
- Trauer um die Todesopfer der Loveparade - Margit Völtz, Pixelio
Gleich zu Beginn der Pressekonferenz machte der NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) deutlich, auf welcher Seite er steht: "Die Stimmung ist die, dass nicht gesagt wird, was wirklich passiert ist. Was dazu geführt hat, dass wir Tote und Verletzte zu beklagen haben. Und um es klar zu sagen, ich teile Ihre Einschätzung."
Dokumentation der Polizei
Anhand von Plänen und Luftbildern, die Spiegel Online veröffentlicht hat, wurde der Presse eine akribische Dokumentation aus Sicht der Polizei vorgestellt. Zu Beginn wurde die Situation auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs erläutert, dieses liegt zwischen der Autobahn A59 und dem Bahngelände. Der Hauptbahnhof befindet sich zwei Kilometer nördlich des Areals.
Der einzige Zugang zum Gelände ist der Tunnel, der sich von West nach Ost über das Gelände erstreckt, dieser diente gleichzeitig als Ein- und Ausgang. In der Mitte des Tunnels befindet sich die Hauptrampe, die als einziger permanenter Zugang zum Partygelände führte. Links neben der Hauptrampe befindet sich eine kleinere Nebenrampe, die jedoch nicht die gesamte Zeit geöffnet war. Das Sicherheitskonzept der Polizei sah vor, dass sich außen um das Gelände herum zwei Zuläufe zur Partyfläche hin bilden. Beide Routen beginnen am Hauptbahnhof, eine im Westen, eine im Osten. Bevor es zu den Einlassstellen am Tunnel geht, waren sowohl auf der West- als auch der Ostseite sogenannte Vereinzelungsanlagen vorgesehen.
An dieser Stelle machte der Innenminister auf eine klare Teilung der Zuständigkeiten aufmerksam. Die Polizei war für die Routen außerhalb des Geländes verantwortlich, ab den Einlässen am Tunnel hatte der Veranstalter, die Lopavent GmbH, die Verantwortung.
Am Nachmittag habe sich auf dem Partygelände starkes Gedränge aufgrund eines Rückstaus entwickelt, um 15:30 Uhr wurde die Polizei gerufen, da das beauftragte Sicherheitspersonal die Menschenmassen an der Hauptrampe nicht mehr bewältigen konnte. Die Polizei bildete daraufhin insgesamt vier Sperrlinien, zwei im Tunnel und zwei vor der Haupt- und Nebenrampe, um die neuen Besucherströme auf das Gelände zu verlangsamen, in der Hoffnung, dass sich die Situation auf dem Gelände entspanne. Die Sperrlinien mussten jedoch nach und nach aufgegeben werden, da der Andrang von beiden Seiten zu groß war.
Todesursache der ersten 14 Opfer
Seitlich der Hauptrampe am Tunnelende befand sich die kleine, ungesicherte Treppe, die die Besucher nutzten, um schneller dem Gedränge zu entkommen und das Partygelände zu erreichen. Absperrgitter, die die Treppe unzugänglich machen sollten, wurden von den Menschenmassen niedergerissen und zerdrückt. Hier wurde die Enge zur tödlichen Bedrohung, insgesamt 14 Menschen wurden vor der Treppe eingedrückt, sie erlagen unmittelbar auf dem Gelände ihren Quetschungen oder sind erstickt. Entgegen der ursprünglichen Aussagen ist keines der Todesopfer durch einen Sturz von der Treppe verunglückt.
Ein weiterer Kritikpunkt der Polizei war die Ungleichverteilung auf dem Gelände. Die Partyzüge, sogenannte „Floats“ fuhren zu nah am Haupteingang entlang, dies verstärkte die Menschenansammlung vor der Hauptrampe, was den Druck im Tunnel erhöhte. Der Veranstalter hatte sogenannte „Pusher“ eingesetzt, die den Eingangsbereich frei halten sollten, diese scheiterten jedoch an der schieren Zahl der Menschen. Anhand von Luftbildern zeigte die Polizei, wie sich die Menschenmassen vor und hinter dem Tunnel stauten, der Druck im Bereich der Rampe und der kleinen Treppe wurde gegen 16:45 Uhr so hoch, dass die Massenpanik ausgelöst wurde.
Vereinzelungsanlagen gescheitert
Laut Angaben der Polizei sollten Vereinzelungsanlagen für Entspannung im Einlassbereich sorgen. Diese Sperren sollten die Menschenmengen verlangsamen, so dass der Druck nicht überhandnimmt. Vereinbart war mit dem Veranstalter nur maximal 30.000 Menschen pro Stunde einzulassen. Als der Druck so groß wurde, dass im Tunnel Sperrlinien von der Polizei gebildet werden mussten, sollte der Veranstalter die Eingänge zum Gelände schließen, dieser Forderung sei er jedoch nicht ausreichend nachgekommen, so der Vorwurf der Polizei.
Kritik an Veranstalter und Stadtverwaltung
Der Innenminister kritisierte das Verhalten des Veranstalters und der Stadt, es sei „unerträglich“, dass beide die Verantwortung zurückwiesen, noch bevor alle Fakten bekannt seien. Die Verantwortung für die Tragödie auf dem Festgelände sieht Jäger beim Veranstalter. Die Verantwortung für die Genehmigung der Veranstaltung obliege hingegen der Stadt.
Am kommenden Samstag, eine Woche nach der Katastrophe auf der Loveparade, wird ein ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Salvatorkirche in Duisburg zu Ehren der 21 Verstorbenen stattfinden. Bisher starben 13 Frauen und acht Männer im Alter zwischen 18 und 38 Jahren, sie erlagen ihren Verletzungen. Mehrere hundert Menschen wurden verletzt.
Bildnachweis: Margit Völtz, Pixelio
