Nach dem Bremer Spielmacher Diego (zu Juventus Turin) verliert die Fußball-Bundesliga im Sommer 2009 mit Lucio nicht nur den zweiten Brasilianer an die italienische Serie A, sondern auch einen zweiten herausragenden Spieler der letzten Jahre. Nachdem der FC Bayern München dem Brasilianer nur einen Einjahresvertrag anbieten wollte und sein Stammplatz in der Innenverteidigung des deutschen Rekordmeisters nicht mehr unumschränkt sicher war, entschied sich der 31-Jährige für einen Wechsel zum italienischen Meister Inter Mailand. Acht Millionen Euro Ablöse überweist Mailand nach München. Deutschlands höchste Spielklasse verliert damit einen der auffälligsten Abwehrspieler der Geschichte.
Leverkusens gute Kontakte nach Brasilien
Im Winter 2000/2001 ließ Bayer 04 Leverkusen seinen guten Draht nach Brasilien spielen und verpflichtete den damals erst 22-jährigen Abwehrspieler von Internacional RS. 8,5 Millionen Euro war dem Werksklub das bis dahin noch unbekannte Talent wert. Schnell bestätigte Lucio jedoch die Erwartungen, die in ihn gesetzt wurden und reihte sich ein in die Liste von Brasilianern, die in Leverkusen zu Weltstars (Jorginho, Paulo Sergio, Zé Roberto, Emerson et cetera) reiften. Besonders durch seine ungestümen Vorstöße stürmte er in die Herzen der Anhänger und blieb diesen in Erinnerung. Schon in seinem ersten Halbjahr erzielte der Defensivspezialist stolze fünf Tore (in 15 Spielen). Es blieb sein Bestwert in der Bundesliga. Besonders, weil seine Trainer seinen Offensivdrang im Zeichen einer sicheren Defensive immer weiter zügelten. Doch auch in der Abwehr blieb er ein herausragender Spieler, der kompromisslos gegen sich und seine Gegenspieler blieb. Von Fans und Journalisten wurde er wegen seiner Spielweise oft als "Das Tier" betitelt.
Lucio feierte drei Meisterschaften in München
Das blieb auch beim deutschen Rekordmeister nicht unbeobachtet. Im Sommer 2004 verpflichtete der FC Bayern München den Weltmeister (2002). 12 Millionen Euro Ablöse war dem FCB der Verteidiger wert. Es folgte die erfolgreichste Zeit seiner Karriere. Mit den Münchnern errang er drei Double-Gewinne (Meisterschaft und DFB-Pokal-Sieg) in den Jahren 2005, 2006 und 2008. Nach der Weltmeisterschaft 2006 ernannte ihn der Trainer der brasilianischen Nationalelf Carlos Dunga zum Kapitän der Selecao. An zwei Weltmeisterschaften (2002, 2006) nahm Lucio bisher teil. Bleibt er in den kommenden Jahren verletzungsfrei, werden bald 100 Länderspiele in seiner Vita stehen.
In der Bundesliga absolvierte er 236 Partien, in denen er 22 Tore erzielte. Aber mehr als die Zahlen bleiben den deutschen Anhängern seine Leidenschaft, sein Kampfeswille und sein Einsatz in Erinnerung. Lucio spielte auf konstant hohem Niveau und war in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts einer der besten Abwehrspieler der Fußball-Bundesliga. Bei Inter Mailand will er sich einen ähnlich guten Ruf verschaffen, zudem den Titel in der Serie A gewinnen und die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2010 sichern. Die Bundesliga wird ihn vermissen.
