Los Ponchos Rojos - die "Roten Ponchos"

Die Roten Ponchos - Archiv Germán Muruchi Poma
Die Roten Ponchos - Archiv Germán Muruchi Poma
Die "Ponchos Rojos" sind nicht nur traditionelles Kleidungsstück. So nennen sich auch die Männer einer ganz besonderen indigenen Gemeinschaft im Altiplano.

Rot ist eine feierliche Farbe in der Kultur der indigenen Völker Boliviens. Es symbolisiert das Blut, das in vergangenen Kämpfen, Kriegen und Revolutionen vergossen wurde. Die Aymara im Altiplano tragen sie nur in Ausnahmefällen, bei Hochzeiten oder im Krieg, verwebt in die traditionellen, unentbehrlichen Ponchos . Aber den poncho rojo, einen roten Poncho, darf nicht jeder tragen. Er ist den älteren Männern über 50 vorbehalten, jenen, die sich um die Belange ihrer Gemeinschaft verdient gemacht haben und dafür geschätzt werden. Und so nennen sie sich auch - Los Ponchos Rojos. Zeichnen sie sich zudem durch besondere Reife und Weisheit aus, werden die roten Umhänge mit schwarzen Streifen zum „poncho huayruru“ veredelt.

Die "Ponchos Rojos" verkörpern ein mutiges Volk

Die "Roten Ponchos" sind im Altiplano zu Hause, etwa 100 Kilometer nordwestlich von La Paz, der Hauptstadt Boliviens, in der Provinz Omasuyos. Dort bilden sie ein ganz besonderes Gefüge innerhalb ihrer indianischen Gemeinschaft. Ihre Vorfahren machten schon den Inka-Herrschern und Tihuanacos zu schaffen. Später leisteten sie den spanischen Eroberern Widerstand und stärkten auch die Reihen derer, die für soziale Gerechtigkeit eintraten. In den letzten Jahren haben sie immer mehr Einfluss in den Gemeinden ihrer Provinz gewonnen, bei allen kommunalen Entscheidungen reden die Roten Ponchos entscheidend mit. Jede staatliche Autorität muss mit ihrem Widerstand rechnen. Aber seit Bolivien seinen ersten indianischen Präsidenten hat, ist das anders. Das erste Mal in ihrer Geschichte stehen sie auf der Seite der Regierung, weil es zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Regierung gibt, die auf ihrer Seite steht und die es vielleicht ohne ihre Unterstützung nicht mehr geben würde.

Die "Ponchos Rojos" sind zum Symbol einer neuen, einer indianischen Ära in Bolivien geworden

Die Männer in den roten Ponchos verkörpern heute nicht nur das wachsende Selbstbewusstsein der indianischen Bevölkerung, sondern sie bilden auch eine indianische Miliz zum Schutze des Präsidenten. Nach seiner Amtseinführung im Dezember 2005 hatte er ihnen militärischen Status und entsprechende Befugnisse eingeräumt. Eine ungeheure Provokation für Opposition, Unternehmer und hohe Militärs. Sie bezeichneten die Miliz als 'illegal und unnötig' und forderten die Entwaffnung der "Ponchos Rojos". Politisch unter Druck durch die Konflikte, die im Laufe der kommenden zwei Jahre vor allem in den reichen Provinzen des Südens schwelten, gab sich Morales geschlagen und forderte die Männer auf, ihre Waffen abzugeben. Viele taten es auch, wenn gleich irritiert und nicht gerade bereitwillig, aber für die meisten wäre es einer Kapitulation gleich gekommen, so als würden sie die gerade erworbenen Rechte wieder verlieren und ihre Regierung schutzlos ausliefern. Über wie viele Waffen sie wirklich verfügen, ist nicht bekannt. Die Armee vermutet, dass es noch an die 50.000 sein könnten, zumeist alte, teilweise völlig unbrauchbare Gewehre. Als 'paramilitärische Gefahr' können die "Ponchos Rojos" damit nicht gerade gelten. Allerdings würden sie sich für die Sicherheit ihres Präsidenten bedenkenlos und mit welchen Waffen auch immer in den Kampf stürzen.

Viele Mythen ranken sich um die "Ponchos Rojos"

An den "Ponchos Rojos" scheiden sich die politischen Geister, allerdings wissen die wenigsten Menschen in Bolivien, ihre indianischen Brüder, die Aymara und Qechua, inbegriffen, wer die Männer in den roten Ponchos eigentlich sind. Auch heute noch machen die abstrusesten Geschichten über sie die Runde. Dass es keinen Friedhof in ihrer Provinzahauptstadt Achacachi gäbe, weil sie ihre Leichen essen würden. Oder dass ein Fremder nicht lebend von dort zurück käme. Dass es eine große Kaserne gäbe, die Kalasaya heißt, wo sie sich militärisch drillten. Wer aber schon mal dort war, konnte in aller Ruhe auf der Plaza seinen Kaffe trinken, ist über den Friedhof spaziert und konnte die Kalasaya als ein Stück Pampa mit Bach und Hügel identifizieren. Und erinnert sich an die Männer in den roten Ponchos als mutige und stolze Männer, die für eine gerechte Gesellschaft eintreten, in der alle Land, Bildung, Arbeit und ihre kulturelle Identität haben.

Mit sudanesischen Kollegen in Karthoum, Gabriele Wojtiniak

Gabriele Wojtiniak - Ich bin viel und weit gereist, hatte Kontakt mit Menschen jeden Alters, unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen. Ich habe ...

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