1995 bei Atheneum Books for Young Readers erschienen, stammt die deutsche Übersetzung aus dem Jahre 1997 bei Carlsen und wurde 1999 als OMNIBUS Taschenbuch (Bertelsmann) aufgelegt.
Die Geschichte einer Entscheidung
Das Buch erzählt von der 12 Jahre alten Hope Douglas und ihrem jüngeren Bruder John. Die beiden werden im Jahre 1850/51 nach dem Tod ihrer Mutter von ihrem Onkel bei den Shakern abgegeben. Der Vater der Kinder ist schon vor langer Zeit nach Kalifornien gegangen und Onkel und Tante können (oder wollen) nicht für die Kinder sorgen.
Hope kennt sich im Heilen aus und wird später im Verlauf der Geschichte, die sich über ungefähr ein Jahr erstreckt, bei einer großen Grippewelle sehr hilfreich sein. Sie tut sich mit dem Leben bei den Shakern schwer und wartet nur auf ein Lebenszeichen ihres Vaters, um diese religiöse Gemeinschaft wieder verlassen zu können.
John dagegen fühlt sich wohl unter den Männern und am Ende des Buches, das die Geschichte der beiden immer abwechselnd aus der jeweiligen Perspektive erzählt, müssen beide sich entscheiden:
Wollen sie in der Gemeinschaft, die ihnen lieb und vertraut wird, bleiben? Oder entscheiden sie sich dafür, zu ihrem Vater zu gehen, der sie endlich gefunden hat und zu sich nehmen will?
Wer waren die Shaker?
Die Shaker waren eine freikirchliche Glaubensgemeinschaft, die im 18. Jahrhundert aus dem Quäkertum entstanden ist. Ihr Name wurde von dem rituellen Tanz abgeleitet, mit dem sie Gott verehrten. Die Gemeinden lebten streng nach Männern und Frauen getrennt und kannten weder Ehe noch Privateigentum. Nach einer Blütezeit im 19. Jahrhundert sind die Shaker heute nahezu ausgestorben.
Wer ganz allgemein mehr über die Gemeinschaft der Shaker wissen will, ist mit diesem Buch ausgezeichnet beraten. Die Autorin flicht ihr Wissen um diese Gemeinde geschickt in den Text ein und zeichnet ein lebendiges Bild der Menschen, ohne den Leser zu belehren. Sie gibt lediglich am Ende zusammenfassend Hinweise auf die Entstehung und Geschichte der Shaker.
Wer allerdings etwas über die Shaker erfahren möchte, ist mit der Lektüre eines entsprechenden historischen Sachbuchs besser beraten. Im Internet finden sich hierzu die nötigen Informationen und Quellenangaben.
Natürlich sind Geschichten, die sich mit dem Heranwachsen und den daraus auch resultierenden nötigen Entscheidungen beschäftigen, gerade für die angesprochene Altersgruppe wichtig. Es ist allerdings eher ungewöhnlich, dass zu diesem Zweck eine Geschichte übersetzt wird, die in einer als eher typisch amerikanisch zu bezeichnenden Religionsgemeinschaft spielt.
LouAnn Gaeddert: Hope
Aus dem Amerikanischen von Birgitt Kollmann
Rezension nach der Ausgabe:
OMNIBUS Der Taschenbuchverlag für Kinder und Jugendliche von Bertelsmann 1999,
ISBN 3-570-20522-3
verlegt 1997 im Carlsen Verlag, ISBN 978-3551580153
