Loslassen – der Weg zur inneren Freiheit

Loslassen lernen, eine der schwierigsten Lektionen im Leben

Loslassen macht frei - flickr/Herr Olsen
Loslassen macht frei - flickr/Herr Olsen
Wer nicht loslassen kann - einen Partner, einen Wunschtraum, eine Enttäuschung, Schuldgefühle ... - der raubt sich Lebensenergie. Wie Sie lernen, loszulassen.

Warum ist loslassen wichtig?

An etwas festzuhalten, was uns nicht gut tut, lähmt uns und kann uns im Ernstfall seelisch und körperlich krank machen. Es hindert uns daran, uns weiterzuentwickeln, zu lernen und unsere Potenziale voll auszuschöpfen. Leben bedeutet sich wandeln – und das heißt auch, dass man sich immer wieder von Menschen und Orten, von Gedanken und Wünschen verabschieden muss.

"Wenn du auf einem toten Pferd sitzt, dann steig ab“, sagen die Indianer. Wer an Dingen festhält, die eigentlich schon längst verloren sind, der raubt sich Lebenskraft. Loszulassen ist die einzige Chance, diese Kraft wiederzugewinnen.

Warum ist loslassen so schwierig?

Loslassen – einen Partner, eine Arbeitsstelle, einen Zukunftsplan... – macht Angst. Man hat das Gefühl etwas zu verlieren und es gegen etwas einzutauschen, was noch unsicher ist. Selbst wenn man mit der Gegenwart unzufrieden ist, ist es einfacher in einem ungeliebten, aber gewohnten Zustand zu verharren als sich etwas Neuem, Unberechenbaren zu stellen.

Besonders dann, wenn wir schon viel in die Verwirklichung eines Wunsches investiert haben und Energie und Herzblut in ein Projekt gesteckt haben, fällt die Entscheidung zwischen aufgeben oder weitermachen häufig schwer.

Von Kindheit an haben wir gelernt, dass Beharrlichkeit und sich Durchbeißen eine Tugend ist. Wer hingegen aufgibt, der zeigt Schwäche oder ist gar ein Versager. Jedoch: Loslassen ist nicht gleichbedeutend mit Resignation – es ist vielmehr die gesunde Einsicht, dass wir unser Möglichstes getan haben und ein Verharren in der Situation uns mehr schadet als nützt.

Wie lernt man loszulassen?

Loslassen bedeutet, sich zunächst einmal ganz bewusst dafür zu entscheiden, den Blick weg von dem belastenden Ereignis nach vorne zu richten in eine positive Zukunft. Dafür müssen Sie zunächst akzeptieren, dass die Dinge geschehen sind, auch wenn Sie sie nicht gutheißen. Sie hören auf, Dinge oder Ereignisse erzwingen zu wollen, die sich Ihrer Kontrolle entziehen.

Meist braucht es, um loslassen zu können entweder eine gute Portion Leidensdruck oder ein Aha-Erlebnis. Loslassen tut immer weh und diesem Schmerz muss man sich leider stellen, bevor man sich wieder besser fühlen kann. "Du bist, was du denkst“, sagt man in Asien. Machen Sie sich klar, dass Sie Ihre Gefühle jederzeit ändern können, indem Sie Ihre Gedanken ändern.

Suchen Sie sich Menschen, die in einer ähnlichen Situation waren wie Sie und die das Problem konstruktiv bewältigt haben. Wie ist es diesen Menschen gelungen loszulassen? Meiden Sie auf der anderen Seite Menschen, die Sie mit Verständnis überhäufen und Sie darin bestärken, in Ihrer krankmachenden Situation zu verharren.

Sie können auch ein kleines Abschiedsritual inszenieren. Wenn Sie zum Beispiel einen Partner loslassen möchten, dann nehmen Sie einen Liebesbrief oder ein Foto auf dem Sie gemeinsam zu sehen sind und zünden es an. Das klingt vielleicht zunächst befremdlich, kann aber wirklich helfen sich noch einmal klarzumachen, dass die Leidenszeit nun zu Ende ist. Oder nehmen Sie sich ein großes Blatt Papier, ziehen Sie einen dicken Strich und schreiben Sie: "Ich bin stolz darauf, dass ich einen Schlussstrich gezogen habe. Mein Leiden hat nun ein Ende. Ich lasse los“ und hängen Sie sich das Papier gut sichtbar irgendwo auf, wo Sie immer mal wieder einen Blick darauf werfen können.

Alles im Leben hat einen Sinn. Und dort wo eine Tür zugeht, öffnet sich eine andere. Möglicherweise sind Sie heute davon überzeugt, dass dieser Job, den Sie jetzt nicht bekommen haben, Ihre große Chance im Leben gewesen wäre. Aber er war sicher nicht Ihre einzige. In absehbarer Zeit ergeben sich neue Möglichkeiten, die dann vielleicht viel passender für Sie sind. Dafür müssen Sie aber Ihre Enttäuschung und Ihren Frust loslassen und sich öffnen.

Loslassen braucht Zeit. Wer sich wochen- oder gar jahrelang immer im gleichen Gedankenkarussell gedreht hat, der wird es nicht von heute auf morgen abstellen können. Setzen Sie sich nicht unter Druck. Geben Sie sich Zeit.

"Wer loslässt, hat zwei Hände frei“, heißt es in Asien. Das heißt, mit jedem Stück, das man aufgibt, ergeben sich auch neue Möglichkeiten etwas anzupacken.

Ursula Kohaupt - Hineingeboren in die Generation Golf, aufgewachsen in Bayreuth und Kunstgeschichte studiert in Bamberg, Marburg & London. Danach sechs ...

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