
- Cover von Dagon - Rough Trade Distribution
Howard Phillips Lovecraft hat mit seinen Büchern ganzen Generationen von Leserinnen und Lesern das Gruseln gelehrt. So sind Werke wie "Der Ruf des Cthulhu" oder "Der Schatten über Innsmouth" auch heute noch vielen Menschen ein Begriff. Da ist es natürlich keine Überraschung, dass viele Filmemacher sich diese Popularität zunutze machen wollten und wollen. Im folgenden Artikel werden fünf dieser Filme etwas genauer unter die Lupe genommen. (Sämtliche Filme haben eine Freigabe von FSK 18 und sind nicht für Kinder geeignet):
"Re-Animator" (USA 1985): Fun-Splatter von Stuart Gordon
Regie: Stuart Gordon
Mit: Jeffrey Combs, Bruce Abbott, Barbara Crampton, u.a.
Der Wissenschaftler Herbert West hat ein Serum entdeckt, mit dem man Tote wieder zum Leben erwecken kann, doch um es zu perfektionieren benötigt er frische Leichen. Er tritt deshalb an der Miskatonic University an den Medizinstudenten Dan Cain heran. Dieser ist sofort von West fasziniert und hilft ihm, in der Pathologie an "Forschungsmaterial" zu kommen. Das Resultat ist furchtbar, denn die wieder erweckten Toten gehen mit mörderischer Aggression auf die Lebenden los. Als West dann auch noch zwecks Vertuschung einen Professor tötet, geht der Spaß allerdings erst richtig los. Denn dieser wird erstens ebenfalls wiederbelebt und denkt zweitens auch als Toter nicht daran, sich nicht mehr an Dans Verlobte heranzumachen. Als Megan dann vom untoten Professor entführt und in das Krankenhaus gebracht wird, kommt es zu einem blutigen Showdown zwischen dem Professor und seiner Zombiehorde einerseits, sowie West und Cain andererseits.
Der auf einer Kurzgeschichte von Lovecraft beruhende "Re-Animator" hat zwar nicht mehr viel mit der originalen Geschichte zu tun, macht aber dennoch Spaß – zumindest wenn man ein Freund von Splatterfilmen ist. Hier liegt der Schwerpunkt nicht auf gruseligen Szenen, sondern vielmehr auf der abgedrehten und extrem blutigen Handlung, die man nicht allzu ernst nehmen sollte. Schauspielerisch wird zwar – bis auf den sehr guten Jeffrey Combs als Dr. West – nur Durchschnittskost geboten, allerdings sind hier die Spezialeffekte ohnehin die wahren "Stars". Es gibt bereits 2 Fortsetzungen, an Nummer 3 wird gerade gearbeitet. Fazit: Absoluter Kultfilm, aber sicher nicht für Zartbesaitete. Auf YouTube gibt es den Trailer zu Re-Animator.
Nur für Freunde unfreiwilliger Komik: "Dark Heritage" (USA 1989)
Regie: David McCormick
Mit: Mark LaCour u.a.
Nach einem gewaltigen Sturm werden auf einem Campingplatz in Louisiana dutzende verstümmelte Leichen gefunden. Der Reporter Clint Harrison findet etwas über eine alte Legende heraus und glaubt, dass das verlassene Haus einer Familie namens Dansen etwas mit den Vorfällen zu tun haben könnte. Gemeinsam mit seinen Freunden beschließt Clint, dort eine Nacht zu verbringen. Schon bald müssen sie feststellen, dass das Gebäude nicht so verlassen ist, wie es auf den ersten Blick ausgesehen hat...
Kurz gesagt: Bei dieser nicht offiziellen Verfilmung von Lovecrafts "Lurking Fear" geht einfach gar nichts. "Dark Heritage" gelingt es, alle wichtigen Elemente der Vorlage einzubeziehen und sie durch die schiere Inkompetenz der Macher dennoch in den Sand zu setzen. So wird dem ungläubigen Publikum beispielsweise allen Ernstes eine Höhle im Wald gezeigt, die man ganz offensichtlich aus Pappkartons und Matratzen gebaut hat (!) und der Beleuchter schafft es jedes Mal, dass alles was beleuchtet werden sollte, in völliger Dunkelheit liegt, während sämtliche Hintergründe komplett illuminiert werden. Die Schauspieler leiern alle nur ihren Text runter und als Draufgabe sind die deutschen Untertitel auf der DVD (die nur in englischer Fassung vorliegt) voller Rechtschreib- und Grammatikfehler. Einzig für Freunde der unfreiwilligen Komik empfehlenswert.
"Der Schatten über Innsmouth" in der Gegenwart: "Dagon" (Spanien 2001)
Regie: Stuart Gordon
Mit: Ezra Godden, Macarena Gómez, Francisco Rabal, u.a.
