Loriot - Deutschlands beliebtester Humorist ist tot

Deutschlands beliebtester Humorist Loriot - Kultur pur Bestwig
Deutschlands beliebtester Humorist Loriot - Kultur pur Bestwig
Mit Vicco von Bülow, alias Loriot, ist einer der beliebtesten deutschen Künstler gestorben.

Legendäre Dialoge von Männern und Frauen, welche nach seiner schlitzohrigen Meinung nach eigentlich gar nicht zusammenpassen, wie etwa die Diskussion über das weich- oder hart gekochte Frühstücksei, entstammen aus seiner Feder. Auch machte er den wahrscheinlich berühmtesten Rentner und Lottomillionär der Fernsehgeschichte unsterblich, Erwin Lindemann (dargestellt vom Schauspieler Heinz Meier). Dieser ist seit 66 Jahren Rentner und verkündete vor einem Fernsehteam völlig verwirrt seinen Plan, mit seiner Tochter und dem Papst eine Herrenboutique in Wuppertal zu eröffnen.

Loriot starb am 22. August 2011 an Altersschwäche

Doch nun ist Loriot, der berühmteste Humorist Deutschlands am Montag, dem 22. August 2011, im Alter von 87 Jahren gestorben. Die Familie beauftragte den Diogenes Verlag, die Öffentlichkeit zu informieren. So teilte Ruth Geiger, die Sprecherin des Verlages mit, dass Vicco von Bülow in seinem Haus in Ammerland am Starnberger See „sanft entschlafen“ sei. Es wird keine ergänzende Stellungnahme der Angehörigen geben und auch die Trauerfeier wird im engsten Familienkreis stattfinden. Einen Termin nannte Verlagssprecherin Geiger nicht, da dies nicht von der Familie gewünscht ist.

Loriot – der Name eines Wappentieres als Pseudonym

Am 12. November 1923 wurde Loriot als Bernhard Victor Christoph Carl von Bülow in Brandenburg geboren. Seine Vorfahren, eine alte preußische Offiziersfamilie, verkehrten am Hof Friedrich des Großen. Schon in der Schule fiel das ausgeprägte Zeichentalent Vicco von Bülows auf und auch seine mimischen Qualitäten konnte er in vielen Statistenrollen an der Stuttgarter Staatsoper und beim Film als Komparse unter Beweis stellen.

Nach seinem Abitur wurde Loriot 1941 zum Kriegsdienst eingezogen, bei welchem er zuletzt als Oberleutnant tätig war. Über die belastenden Erfahrungen während des Russlands-Feldzugs berichtet er nur sehr zögernd und auch nur wenig. In einem SPIEGEL-Interview äußerte er über „die später beschämende Erkenntnis, das Grauen des Kriegs hingenommen und eingeordnet zu haben.“ Nachdem der Zweite Weltkrieg zu Ende war, arbeitete Loriot zunächst als Holzfäller, studierte im Anschluss von 1947 bis 1949 jedoch Malerei und Grafik an der Hamburger Landeskunstschule.

Ab 1950 arbeitete Loriot für diverse Zeitschriften als freiberuflicher Karikaturist, welche er unter dem Pseudonym „Loriot“ veröffentlichte. Dies war der französische Name des Wappentiers (Pirol) der Familie Bülow. Ein korrekt gekleidetes Strichmännchen mit Knollennase wurde die Hauptfigur in Loriots Karikaturen. Seine erfolgreichen Cartoon-Bücher wie beispielsweise „Auf den Hund gekommen“ (1954) oder „Der gute Ton“ erschienen in den fünfziger Jahren und boten „Lebenshilfe“ in allen denkbaren Situationen durch Bild und Wort.

Die erste Loriot-Fernsehserie „Cartoon“ lief von 1967 bis 1972 im Abendprogramm der ARD. Diese war zunächst als Dokumentationssendung zur internationalen Karikatur gedacht, entwickelte sich jedoch weiter zu einer satirisch-humoristischen Sendung. Seine Werke glänzten durch die tragisch-komischen Rollen und zeichneten sich aufgrund der erstaunlichen Vielseitigkeit und Wandlungsfähigkeit aus, in denen Loriot als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller seiner eigenen Sketche mitwirkte.

Besonders populär wurde der Fernsehhund Wurm, welchen Loriot 1971 erfand und welcher bis 1996 für die ZDF-„Aktion Sorgenkind“ in der Show „Der große Preis“ gemeinsam mit dem Elefanten Wendelin warb. In der 1976 entstandenen sechsteiligen Fernsehserie „Loriot“ wurde Vicco von Bülow gezeichnet als auch persönlich in seinen selbst gespielten Sketchen dargestellt. Mit dabei war unter anderem die kongeniale TV- und Filmpartnerin Evelyn Harmann, welche dadurch einen weiteren Berühmtheitsgrad erreichte. Loriots Szenen und Sketche sind bis heute populär und auf DVD erhältlich. Unvergessen dabei wohl besonders der Sketch mit der Nudel im Gesicht bei einem Rendezvous beziehungsweise der Cartoon „Herren im Bad“ (Die Ente bleibt draußen).

"Es gibt keinen Menschen auf dieser Welt, der mich derart beeindruckt und inspiriert hat"

Die Reaktionen auf den Tod von Loriot sind untermauert mit Lob und Anerkennung für den populären Humoristen. So bezeichnete der Bundespräsident Christian Wulff Loriots Tod als „unersetzlichen Verlust“ und schrieb: "Mit Vicco von Bülow verliert unser Land einen seiner bedeutendsten Humoristen und lebensklugen Beobachter menschlicher Schwächen. Wir haben durch Loriot lachen gelernt über die komplizierten und die allereinfachsten Schwierigkeiten des Lebens." Loriots unvergesslicher Humor habe menschliches Verhalten unnachahmlich gespiegelt. "Mit seinen Sketchen hat er Fernsehgeschichte geschrieben."

Auch der Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bezeichnete den Humoristen als „richtigen Herrn“ und lobte dessen feinsinnigen Humor. Er habe Loriot in einem persönlichen Gespräch kennengelernt und war tief beeindruckt. Auch schätzte Westerwelle dessen gemeinnütziges Engagement für die Aids-Stiftung.

Weitere Stellungnahme unter anderem von Politikern wie Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, Berlin regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit, sowie von Monika Piel, der ARD-Vorsitzenden, und Komiker Otto Walkes finden Sie hier.

Quellen

Rundschau-online.de

Loriot.de

diogenes.ch

Der Spiegel 52/2006

Spiegel online

Sueddeutsche.de

Jana Vogel, Jana Vogel

Jana Vogel - 1985 wurde ich in Berlin-Marzahn geboren, bin jedoch in Sachsen-Anhalt, Oschersleben (Bode), aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach ...

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