"Weniger ist mehr"!
Dass diese Anmerkung auf einen der berühmtesten deutschen Architekten zurückgeht, wissen die Wenigsten. Mies van der Rohe wollte damit auf Wichtigkeit des Wesentlichen hinweisen. Charakteristisch für seinen Baustil ist die reduzierte, moderne, klare und klassische Formensprache. Mit Tragstrukturen aus Stahl ermöglichte er große Variabilität in Bezug auf die Nutzflächen und großflächige Fassadenverglasungen. Hier ein kleiner Ausschnitt aus der frühen Architektur des Architekten:
Deutscher Pavillon zur Weltausstellung 1929
Berühmtheit erlangte er mit dem Bau des deutschen Pavillons anlässlich der Weltausstellung 1929 in Barcelona. Das Gebäude wurde nach Abschluss der Ausstellung zerstört und 1986 zum hundertsten Geburtstag von Mies van der Rohe rekonstruiert und wieder aufgebaut. Heute steht es am Fuße des Montjuic in Barcelona und zählt zu den wichtigsten Gebäuden des 20. Jahrhunderts. Der Flachbau stellt das Konzept des "fließenden Raumes" dar. Mit edlen Bauteilen aus Marmor, Travertin, Onyx, flaschengrünem Glas und verchromtem Stahl verkörpert der Bau eine abstrakte, lineare Zusammenstellung aus vertikalen und horizontalen Formen. Die tragenden Elemente bestehen aus acht verchromten Stahlstützen in Kreuzform, welche die Dachplatte halten. Raumbildende Wände sind frei eingestellt und von den tragenden Bauteilen klar abgegrenzt. Durch geschicktes Zusammenspiel der Wände, hat der Besucher das Gefühl eines gleichzeitig offenen und geschlossenen Innenraums. Im Zentrum befindet sich eine Onyx-Wand. Eine tagsüber lichtdurchlässige Wand aus Milchglas wird abends mit Kunstlicht beleuchtet. Einzelne, ausgesuchte Möbel schmücken den ansonsten ästhetisch leeren Innenraum.
Häuser Weißenhofsiedlung Stuttgart
Mies van der Rohe wurde 1926 zum Vizepräsident des DWB (Deutscher Werkbund) ernannt. In dieser Funktion oblag ihm die Leitung der Bauausstellung "Die Wohnung" in Stuttgart. Wichtig an diesem Projekt war die Darstellung der aktuellen Technik am Beispiel der Einfamilien-, Doppel-, und Reihenhäuser, sowie der Geschosswohnungsbauten. Van der Rohe trug mit einer viergeschossigen Wohnhauszeile bei. Die Bauweise erlaubte offen unterteilbare Wohnungen, mit vielen Möglichkeiten Räume veränderbar zu nutzen. Im Nationalsozialismus sollte die Siedlung abgerissen werden, in den 50er Jahren stellte man sie unter Denkmalschutz, und in den 80er Jahren restaurierte man sie.
Haus Tugendhat Brünn
Duch das Obergeschoss betritt man das am Südhang gelegene Haus Tugendhat, wo sich Schlafräume, aufgeteilt in Eltern- und Kinderflügel, Wirtschaftstrakt und Wohnräume befinden. Vor den Räumlichkeiten der Kinder befindet sich eine Dachterasse. Im Untergeschoss liegt der größere Wohnbereich, großzügig durch eine Wand aus Onyx vom Arbeitsbereich getrennt. Das großbürgerliche Haus zeichnet sich durch fließende Wände, verschiedensten edlen Materialien und versenkbaren Scheiben in geräumiger Weise aus.
Eine wohlhabende deutsch-jüdische Fabrikantenfamilie gab in den zwanziger Jahren dieses Haus im heutigen Tschechien in Auftrag. Während des Krieges beschlagnahmten die Nationalsozialisten das Haus, anschließend nahm es die Rote Armee ein. Heute zählt man es zum Weltkulturerbe der Unesco.
