Seine frühe Kindheit verbrachte Luiz in Garanhuns, einer kleinen Stadt im Inneren von Pernambuco, einem der armen Bundesstaaten im Nordosten Brasiliens. Er wurde am 27. Oktober 1945 geboren, als siebentes der acht Kinder von Aristides Inácio da Silva und Eurídice Ferreira de Mello, liebevoll „Dona Lindu“ gerufen. Der Vater, ein arbeitsloser Analphabet und Trinker, brach irgendwann auf, um mit seiner Geliebten im Bundesstaat São Paulo sein Glück zu versuchen. 1952 verscherbelte Dona Lindu ihr Hab und Gut, erwarb eine Fahrkarte, nahm ihre Kinder, schwang sich auf einen Lastwagen und folgte Aristide. Sie landeten in einem heruntergekommenen Stadtteil von Guaraju, einer Küstenstadt, wo Aristide als Ladearbeiter sein Geld verdiente.
Vormittags Schule, nachmittags Arbeit
Lula besuchte dort vormittags die Volksschule, nachmittags verkaufte er Erdnüsse und Orangen. Als er elf war, trennte sich Dona Lindu von ihrem Mann und zog mit den Kindern in die Metropole São Paulo. Mit zwölf besserte Lula das karge Haushaltsgeld auf indem er die Schuhe der Passanten putzte oder Kunden einer chemischen Reinigung ihre Wäsche lieferte. Mit 14 ging er von der Schule ab, arbeitete zuerst in einem Lagerhaus, danach in einer Schraubenfabrik. In seiner arbeitsfreien Zeit bildete sich Lula zum Mechaniker und Dreher weiter.
Beginn der politischen Laufbahn
1966 fand er Arbeit in der Metallfabrik Villares in São Bernardo do Campo, im Großraum São Paulos. Durch seinen älteren Bruder Frei Chico, Mitglied der verbotenen Kommunistischen Partei, schnupperte Lula politische Luft. Er trat der Metallarbeiter-Gewerkschaft bei und wurde 1969 als Stellvertreter in den Vorstand der Regionalgruppe São Bernardo und Diadema gewählt. Die politische Laufbahn ging steil bergauf: 1972 wählten die Gewerkschafter ihn zum Generalsekretärs, 1975 zu ihrem Präsidenten, verantwortlich für 100.000 Arbeiter.
Schicksalsschläge in den 1970er Jahren
Die 1970er Jahre verhießen nicht nur Gutes für Lula. Bevor er seine jetzige Fraue Marisa kennen lernte, traf ihn das Schicksal hart. Seine erste Frau Lourdes starb an Gelbsucht, im achten Monat schwanger. 1977, als die Metallarbeiter streikten und gegen die Militär-Regierung demonstrierten, landete Lula im Gefängnis: Er hatte die Proteste organisiert.
1980: Gründung der Arbeiterpartei (PT)
1980 ermöglichte eine Reform die Gründung neuer Parteien. Lula, Vertreter von Frauenorganisationen, indigenen Gruppen, linksgerichteten Kirchen, Künstler und Intellektuelle riefen am 10. Februar offiziell die Arbeiterpartei („Partido dos Trabalhadores“, PT) ins Leben. 1982 bekannten sich bereits 400.000 Brasilianer zur PT. 1985 bescherten die Wahlen der Militär-Diktatur das endgültige Aus, ein Jahr später vertrat Lula den Bundesstaat São Paulo im Nationalkongress. 1989 fanden nach 29 Jahren wieder Präsidentenwahlen statt. Lula kandidierte und bekam 31 Millionen Stimmen, nicht genug für das höchste Amt im Staat.
Beim vierten Anlauf Präsident
Lula kandidierte auch 1994 und 1998. Beide Male verlor er gegen den gebildeten Wirtschaftsliberalen Henrique Fernando Cardoso. Bei der Präsidentenwahl 2002 appellierte Lula nicht mehr für die Streichung der Auslandsschulden, sondern präsentierte umfangreiche Programme, die vor allem den Ärmsten helfen sollen. Im zweiten Wahlgang stimmten mehr als 52 Millionen Brasilianer für Lula. Am 1. Januar 2003 trat er sein Amt an. Bei den Wahlen 2006 wurde er wieder gewählt.
