Lou Andreas-Salomé – Denkerin, Literatin, Muse

Ein kurzer Lebensabriss der Philosophin und Psychoanalytikerin

Lou Andreas-Salomé - www.lou-andreas-salome.de
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Lou Andreas-Salomé war Schriftstellerin, Philosophin, Psychoanalytikerin und Muse großer Männer.

Am 12. Februar 1861 wird Lou Salomé in St. Petersburg geboren und ist das sechste Kind ihrer Eltern, Gustav von Salomé und seine Gattin Louise. Aufgezogen durch eine Amme, entwickelt das kleine Mädchen Lou in eine kindliche Beziehung zu Gott, die dramatisch endet und entscheidenden Einfluss auf ihr späteres Leben und Denken nimmt.

Ein dramatisches Kindheitserlebnis - der Gottesschwund

Der Gott aus Lous Kindertagen ist in erster Linie ein Zuhörer für ihre kindlichen Ängste und Sorgen. In langen Monologen erzählt sie ihm ausführlich alle Erlebnisse. Erst ein prägendes Ereignis soll dies ändern. Eines Tages kommt der Knecht zu ihr und berichtet, wie ein verschmitzter Erwachsener es einem erstaunten Kind gegenüber tut, dass das weiße Ehepaar vor dem Hause plötzlich verschwunden sei. Dabei handelte es sich offensichtlich um Schneefiguren. Lou ist erstaunt und fragt erstmals Gott um Rat. Zum ersten Mal soll er ihr nicht nur zuhören, sondern eine Antwort auf ihre brennendste Frage geben, wo die beiden hin verschwunden sind. Da diese direkte Antwort ausbleibt, stirbt in diesem Moment der Gott ihrer Kindertage für sie ab. Sie nennt diesen Vorgang selbst „Gottesschwund“. In diesem Moment macht das Kind Lou die erste Begegnung mit einer tiefen Philosophie und gewinnt Erkenntnis aus Erfahrung.

Erste Berührungen mit Philosophie - Hendrik Gillot

Lou macht mit siebzehn die Bekanntschaft des niederländischen Pfarrers Hendrik Gillot. Sie ist von seinen Denkansichten fasziniert und nimmt bei ihm Privatunterricht in Philosophie. Er unterweist sie in die Werke der großen Denker wie Baruch Spinoza, Kierkegaard, Kant oder Leibniz. Für Lou ist Gillot Ersatz für den jüngst verstorbenen Vater auf der irdischen und für den in der Kindheit entschwundenen Gott auf der spirituellen Ebene. Sie liebt ihn abgöttisch auf eine verklärte Weise. Erst als sie spürt, dass auch Gillot sich in sie verliebt, aber anders als es ihr lieb ist, bricht sie den Privatunterricht und Kontakt zu ihm ab. Gillots Versuch, die geistige Beziehung zwischen beiden auf eine irdische Ebene zu verlagern, leitet gleichsam deren Ende ein.

Studium in Zürich

Lou Salomé zieht mit ihrer Mutter 1880 aus Russland fort nach Zürich, um dort zu studieren. Die Schweiz ist liberal genug, Frauen der damaligen Zeit den Zutritt zu den Universitäten zu gewähren. Sie schreibt sich in den Disziplinen Theologie, Philosophie und Kunstgeschichte ein. Hier macht sie ihre ersten lyrischen Erfahrungen. Aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes muss Lou ihr Studium nach nur zwei Jahren aufgeben. Sie zieht mit ihrer Mutter in das milde Klima von Rom und schließt sich dort dem philosophisch-feministischen Zirkel der Malwida von Meysenburg an. Dort macht sie erste Bekanntschaft mit dem Philosophen Paul Rée.

Eine moderne Gemeinschaft - Nitzsche, Rée und Lou

Nach ihrer ersten Begegnung mit Paul Rée lernen sie sich etwas besser kennen und es entwickelt sich eine tiefe platonische Freundschaft. 1882 gesellt sich als Dritter im Bunde Friedrich Nietzsche hinzu und die drei verbringen fortan an regelmäßig und viel Zeit miteinander und schreiben sich viele Briefe. Lou Salomé ist der Philosophie Nietzsches sehr zugetan und begreift sie tief im Inneren, was Nietzsche sehr beeindruckt. Er verliebt sich in Lou und macht ihr einen Heiratsantrag, den sie jedoch ablehnt. Sie zieht daraufhin mit Rée zusammen, was Nietzsche nie verwindet. Aus der Seelenverwandten wird seinen Worten nach ein „übelriechendes Äffchen mit falschen Brüsten“. Auch Rée macht ihr einen Heiratsantrag, den sie ebenfalls abweist. Lou geht ihre Freiheit und Unabhängigkeit über alles.

Ehe und Erotik - Friedrich Carl Andreas und Rainer Maria Rilke

Erst dem Werben des Orientalisten Friedrich Carl Andreas gibt Lou Salomé 1887 nach und wird seine Gattin. Sein Weib wird sie allerdings niemals, die Ehe verläuft ohne ehelichen Verkehr und Andreas holt sich seine Befriedigung in einer außerehelichen Beziehung zur Haushälterin, aus der auch ein Kind hervorgeht. Lou Andreas-Salomé lebt mitnichten ein sexfreies Leben. Sie besteht lediglich auf absoluter Selbstbestimmung als Frau. Sie findet ihren Liebhaber alsbald im wesentlich jüngeren Rainer Maria Rilke, der sich in sie verliebt und lange um sie wirbt. Die beiden beginnen eine intensive leidenschaftliche Affäre und Lou inspiriert den Dichter zu vielen lyrischen Werken.

Studium bei Freud und Lebensende

Sehr spät, 1812, beginnt Lou Andreas-Salomé das Studium der Psychoanalyse bei Sigmund Freud, freundet sich mit dessen Tochter Anna an und wird eine anerkannte Psychoanalytikerin. Sie arbeitet zwischenzeitig in einer Königsberger Internistenklinik und führt auch private Psychoanalysen durch. Am 5. Februar 1837 stirbt Lou in ihrem Göttinger Haus.

Lou Andreas-Salomé in ihren Werken

Das bekannteste ihrer philosophischen Werke ist die Aufsatzsammlung „Die Erotik“. Darüber hinaus hat sie sich auch erfolgreich literarisch betätigt. U.a. schrieb sie die Erzählungen „Ma“, „Fenitschka“ oder „Im Kampf um Gott“, letztere unter dem männlichen Pseudonym „Henri Lou“. Einen guten gebündelten Überblick über Lous Leben bietet die Biographie „Lou Andreas-Salomé“ von Linde Salber. Im Internet bietet Prof. Dr. med. Sadegh-Zadeh eine sehr ausführliche Webseite an: www.lou-andreas-salome.de

Sigrun Hopfensperger, Sigrun Hopfensperger

Sigrun Hopfensperger - Sigrun Hopfensperger - Kurzvita: geboren am 16. Juni 1967 in MünchenAuf dem Ersten Bildungsweg das Gymnasium bis zur 11. Klasse ...

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