Loriot: Würdigung Vicco von Bülows in Bremen

Facebook-Gruppe Bremen braucht einen Loriot-Platz - Screenshot: Lucy M. Laube
Facebook-Gruppe Bremen braucht einen Loriot-Platz - Screenshot: Lucy M. Laube
In Bremen wird heiß diskutiert, was ein angemessenes Gedenken Loriots wäre - eine nach ihm benannte Straße, ein Platz oder doch nur ein Parkplatz?

Loriot alias Vicco von Bülow, Erfinder der Knollennasenmännchen und des Kosakenzipfels, ist am 22. August 2011 im Alter von 87 Jahren verstorben. Mit der Stadt Bremen war Loriot durchaus verbunden und verbandelt – viele seiner Sketche wurden in der Hansestadt gedreht und in den siebziger Jahren produzierte Radio Bremen seine Sendungen. Nun soll ihm zu Ehren ein Platz oder eine Straße nach ihm benannt werden – und die Beiräte reißen sich darum, wohl auch für ihre eigene Ehre. Die Bürger und Bürgerinnen sind aufgerufen, Vorschläge einzureichen.

Zum Kosakenzipfel oder Meredith-Hesketh-Fortescue-Avenue?

Klar, Vicco-von-Bülow-Straße wäre denkbar, ebenso ein schlichter Loriot-Platz. Aber auch die von Loriot geschaffenen Figuren würden sich prinzipiell eignen, dem Humoristen ein Andenken zu schaffen. Als da wären Herr Müller-Lüdenscheidt oder sein Badewannengenosse Herr Dr. Klöbner, der Lottogewinner Erwin Lindemann oder das Ehepaar Hoppenstedt. Oder doch die ruhige Sackgasse "Zum Kosakenzipfel"? Etwas weniger einprägsam dürften diese Vorschläge sein: Meredith-Hesketh-Fortescue-Avenue oder aber Middle-Addlethorpe-Boulevard. Wahrscheinlich wird sich keine dieser beiden Optionen durchsetzen können, wirft aber beinahe unweigerlich eine andere Frage auf: Was ist mit Loriots ebenso legendärer Partnerin Evelyn Hamann, die den th-Zungenbrecher auf unvergleichliche Weise vortrug und vor vier Jahren verstarb? Müsste sie nicht ebenso geehrt werden? Zumal Frauen ohnehin bei der Benennung von Straßen und Plätzen schmählich unterrepräsentiert sind?

Eine Straße für Loriot – Initiative der SPD

Dieser Einwand kam, ebenso wie der Vorschlag, eine Straße nach Loriot zu benennen, aus den Reihen der Bremer SPD. Antje Grotheer: "Loriot war eng mit Bremen verbunden und seine vielen großartigen Fernsehsketche, die er für und mit Radio Bremen produziert hat, werden unvergessen bleiben". Auch Evelyn Hamann soll nun ihre wohlverdiente Würdigung erhalten – wohl im Bremer Ostertor. Dort, am Ulrichsplatz, gab sie einst in einem Sketch die Politesse. Eine Umbenennung des Ulrichsplatzes ist indes ausgeschlossen. Der Platz trägt seinen Namen auch erst seit einigen Jahren – und der musste erkämpft werden, ist doch Karl Heinrich Ulrichs einer der Vorkämpfer der Schwulenbewegung.

Aufruf von Radio Bremen und facebook, den Loriot-Platz mit zu bestimmen

Welcher Ort in welchem Stadtteil geeignet sein könnte, von Bülow zu ehren, das sollen nach Wunsch von Radio Bremen die Bürger kreativ mitbestimmen dürfen. Und die haben sich schon lebhaft in die Diskussion eingeklinkt. Auch beim sozialen Netzwerk facebook hat sich eine Gruppe "Bremen braucht einen Loriot-Platz" gegründet: "Wir sind der Auffassung, dass es Bremen gut zu Gesicht stünde, wenn die Stadt (bestimmt im Interesse einer großen Mehrheit aller Bürger) einen geeigneten Platz an prädestinierter Stelle nach Loriot (...) benennen würde. Zur Wahrung seines Andenkens und Würdigung seiner ganz speziellen Beziehung zu Bremen".

Eine prädestinierte Lage für Loriot in Bremen?

Diese Meinung ist allerdings keineswegs die allgemeine. Denn eine Umbenennung geht immer auch mit einem bürokratischen Aufwand einher – je mehr Anwohner, desto höher wird dieser, insbesondere wenn Firmen betroffen sind. So ist einer der kursierenden Vorschläge der, einen bislang namenlosen Parkplatz nach dem Humoristen zu benennen, der die "brüchigen Stellen gesellschaftlicher Konvenienz" aufzuspüren suchte und es darin zu einiger Perfektion brachte. Ein Parkplatz? "Hat Loriot nicht etwas Angemesseneres verdient, lieber Beirat?", kommentiert die facebook-Initiative.

Immerhin, der Parkplatz liegt am neuen Standort von Radio Bremen im Stephaniviertel. Doch auch die ehemaligen Standorte von Radio Bremen – dem Rundfunk- und dem Fernsehstandort – stehen zur Debatte, ebenso der Bahnhofsvorplatz: zentral gelegen ohne Zweifel. Das "dass" ist also unbestritten, nur das "wo" und "wie" will noch näher bestimmt werden. Ob es am Ende der Vorschlag "Früher-war-mehr-Lametta-Pfad" wird? Loriot auf seinem grünen Sofa würde sicher eine Augenbraue anheben und sein subtiles Lächeln lächeln.

Quellen und weiterführende Informationen:

Lucy M. Laube, Foto: Marc Mußmann

Lucy M. Laube - Ich liebe es, wenn Menschen auf enthusiastische Weise absurde Dinge verkünden. Diese sammle ich, leider an verschiedensten Orten, so ...

rss