lorca fast seine gesamte historische Altstadt eingebüßt. Die mittelalterliche Festung und die barocken Kirchen aus dem 16. Jahrhundert sind schwer getroffen. Experten vergleichen die Schäden an Lorcas kulturellem Erbe mit dem berühmten italienischen Assisi als die dortige weltberühmte Kirche San Francesco 1997 ebenfalls bei einem Beben stark zerstört wurde. Nur, dass Lorca lange nicht so bekannt ist wie Assisi und viel weniger Touristen Geld in die Kassen spülen.
Nun müssen 6 Milliarden aufgebracht werden, um die Schuttberge wegzuräumen und die kaputten Häuser wieder bewohnbar zu machen. 3000 Familien sind obdachlos geworden, viele sind ganz weggezogen - in die nächste Kleinstadt an der Küste, nach Águilas.
Lorca rettet seine Heiligen und zerrt Figuren aus den Kirchen
Die Lorquiner sind passionierte Christen und pflegen ihre holzgeschnitzten Heiligenfiguren aus den Kirchen San Mateo, Santiago oder San Francisco wie ihre eigenen Kinder. Als das Beben die goldenen Altäre aus den Fugen hob und Dächer der Kirchen einstürzten und sogar eine Glocke aus dem Kirchturm zu Boden raste, eilten die Lorquiner unter Einsatz ihres Lebens in die Gotteshäuser. Sie zerrten die jahrhundertealten lebensgroßen Figuren aus dem Schutt. Denen durfte nichts passieren!
Jetzt stehen die Heiligenfiguren aus der Barockkirche San Francisco in einem kleinen Zimmer und warten auf ihre Rückkehr in die zerstörte Kirche. Wann die 2,3 Millionen Euro für die Restaurierung zusammengekratzt sind, weiß niemand. Noch konnte der spanische Staat nicht helfen, denn der ist pleite. Der Wiederaufbau der Kirchen bleibt Sache der Einheimischen.
Die Brüder und Schwestern der von der 500 Jahre alten Bruderschaft Paso Azul, was so etwas wie Blauer Pfad bedeutet, hatten noch Glück im Unglück. Ihre geliebte Jungfrauenfigur Virgen de Los Dolores – Die Jungfrau der Schmerzen - blieb unversehrt. Nur der ohnehin schon verwundet dargestellte, bleichgesichtige Jesus Christus bekam einen Kratzer ab. Er liegt nun aufgebahrt im Museum der Bruderschaft an der Hauptstraße der Altstadt und pflegt seine Wunden. Hier trifft sich die Gemeinde von San Francisco und stickt die pompösen Seidenkostüme und Umhänge für die Osterprozessionen. Hier werden auch die 150 Jahre alten Kostüme für die Jungfrau aufbewahrt und vor Dieben geschützt, denn das schwere, schwarze Kleid ist mit Gold- und Silberfäden bestickt – ein unbezifferbarer Wert. Weil die Kirche einsturzgefährdet ist, werden jetzt auch improvisierte Messen in dem kleinen Bürgerhaus abgehalten. Am Eingang verkauft die Museumspförtnerin Maria Carmen Lottoscheine und hofft, dass ein paar sensationssüchtige Erdbeben-Touristen Geld für den Wiederaufbau spenden.
Semana Santa 2012 - spektakulärer denn je
Lorca sei immer eine Stadt der Freude gewesen, sagt Carmen Maria von Paso Azul. Die Alegría - die Lebensfreude, ein Merkmal der südspanischen Lebensart, die in guten oder schlechten Zeiten unabhängig von Wohlstand und materiellem Glück immer gelebt wird, sei nicht tot zukriegen.
So soll das diesjährige Osterfest 2012 zur Semana Santa deshalb besonders spektakulär werden - mit Pauken und Trompeten und Alegría soll eine Woche gefeiert werden. Reiterspiele, als römische Göttinnen und Götter verkleideten Lorquiner werden in den kostbaren, goldbestickten Umhänge mit Blaskapellen durch die Altstadt prozessieren, Feuerschlucker, Trommler und Büßer in den seidenen Gewändern werden leidenschaftlicher denn je ihre Heiligenfiguren durch die Gassen tragen.
Ostern in Südspanien - Eine Reise nach Lorca dient einem guten Zweck
Wer eine Reise zu Ostern nach Spanien plant, sollte der Stadt Lorca einen Besuch abstatten und damit gleichzeitig etwas Gutes tun. Jeder Euro, der hier ausgegeben wird, nutzt dem Wiederaufbau.
Die Stadt will an diesem Ostern seine Wiederauferstehung feiern. Schon jetzt gehen Vorbestellungen ein für die besten Sitzplätze für das einwöchige Spektakel auf Lorcas bunt geschmückten Straßen. Es werden in diesem Jahr hunderttausende Gäste erwartet. Reservierungen für Hotels sollte man deshalb rechtzeitig vornehmen. Schon kurz nach dem Beben hatten sich viele spanische Künstler und Prominente gemeldet, um mit Benefizveranstaltungen zu helfen. Der Haupstadtklub Real Madrid organisierte kurzfristig ein Freundschaftsspiel in Lorca, Flamencokonzerte werden gegeben, Theaterproduzenten führen Stücke des andalusischen Dichters Federico Garcia Lorca auf, der übrigens nicht der Namensgeber der Stadt ist. Lorca geht auf das arabische Wort Lurka zurück – die Mauren hatten 756 die Stadt und die Provinz Murcia von den Westgoten erobert.
So gelangt man nach Lorca:
Anfliegen kann man Lorca über die Flughäfen Alicante, Granada oder Almeria. Die Fahrt auf der Mittelmeerautobahn A 7 bis nach Lorca dauert dann jeweils rund 1,5 Stunden. Übernachten kann man in Lorca am erholsamsten im Wellnesshotel Sercotel Jardines de Lorca, das nur einen kurzen Spaziergang von der Altstadt von Lorca entfernt liegt und am billigsten in der Pension Rural del Sol in Puerto Lumbreras.