Ein plötzlich aufkommender Sturm zwingt Paul Marsh, seine Freundin Barbara und ein bekanntes Pärchen, ihren Bootstrip in Italien, dem Heimatland von Pauls Mutter, zu unterbrechen. Bevor sie irgendwo anlegen können, werden sie von dem Sturm heftig durchgeschüttelt, was dazu führt, dass sich Vikki, der weibliche Teil des anderen Paares, ein Bein bricht und hoffnungslos zwischen den zersplitterten Brettern des Bootes eingeklemmt wird. Ihr Mann möchte natürlich bei ihr bleiben, sodass Barbara und Paul mit dem Schlauchboot zu einem sich in der Nähe befindenden Fischerdorf namens Imbocca aufbrechen. Dort angekommen, fragen Barbara und Paul im Hotel nach einem Telefon. Der Portier sagt ihnen, dass es zwar kein Telefon gäbe, er aber Paul und Barbara ein Zimmer zur Verfügung stellen würde, bis Hilfe ankommen würde. Paul geht schon einmal hinauf und sieht, dass das Zimmer sich in einem extrem verwahrlosten Zustand befindet. Er wartet dort dennoch auf Barbara. Als diese nicht kommt, beginnt Paul, sich Sorgen zu machen. Er blickt aus dem Fenster und entdeckt, dass ganz Imbocca auf den Beinen ist. Nur sehen die Kreaturen, die sich da die Straße entlang direkt in seine Richtung bewegen, kaum noch wie Menschen aus. Bevor diese ihm die Tür eintreten, kann Paul durch das Fenster fliehen. Dabei verletzt er sich allerdings am Bein. Mitten in der Nacht muss Paul nun, verfolgt vom ganzen Dorf, seine Leute finden und verhindern, dass diese - von den wie eine Mischung aus Fisch und Mensch aussehenden Bewohnern - einem uralten Gott des Meeres namens Dagon geopfert werden. Einzig der alkoholkranke Obdachlose Ezequiel will ihm dabei helfen. Und das ist noch nicht alles, denn Imboccas dunkle Vergangenheit betrifft auch Paul selbst....
Stuart Gordons "Dagon" ist im Prinzip nichts anderes, als eine in die Gegenwart verlegte, sehr freie Version von Lovecrafts "Der Schatten über Innsmouth" (vermischt mit einigen Versatzstücken der Kurzgeschichte "Dagon") und eine der wenigen Lovecraft-Verfilmungen, welche – trotz einiger inhaltlicher Änderungen – die Atmosphäre der Vorlage sehr gut einfängt. Vor allem die Kulissen Imboccas wissen zu gefallen und geben dem Film einen surrealen Touch. Die Schauspielerinnen und Schauspieler liefern alle grundsolide Leistungen ab, lediglich die manchmal etwas schlampig gemachten Computereffekte sind zu bemängeln. Wenn man davon absieht, ist "Dagon" ein guter Horrorfilm, der sich zwar anfangs etwas Zeit lässt, aber dann gegen Ende immer intensiver wird. Den Kinotrailer zu Dagon gibt es auf YouTube.
Eine filmische Themenverfehlung: "Cthulhu" (USA 2007)
Regie: Dan Gildark
Mit Jason Cottle, Tori Spelling, u.a.
Ein Geschichtsprofessor aus Seattle, der sich aufgrund seiner Homosexualtität mit seiner Familie zerstritten hat, kehrt an den Ort seiner Kindheit zurück, um den letzten Willen seiner verstorbenen Mutter zu erfüllen. Diese hat ihm ein Video hinterlassen, in welchem sie ihm verrät, dass jedes männliche Mitglied seiner Familie immer an einem 1. Mai verstorben ist. Wenn Russ herausfinden möchte, woran das liegt, muss er sich beeilen, denn der erste Mai ist in wenigen Tagen...
In der Vorlage geht es um einen Universitätsprofessor, der den unnatürlichen Tod seines alten Mentors untersuchen will. Davon findet sich hier genau gar nichts. Das wäre aber nicht so schlimm, wenn wenigstens die gebotene Geschichte unterhaltsam wäre, was sie aber leider nicht ist. Denn anstatt den versprochenen Horrorfilm zu liefern, sehen wir bis ungefähr 20 Minuten vor dem Ende des Films, wie Russ sich mit seiner Familie über seine Homosexualität streitet und sich von allen missverstanden fühlt. Eigentlich wäre dieser Film viel lieber ein Drama über Intoleranz, aber nicht einmal als solches funktioniert er. Außerdem sei die Frage erlaubt, wieso die Macher für ihre Botschaft eine Geschichte von Lovecraft, der in seinen Werken Sexualität generell außen vor ließ, wählten. So setzt sich der Film, der weder Fisch noch Fleisch ist, zwischen alle Stühle und verfehlt die anvisierte Zielgruppe wohl meilenweit. Hier gibt es den Cthulhu-Trailer auf Youtube.
Inkompetenz auf Zelluloid gebannt: "Closet Space" (USA 2008)
Regie Mel House
Mit: Melanie Donihoo, u.a.
Sechs Studenten machen sich auf die Suche nach ihrem verschwundenen Professor. Dieser hatte irgendwie in einem alten Haus ein Tor zu einer anderen Dimension entdeckt und ward seither nicht mehr gesehen. Natürlich haben unsere sechs Helden nichts besseres zu tun, als ihrem Mentor total unvorbereitet hinterher zu laufen. Das Ergebnis ist so unvorhersehbar wie die Tatsache, dass einmal am Tag Mittag ist: Einer nach dem anderen wird von unheimlichen Kreaturen ermordet.
Eine filmische Bankrotterklärung. Zunächst einmal gibt es keine Lovecraft-Geschichte mit diesem Titel oder dieser Handlung, lediglich das Motiv des Dimensionstores mit seinen dahinter liegenden Schrecken könnten von ihm stammen. Die Ausstattung verrät von der ersten Minute an, dass die Macher keinerlei nennenswertes Budget zur Verfügung hatten und sich auch nie die Mühe gegeben haben, den durch und durch billigen Look auch nur irgendwie zu kaschieren. Die Kameraarbeit entfaltet mit der Zeit den Flair eines schlecht gemachten Heimvideos und die SchauspielerInnen wirken so hölzern, dass ein Stapel Bretter dagegen regelrecht flexibel wirkt. Hände weg! Auf YouTube gibt es den Trailer zu Closet Space.
Fazit: Aus 5 mach 1
Fünf Filme und nur einer ("Dagon") nennt sich zurecht eine Lovecraft-Verfilmung, da "Re-Animator" zwar Spaß macht, aber doch den Kern der Geschichte (absichtlich) verfehlt.
