
- Wenn Kinder Fußballspielen kann man sie gern Basti rufen, aber wenn sie Männer werden, klingt das albern - Paul / Veezzle
Profifußballer sind Menschen wie du und ich, und deshalb tragen sie auch Namen wie du und ich. Naja, nicht alle. Manche haben schon sehr ulkige Namen auf dem Trikot stehen. Wenn die Kicker erfolgreich werden und ins Licht der Öffentlichkeit rücken, wird es brenzlig. Wer einen albernen Namen hat, muss sich etwas überlegen: Umbenennen oder voller Stolz den Makel tragen und einfach trotzdem ein guter Fußballer sein.
Woher hat Bastian Schweinsteiger seinen Namen?
So hat sich wohl auch Bayernprofi Bastian Schweinsteiger entschieden, als er sich trotzig gegen eine Umbenennung stemmte. Mittlerweile hat sich in Deutschland jeder an den Namen des sympathischen Nationalspielers aus dem oberbayerischen Kolbermoor gewöhnt. Gern nennt man ihn deshalb auch „Schweini“, wohl um vom Steiger abzulenken. Wenn man wohlwollend ist, könnte ein Schweinsteiger ein traditioneller Beruf gewesen sein – also der Mann, der die Schweine einen Steig (bairisch für Bergpfad) hinauftrieb. Vielleicht hielten die Bayern ihre Schweine ähnlich wie die Spanier? Das iberische Schwein darf nämlich ganz wie die bayerische Kuh in der freien Natur umherstreifen. Wenn man aber weiter grübelt, wie die Familie Schweinsteiger zu ihrem Namen kam, treiben einem Gedanken an Sodom und Gomorrha den Schweiß auf die Stirn. Da wird doch nicht – oder doch? Ein Mann gewesen sein, der es mit den Schweinen trieb und diese bestieg?
Recherchen des Professors für Onomastik, Jürgen Udolph von der Universität Leipzig, ergeben ein ganz anderes Bild. Der deutsche Namenforscher fand heraus, dass Bastian Schweinsteiger seinen Nachnamen dem süddeutschen Ort Schweinsteig verdankt. "-steig" bedeutet nämlich keineswegs "steigen", sondern kommt aus dem mittelhochdeutschen "stige" und heißt "Stall". Die Vorfahren Schweinsteigers könnten also früher bei den Schweinen im Stall gewohnt haben, ohne sie deshalb gleich zu besteigen.
Namenforscher befassen sich mit der Herkunft von Familiennamen. Sie erkunden, ob die Nachnamen eher von lokaler Bedeutung sind, also nach einem Ort benannt sind, Berufe zu Grunde liegen oder Einflüsse aus anderen Sprachen vorliegen. Da die Sprache dynamisch ist, ändern sich im Laufe von Generationen sowohl aus Aussprache als auch Schreibweisen von Namen.
Weitklo, Feisthammel, Dickhaut – die Bundesliga hält lustige Namen bereit
Die aktuelle Bundesliga hält derzeit viele amüsante Nachnamen bereit. Da wären Christian Wetklo (FSV Mainz 05), Tobias Feisthammel (Alemania Aachen) oder der heute als Trainer aktive Mirko Dickhaut – alles Namen, die die Fantasie anregen und bei einem langweiligen Kick auf ganz andere Gedanken bringen. Warum wurde auf dem Klo gewettet? Warum wurde Feisthammels Ur-Ur-Urgoßvater nach einem fetten Schaf benannt? War sonst nichts los in der Schwäbischen Alb?
Nun ist es so, dass wohlmeinende Kommentatoren, aber auch verzückte Fans, ihren Stars gern Kosenamen verpassen, um eine Art freundschaftlich-kumpelhaftes Verhältnis zum Balltreter aufzubauen. Vielleicht waren es auch die weiblichen Fans, die aus ihrem Bastian (Schweinsteiger) einen Basti oder Schweini machten oder die Mütter, die am Spielfeldrand ihre Söhne anfeuerten? Doch aus den Jungs werden irgendwann immer Männer und dann klingen verniedlichte Namen einfach albern. Bastis wie Deisler und Schweinsteiger wehrten sich schon früh und wollten beim vollen Namen genannt werden. Bastian Schweinsteiger forderte mit 21 Jahren, er sei nicht mehr der freche Dribbler, den man Schweini rufen müsse. Er wolle nun mit vollem Namen genannt werden.
