
- Hauptplakat-Ödipussi -Loriot - Warner Home Video
Wer kennt nicht die Knollennasenmännchen wie Herrn "Dr. Klöbner" und Herrn "Müller-Lüdenscheid" in der Badewanne mit der Plastikente oder den Lottogewinner "Erwin Lindemann", aus dem "Lottemann" wurde, dessen "Tochter mit dem Papst eine Herrenboutique in Wuppertal" eröffnen wollte. Oder die Liebeserklärung des Herrn mit der Nudel auf der Nase, bei der seine Angebetete im Restaurant langsam die Fassung verliert ("Nein, sagen Sie noch nichts..."). Wer kann sich nicht an Opa "Hoppenstedt" beim familiären Weihnachtsfest erinnern, der "früher war mehr Lametta" konstatierte und dann einen alten Marsch mit dem Mund intonierte, bevor das Spielzeugkernkraftwerk durch einen "Störfall" ein Loch in den Fußboden riß? Bestimmt ist Vielen noch der Streit der beiden Ehepaare um ein Dessert vor Augen, dem "Kosakenzipfel", der schließlich eine Urlaubsbekanntschaft begrub. All das sind unvergeßliche Fernseh-Sketche des Vicco von Bülow alias Loriot, der am 22. August 2011 verstarb.
Vicco von Bülow stammte aus einer preußischen Offiziersfamilie
Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow wurde am 12. November 1923 in Brandenburg/Havel geboren. Er enstammte einer alten preußischen Offiziersfamilie, deren Verbindungen bis zu Friedrich dem Großen zurückreichten. 1938 zogen die Bülows nach Stuttgart. Als Schüler bekam er 1941 einen kleinen Auftritt in dem nationalistisch gefärbten Film "Friedrich Schiller. Triumph eines Genies". Im Zweiten Weltkrieg brachte er es selbst zum Oberleutnant an der Ostfront. Nach Kriegsende machte von Bülow sein Abitur nach und schlug sich zeitweise als Holzfäller durch. In Hamburg folgte ein dreijähriges Kunststudium. Ab 1950 zeichnete für die Hamburger Zeitschrift "Die Straße" und bekam schließlich Aufträge von "Stern" und "Quick". 1954 veröffentlichte der Karikaturist seinen ersten Band "Auf den Hund gekommen" beim Diogenes Verlag.
Die Knollennasenmännchen waren geboren
Die unverwechselbaren Knollennasenmännchen waren geboren und Vicco von Bülow gab sich den Namen Loriot - französisch für Pirol - den Wappenvogel seiner Familie.
Kontakte zum Film wurden ebenfalls wieder aufgefrischt und mit Auftritten in dem U-Boot-Drama "Haie und kleine Fische" sowie in Bernhard Wickis "Die Brücke" versehen.
Das Abendprogramm der ARD präsentierte erstmals 1967 Loriots Reihe "Cartoon", bei der er nicht nur eigene Zeichentrickfilme präsentierte.
Loriots Fernsehkarriere begann 1974
Mit dem "Telecabinett"1974 begann Loriots eigentliche Fernsehkarriere. Das Gründerzeitsofa wird zum Markenzeichen - erst in rot, dann in grün. Zwei Jahre später holte er Evelyn Hamann in seine Sendung "Loriot" - von Radio Bremen produziert. Eine wunderbare Zusammenarbeit begann, die mit unzähligen Erfolgen gekrönt wurde. Unvergeßlich neben den oben genannten Auftritten war die "Jodel-Schule" ("da habe ich was Eigenes ..." ) oder "Das Klavier" ("ein Klavier, ein Klavier ..."), nicht zu vergessen die unvergleichliche Ansage Hamanns für einen Krimi aus England, bei der sie sich zum Schluß mit den vielen "Ths" derart verhaspelte, daß sie deutsche und englische Wörter nicht mehr auseinanderhalten konnte ("Lord Fetherstone ... in Middle Fritham..."). Dieser feinsinnige, präzise Humor war das Ergebnis harter Arbeit. Loriot galt als Perfektionist, der eine Einstellung zigmal wiederholte, wenn es sein mußte.
Dieter Hildebrandt, der Loriot gut kannte, bestätigte in einem Interview mit "Deutschlandradio Kultur" (23.08.11) diesen Drang zum Perfektionismus. Moderatorin Ulrike Timm: "Aber das ist ja auch eine Qualität, die mittlererweile sehr verloren gegangen ist, dass jemand so darauf dringt, dass jeder Sketch in jeder Szene, in jeder Kameraeinstellung, in jeder Textbetonung, in jeder Stimmlage wirklich perfekt ist und sonst nicht auf die Menschheit losgelassen wird.... " Hildebrandt: "Ja selbstverständlich, aber es hat auch noch einen Grund, und der Grund liegt darin, dass er die Zeit, die er gebraucht hatte, sich genommen hatte, und nicht nur das, er hatte sie auch. Das heißt, man hat ihm diese Zeit auch gegeben, weil man wusste, wie er arbeitet. ... Und das hat aber diese Meisterschaft ausgelöst."
Nebenbei hat er weitere originelle Zeichentrick-Figuren entwickelt, etwa "Wum und Wendelin" für den "Großen Preis" im ZDF oder - ebenfalls ein Highlight - die "Steinlaus" bei seinem parodistischen Auftritt als "Professor Grzimek".
In den 80er Jahren kamen seine großen Filmerfolge
1988 und 1990 gelang es Loriot mit "Ödipussi" und "Papa ante portas", zwei sehr erfolgreiche Filme ins Kino zu bringen. Es handelte sich um Satiren über einen gealterten Muttersohn und einen chaotischen Manager. Beide Filme bekamen zahlreiche Auszeichnungen.
In seinem Werk hat Loriot auf eine liebenswerte, aber äußerst pointierte Weise den Menschen einen Spiegel vorgehalten, hinter die Fassaden geguckt. Alles basierte auf seiner scharfen Beobachtungsgabe. Die Entwicklungen in der deutschen Nachkriegsära - das Wirtschaftswunder - und die damit verbundenen Veränderungen bei den Mitmenschen hat er bestens persifliert, aber so, daß alle Zuschauer mit- und gleichzeitig über sich selbst lachen konnten. Er hat den Deutschen das Lachen beigebracht, heißt es.
Dabei liebte er Möpse. Zitat Loriot: "Ein Leben ohne Möpse ist möglich, aber sinnlos".
2006 verabschiedete sich Loriot vom aktiven Fernsehgeschäft. Er widmete sich von da an vornehmlich musikalischen Projekten. Gar nicht so bekannt sein dürfte, daß er einige Opern-Libretti schrieb.
Loriot wurde mit zahlreichen Ehrungen bedacht: Adolf-Grimme-Preis, Goldene Kamera, Bambi, Ernst-Lubitsch-Preis, Karl-Valentin-Orden, Wilhelm Busch Preis, Jacob Grimm Preis Deutsche Sprache. Außerdem wurde er zum Ehrendoktor und Honorarprofessor ernannt und bekam das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Letztes Jahr ehrte ihn Berlin mit einem Stern auf dem "Boulevard der Stars".
Vicco von Bülow alias Loriot hinterläßt seine Frau Rose-Marie, die er 1948 in Hamburg kennenlernte, und zwei Töchter.
Quellen:
- Filmportal.de: Vicco von Bülow
- Deutschlandradio Kultur: "Bei Loriot hat mir nichts missfallen"
- Pressezugang Warner Home Video
