Luise F. Pusch: Der Kaiser sagt Ja

Glossen der feministischen Sprachwissenschaftlerin

Pusch: Der Kaiser sagt Ja - Wallstein Verlag
Pusch: Der Kaiser sagt Ja - Wallstein Verlag
Luise F. Pusch schreibt in ihren Glossen mit Ironie und Kampfgeist über Situationen, in denen Frauen sprachlich unsichtbar gemacht werden.

In einer Fernsehsendung verkündet der Moderator: „Die einzige Dame unter den sechs Herren, die die Endauswahl für den Deutschen Buchpreis geschafft haben, ist Iris Hanika.“ Wem fällt was auf? Während der Sendung fiel niemanden daran etwas auf, doch ist genau das ein Fall für Luise F. Pusch.

Feministische Sprachwissenschaften

Die Sprachwissenschaftlerin, die mit ihrem 1984 erschienen Buch „Das Deutsche als Männersprache“ bekannt geworden ist, nimmt in ihren Glossen Situationen aufs Korn, in denen Frauen sprachlich herabgewürdigt oder unsichtbar gemacht werden. Ihre Texte, die überwiegend aus den Jahren 2007 und 2008 stammen, sind nun unter dem Titel „Der Kaiser sagt Ja und andere Glossen“ erschienen.

Deutsch als Männersprache

Liest man ihre häufig ironischen und augenzwinkernden Auslassungen über die sprachlichen Verfehlungen, beschleicht die Leserin erst einmal ein Gefühl der Verwunderung. So reden wir. Täglich. Überall. Und keinem fällt es auf, keiner stört sich daran, wenn eine Violinistin ständig als „Sie, als Violinist …“ angesprochen wird. Luise F. Pusch beharrt auf die korrekte Bezeichnung, also auf das, was der Journalist Edo Reents in einem Artikel einst als die „albernen Feminismus-Endungen“ bezeichnete. Was ihm einen Brief der Pusch einbrachte und ihn in eine ihrer Glossen beförderte. Unklar bleibt, wie es ihm gefallen würde, als „die Journalistin Edo Reents“ bezeichnet zu werden.

Doch ist es nicht irgendwie gestrig und überholt, stets auf die „Innen“ zu bestehen? Gegenfrage: Könnte es sein, dass irgendwo ein Zusammenhang besteht zwischen der sprachlichen Unsichtbarmachung von Frauen und ihrer Nichtpräsenz in Chefetagen, Machtpositionen, Entscheidungsrollen? Wer weiß. Ob es wohl eine inhaltliche Verbindung gibt, zwischen der sprachlichen Vermannung und den betont männlichen Auftritten der Frauen, die es „nach oben“ geschafft haben? Möglich wäre es.

Luise F. Pusch auf Spurensuche im Alltag

Nein, bei Luise F. Pusch gibt es auf solche Fragen keine Antworten, das würde den Rahmen einer Glosse sprengen, aber sie löst solche Überlegungen aus, und das ist doch schon von einigem Wert. Die ganzen Alphamädchen-Diskussionen im Feuilleton waren eben: Feuilleton. Abstrakt. Theoretisch. Weit weg. Luise Pusch setzt im Alltag an, bei Dingen, die allen begegnen. Franz Beckenbauer heiratet Heidi Burmester und was steht in der Zeitung? „Der Kaiser sagt Ja.“ Die Braut kommt bei ihrer eigenen Hochzeit nicht vor. Auf Mac-TV kann man Videos über die optimale Nutzung der Mac-Software und Hardware schauen. Die Moderatoren, die Zuschauer-Adressierung, die Beispiele – alles ist ausschließlich männlich und auf männliche User zugeschnitten.

In ihren 49 Glossen erzählt Luise Pusch unterhaltsam von den Fundstücken aus ihrem Alltag. Zur Düsseldorfer Ausstellung über „Der verbotene Blick auf die Nacktheit“ fällt ihr auf: „Wirklich verboten ist nur der Blick auf männliche Nacktheit. Männer werden in der Kunst nicht beim Baden überrascht; vielleicht baden sie zu selten?“

Luise F. Pusch: Der Kaiser sagt Ja und andere Glossen. Wallstein Verlag 2009. Broschiert, 144 Seiten. Euro 9,90.

Pia Helfferich, Pia Helfferich

Pia Helfferich - Pia Helfferich ist Autorin und schreibt nebenher Rezensionen und Artikel für die Zeitschriften Federwelt, TextArt und Buchkultur. Sie ...

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