Da ist das bei Lionel Messi, dem amtierenden Weltfußballer in Diensten des FC Barcelona schon einfacher – der heißt einfach Messi und der Name ist ganz und gar keine Verniedlichung. Doch Lionel sagt auch in Spanien so gut wie niemand, da wird auf Leo verkürzt. Leo muss aber nicht niedlich sein, sondern könnte zugleich so etwas wie "Löwe" bedeuten.
Fußballsspieler mit lustigen Komposita im Nachnamen:
- Heiner Stuhlfauth
- Lutz Pfannenstiel
- Kevin Großkreutz
- Mathhias Breitkreutz
- Patrick Milchraum (beliebt sind Bemerkungen wie „Milchraum stürmt in den Strafraum“)
- Christian Wetklo
- Holger Badstuber
- Armin Störzenhofecker
- Christian Kotzbau
- Mirko Dickhaut
- Andreas Abzieher (macht sich auch sehr gut, wenn Andreas aufs Tor zielt)
Eltern können grausam sein – Doppelnamen sind eine Belastung
Die Liste kann beliebig fortgesetzt werden. Der Profifußballer kann im Grunde nichts dafür, wenn die Eltern ihr Baby unbedingt mit einem Doppelnamen verschönern wollten. Aber, wenn Vorname und Nachname holprig zusammengesetzt sind, landet der arme Junge bestimmt zuerst auf der Auswechselbank. Die Eltern des Innenverteidigers Jan-Ingwer Callsen-Bracker erwiesen ihrem Sohn keinen Bärendienst bei der Namensgebung.
Wieder ein Sebastian. Der 32-jährige Sebastian Schindzielorz aus dem polnischen Krapkowice spielt seit 2008 beim VfL Wolfsburg. Wegen seiner Unaussprechlichkeit hat der Mittelfeldspieler längst seinen Spitznamen weg und wird "Schnitzelhorst" gerufen. Das ist einfacher als den slawischen Zungenbrecher auszusprechen.
Apropos Horst. Der Namen geht auf ein Adelsgeschlecht in Hannover zurück und hat nichts mit dem Adlerhorst zu tun. Der manchmal für den FC Schalke 04 einspringende Innenverteidiger Frank Fahrenhorst wurde in seiner Karriere hinter vorgehaltener Hand auch wenig freundlich der "Gefahrenhorst" genannt.
Profifußballer geben sich gern selbst Künstlernamen
Wenn sich Fußballspieler selbst neue Namen verpassen, dann spielt oft Eitelkeit mit oder Kalkül, meist marktwirtschaftliches. Brasilianer geben sich Künstlernamen, um besser in aller Munde zu sein und den Reportern leichter von der Zunge zu gehen. Wenn einer erfolgreich war, werden oft Generationen von Jungen nach einem Profi benannt. So kommt es, dass es eine regelrechte Inflation von Ronaldos in der Fußballwelt gibt. Der 25-jährige Portugiese Cristiano Ronaldo von Real Madrid hat sich für ein knappes Akronym entschieden, das wie ein digitaler Befehl klingt: CR7. CR steht für Cristiano und Ronaldo, die 7 für seine Trikotnummer. Unter CR7 vertreibt der „schöne und reiche Fußballer“ ein eigenes Modelabel. Selbst seine übergewichtige Mutter macht Werbung für die Kollektion CR7.
Fußballprofi Hulk ist nach der Comicfigur benannt
Manche Fußballer lassen sich auch gefallen, wenn Fans ihnen Namen geben. Wie der extrem athletisch gebaute Brasilianer Hulk – seit 2008 im Dienst des FC Porto. Sein richtiger Name lautet Givanildo Vieira de Souza. Als das 25-jährige Schwergewicht erstmals im grünen Trikot des japanischen Vereins Tokyo Verdy auflief, gaben ihm japanische Fans sofort den Spitznamen Hulk. Im Champions League-Match von Porto gegen Arsenal sangen die Fans im Chor "Green in a minute, he's going green in a minute." Ein Anspielung auf die grüne Hautfarbe der Comicfigur Hulk.
Quellen:
- Der Spiegel,14.12.2005, Namenforschung.
- Transfermarkt
- Mundo Deportivo
