
- Loveparade - Michael Berger /pixelio.de
Während die vergangenen Tage vor allem der Analyse und Aufarbeitung der Verschuldens- und Verantwortungsfragen rund um die Loveparade gewidmet waren, läuft aktuell eine gesellschaftspolitische Grundsatzdebatte über die Loveparade und ähnliche Veranstaltungsformen und Veranstaltungsinhalte an.
Loveparade von den Wurzeln entfernt?
Seit dem vergangenen Samstag wird eine breit gefächerte Debatte über die Loveparade geführt. Diese Debatte reicht von der Frage des ursprünglichen Themas dieser Veranstaltung über Fragen der Behördenzuständigkeit, des Veranstaltungsrechts, des Verschuldens bei Organisation und Genehmigung bis hin zur Frage des Schadensersatzes von Organisatoren und Versicherungen gegenüber den Hinterbliebenen und Verletzten. Beim ursprünglichen Thema sind sich alle Kommentatoren, ja selbst die Veranstalter einig, dass das Motto von 1989: Friede, Freude, Eierkuchen schon längst einer multimedialisierten Megashow weichen musste. Und dies nicht erst in Duisburg 2010, sondern bereits die Jahre davor in Berlin bis weit in die 1990er Jahre zurück.
Soll man die Feste wirklich feiern, wie und wo sie fallen?
Bei Behördenzuständigkeit, Veranstaltungsrecht und Verschuldensfrage wird demgegenüber der Kelch in der Runde der Beteiligten seit sieben Tagen herumgereicht: War der Veranstaltungsort falsch gewählt oder zu klein prognostiziert, war die Besucherzahl und deren Verweildauer falsch oder zu gering veranschlagt, hatten die Behörden die Dimension der Weg-Zeitstrecke der Besucher vor und am Festgelände falsch eingeschätzt, wer hat überhaupt die Grundsatzentscheidung für das Stattfinden gefällt, wer hätte diese verhindern können? Da wird man in guter alter Manier wieder einmal durch den gesamten Bürokratiedschungel der Bundesrepublik auf Bundes-, Länder- und Kommunalebene gejagt. Eine Frage bleibt: „Soll man die Feste wirklich feiern, wie und wo sie fallen? Am Beginn des 21.Jahrhunderts, wo sich eine Gesellschaft und ein Staatswesen, wie die Bundesrepublik Deutschland so viel Gedanken über alles und jedes auf dieser Welt machen, hätte man hier wohl mehr Sorgfalt und Verantwortung an den Tag legen sollen.
CDU-Oberbürgermeister als einziger Veranstaltungsprotagonist?
Derzeit sieht es so aus, wenn man den Medienberichten und Kommentaren Glauben schenken kann, dass einzig und allein der CDU-Oberbürgermeister Sauerland die Loveparade protegiert hätte, und das gegen besseres Wissen seiner Stadtverwaltung, von Polizei und Feuerwehr? Aber misst man einer einzelnen Person da nicht zu viel Macht- und Gestaltungswillen zu? Ein Oberbürgermeister, ganz gleich welcher Parteizugehörigkeit, möchte nun einmal für die von ihm repräsentierte Stadt Großereignisse an Land ziehen. Das bringt Aufmerksamkeit, das bringt Umsätze, das bringt Einnahmen in die Stadtkasse, das kann bei einer Wiederwahl die notwendigen Stimmen und Prozentpunkte vor den Gegenkandidaten erzielen. Am Ende wird wohl ein gemeinsames Fehlverhalten herauskommen. Die einen waren zu euphorisch, die anderen zu wenig sorgfaltsgemäß, die Dritten haben fundamentale Grundsätze des Veranstaltungsmanagements zu dürftig eingesetzt.
Morgige Trauerfeier Show oder Besinnungstag?
Die morgige Trauerfeier hätte eine Chance, eine gesellschaftspolitische Debatte über die Grundverfasstheit unseres derzeitigen Gemeinwesens zu führen. Dabei sein sollte nicht alles sein, weder bei einer Loveparade und schon gar nicht bei einer Trauerfeier, eine Woche später. Denn das wäre dann nur eine Show. Aber es gäbe eine Chance für einen echten Besinnungstag, der Fragen der medialen Inszenierung, eines hemmungslosen Konsumismus, einer Grundsatzhaltung, dass alles geht, den Spiegel vorhält. Ob der 31.07.2010 am Ende des Tages dieses Ergebnis bringt?
Bildnachweis: Michael Berger, www.pixelio.de
