
- Louise Brooks - Bain News Service
Louise Brooks (1906-1985) gilt als eine der bedeutendsten Schauspielerinnen der Stummfilm-Ära und als Prototyp des amerikanischen Flappers. Ihre Frisur, ein dunkler Bob, und ihr Make-up wurden in den 1920er Jahren ihr Markenzeichen. Internationale Anerkennung und das Image einer Stil-Ikone erhielt sie allerdings erst relativ spät nach dem Ende ihrer Hollywood-Laufbahn, als sie in den 1950er Jahren von Cineasten wiederentdeckt wurde. Sie drehte auch zwei Filme in Deutschland, "Die Büchse der Pandora" und "Tagebuch einer Verlorenen".
Louise Brooks’ Weg nach Hollywood
Louise Brooks wurde 1906 als Tochter eines Rechtsanwalts in Kansas geboren. Ihre Mutter förderte ihr tänzerisches Talent und ließ sie schon mit 16 Jahren in einem Showtanz-Ensemble auftreten. Drei Jahre später gehörte sie zu den Revue-Girls der Ziegfeld Follies in Hollywood, wo sie ganz klassisch von einem Filmproduzent entdeckt wurde. Paramount nahm sie unter Vertrag und gab ihr eine erste kleine Rolle. In den kommenden drei Jahren spielte sie in 14 weiteren Filmen, meistens den Typ der modernen jungen Frau, eben den typischen Flapper. Louise Brooks gehörte zu den aufstrebenden Starlets in Hollywood und war regelmäßig in den Kino-Magazinen vertreten, aber zu den großen Hollywood-Stars gehörte sie damals nicht. Sie war jedoch ein sehr fotogener Typ und so entstanden zahlreiche Fotoserien, die ihr Gesicht und ihren Stil unsterblich machen.
Karriere-Höhepunkt: Lulu in "Die Büchse der Pandora"
1929 holte der deutsche Regisseur G.W. Pabst sie für die Rolle der Lulu in "Die Büchse der Pandora" nach Berlin und besetzte mit ihr auch die weibliche Hauptrolle in "Tagebuch einer Verlorenen". In beiden Filmen spielt Brooks eine Verführerin. Heute haben diese Filme Kult-Status, aber in den deutschen Kinos waren sie nur mäßig erfolgreich. Zu dieser Zeit wurden die ersten Tonfilme gedreht – die Stummfilm-Ära war vorbei, was Brooks aber wohl falsch einschätzte. Jedenfalls weigerte sie sich, ihren letzten US-Stummfilm, "The Canary Murder Case", nachzusynchronisieren und wurde von Paramount gefeuert. Angeblich ließ die Firma aus Rache das Gerücht verbreiten, die Stimme von Louise sei für den Tonfilm ungeeignet. Trotzdem bekam sie 1931 die weibliche Hauptrolle in "The Public Enemy" angeboten – und lehnte ab! Der Film wurde mit Jean Harlow ein großer Erfolg. Das war de facto das Ende von Brooks Karriere, auch wenn sie Jahre später noch in zwei B-Western mitwirkte. In den 1930er Jahren war schlicht der Flapper-Typ nicht mehr gefragt, den Louise Brooks so perfekt verkörpert hatte.
Ausstieg oder Abstieg?
Von 1926 bis 1928 war sie mit dem Regisseur Eddie Sutherland verheiratet, den sie für eine Affäre mit dem späteren CBS-Chef William S. Paley verließ. 1933 heiratete sie den reichen Playboy Deering Davis, mit dessen Hilfe sie eine Tanzformation gründete. Ein halbes Jahr später bestand die Ehe nur noch auf dem Papier, die offizielle Scheidung folgte 1938. Nach der Pleite ihres Tanzstudios 1943 schlug sie sich zeitweise mit kleinen Jobs beim Rundfunk und als Verkäuferin eines Modehauses durch. Schließlich arbeitete sie als Edelprostituierte für einen kleinen Kreis wohlhabender Kunden, so ihr Biograf Barry Paris.
Louise Brooks: Zweite Karriere als Autorin
Die Wende kam 1955, als Henri Langlois sie für die Pariser Ausstellung "60 Jahre Kino" wiederentdeckte und pathetisch verkündete: "Es gibt keine Garbo! Es gibt keine Dietrich! Es gibt nur Brooks!" Erste Fanclubs in den USA entstanden und Louise Brooks begann eine zweite Karriere als Autorin. Ihre Publikationen über die Stummfilm-Ära und ihre autobiografische Abrechnung mit Hollywood, die auf Deutsch unter dem Titel "Lulu in Berlin und Hollywood" erschien, fanden positive Resonanz bei Fans und Filmhistorikern. Ihren Lebensunterhalt sicherte eine kleine "Rente" ihres früheren Liebhabers Paley.
Mit 78 Jahren starb Louise Brooks in New York. Die britische Popformation OMD widmete der Schauspielerin 1991 ihren Song "Pandora's Box"; das Video dazu zeigt Brooks in Szenen ihrer bekanntesten Filme.
Bücher über Louise Brooks:
- Louise Brooks: Lulu in Berlin und Hollywood, Verlag Schirmer/Mosel 1988
- Peter Cowie: Louise Brooks – Lulu forever, Verlag Schirmer/Mosel 2006
- Günter Krenn/Karin Moser: Louise Brooks – Rebellin, Ikone, Legende, Verlag Filmarchiv Austria 2006
