
- Luchs - Uwe Dommnich
Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) ist nach Bär und Wolf das drittgrößte Raubtier Europas. Lange Zeit wurde er vom Menschen verfolgt, da der Luchs bei den Nutztieren einen nicht unbedeutenden Jagdschaden anrichtete. Auch sein kostbares Fell war begehrt. Dies führte dazu, dass er in Europa beinahe ausgerottet wurde. Natürliche Vorkommen des Luchses gibt es heute noch in Skandinavien, im Osten Polens, entlang den Karpaten und in den ehemaligen Ländern der Sowjetunion. Dass der Luchs heute wieder im Bayerischen Wald, in den Alpen, im Fichtelgebirge, im Spessart und seit 2000 im Harz lebt, verdankt er einer gezielten Wiederansiedlung durch den Menschen.
Typisch für den Luchs sind seine Haarbüschel an den Ohren
Der Luchs erreicht eine Gesamtlänge mit Schwanz bis zu 1,60 Meter, eine Schulterhöhe bis 75 Zentimeter und ein Gewicht bis 40 Kilogramm. Im Sommer ist sein Fell grau bis rostgelbrot, der Bauch und die Flanken sind schmutzig weiß. Im Winter ist das Fell stumpfer, da es mehr mit weiß durchmischt ist. Insgesamt kann der Luchs je nach Alter, Jahreszeit und Herkunft sehr verschieden aussehen. Auch die Fleckung des Fells ist individuell sehr verschieden, teilweide kaum erkennbar. Typisch sind jedoch seine etwa 5 Zentimeter langen Haarpinsel auf den spitzen Ohren und der wie abgeschnitten wirkende Stummelschwanz mit schwarzem Ende. Die Vorderbeine sind sichtbar kürzer als die Hinterbeine, der Körperbau des Luchses wirkt quadratisch.
Lebensraum und Lebensweise des Luchses
Der Luchs liebt als Lebensraum große zusammenhängende Waldbestände und Buschgebiete, sowohl im Tiefland als auch bis 2000 Meter Höhe. Er lebt als Einzelgänger und jagt in der Dämmerung bzw. als Nachttier. Tagsüber wählt er als Unterschlupf und Lagerplatz gerne Dickichte, Erdhöhlen und Felsspalten. An seine Beute schleicht sich der Luchs heran, um sie dann im Sprung zu überfallen. Er erbeutet kleinere Tiere wie Mäuse und Vögel, aber auch größeres Flugwild, Hasen, Füchse, Frischlinge, krankes Rotwild, Gämsen, Steinböcke und sogar auch Wild- und Hauskatzen. Zum Ärger der Menschen erbeutet er auch Weidevieh, besonders Kälber, Schafe und Ziegen.
Sinnesleistungen des Luchses
Wenn jemand sehr gute Augen hat, spricht man von „Augen wie ein Luchs“. Dies trifft voll zu. Die Lichtempfindlichkeit der Luchsaugen ist sechsmal so hoch wie die des Menschen. Dies macht ihn zu einem hervorragenden Nachtjäger. Die spitzen Ohren ermöglichen der Raubkatze zusätzlich ein ausgezeichnetes Hören. Stimmlich ist der Luchs ähnlich unseren Hauskatzen zu sehr variablen Lauten fähig. Wütendes Knurren, Fauchen, lockendes Mauzen, behagliches Schnurren und zur Paarungszeit lautes Schreien, alles ist möglich. Obwohl der Luchs gut schwimmen kann, meidet er das Wasser und ebenso klettert er selten auf Bäume.
Nachwuchs bei Luchsen
Zur Paarungszeit im zeitigen Frühjahr zwischen Februar und April gibt der Luchs sein Leben als Einzelgänger für kurze Zeit auf. Wenn nach zehn bis elfwöchiger Tragzeit die Jungen geboren werden, lebt die Luchsin bereits wieder allein. Sie bringt ihre zwei bis vier anfangs blinden Jungen gut verborgen, oft in verlassenen Fuchs- oder Dachsbauten zur Welt. Diese bleiben ein, manchmal auch zwei Jahre bei der Mutter.
Jäger und Landwirte betrachten den Luchs mit Skepsis
Die Wiederkehr des Luchses sehen Jäger und Landwirte mit gemischten Gefühlen. Die Jäger fürchten, der Luchs schade dem Rehwild und die Landwirte befürchten Verluste bei ihren Nutztieren. Naturschützer sind der Meinung, der Luchs würde nur krankes Rehwild schlagen. Genaue Kenntnisse, welchen Einfluss der Luchs auf seine Beutetiere hat, gibt es aber noch nicht. Trotzdem ist die Jagt auf den Luchs in Deutschland, Österreich und der Schweiz verboten bzw. streng kontrolliert.
Quellen:
- Urania Tierreich Säugetiere – Urania-Verlag
- und Webseite Planet-Wissen
