Macht mal richtig Stunk!

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Karnevalssitzung mal anders! Die Stunksitzung bietet eine Alternative zur Einstimmung in die 5. Jahreszeit; fernab von Stippeföttche und dreimal Kölle Alaaf

Die Stunksitzung hebt sich durch gezielte Provokation vom bieder organisierten Sitzungskarneval ab. Gegründet von einem Kölner Studentenkollektiv der Fachhochschule Köln fand die erste Stunksitzung am 26. Februar 1984 statt. Von den derzeitigen Darstellern auf der Bühne sind viele bereits seit Beginn dabei. Die musikalische Begleitung der Sitzungen bietet seit 1988 die Hausband Köbes Underground.

Bei den Auftritten geht es in den Stunksitzungen um weltpolitische Problematiken, Kritik an der deutschen Politszene aber natürlich werden auch Kölner Lokalthemen in den Kanon der Aufführungen mit aufgenommen. Die Verballhornung bekannter Filme, klassischer Musik und Lieder durch kölschen Dialekt ergänzen das Programm. Beliebte Ziele des Hohns sind unter anderem Politiker, die Rivalität zwischen Kölnern und Düsseldorfern, der lokale Fußballverein 1. FC Köln und die Verhöhnung der traditionellen Karnevalsgesellschaften, insbesondere das Kölner Dreigestirn und die Roten Funken.

Besondere Kritik wird alljährlich an der katholischen Kirche geübt, wobei der immer mal wieder durch aggressive Äußerungen in die Öffentlichkeit tretende Kardinal Meisner am liebsten auf die Schippe genommen wird. Dies führte in den vergangenen Jahren oft zu Konfrontationen mit dem Gesetz, da einige Bürger der Meinung waren, dass bei den Nummern der Strafbestand der „Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen“ vorlagen.

Weil in einer Stunksitzung ein Kruzifix mit der Aufschrift „Tünnes“ auf der Bühne aufgestellt wurde, folgte darauf sogar die Beschlagnahmung der Requisite und es kam zu einem staatsanwaltichen Ermittlungsverfahren. Dieses wurde jedoch bald wieder eingestellt, da die Aktion nach Auffassung des Gerichts durch die „Kunstfreiheit“ gedeckt wurde.

Die Kunstfreiheit, welche die sogenannten „Stunker“ vor der rechtlichen Verfolgung ihrer Sketche schützt kann jedoch nicht die Zensur verhindern, die bei der alljährlichen Übertragung vom WDR schon mal ausgeübt wird. So wurde zum Beispiel bei einer TV-Ausstrahlung, in der der Kabarettist Jürgen Becker den Kölner Kardinal Meisner in einer Rede als „Arschloch“ titulierte, das böse böse Wort einfach elektronisch übertönt.

Man kann es den öffentlich Rechtlichen aber auch nicht verübeln. Manche der Sketche scheinen wohl einfach zu weit zu gehen, wie die Anzeigen bestätigen. Aber genau diese Kontroverse, welche in der Öffentlichkeit ausgelöst wird, wollen die Stunker erreichen. Wenn man die Stunksitzung besucht wird eben nicht nur zur Bernd Stelters „Ich hab drei Haare auf der Brust ich bin ein Bär“ feuchtfröhlich geschunkelt, sondern auf karnevalistischer Art und Weise auf Missstände und Problematiken in der Gesellschaft hingewiesen. Hier tritt der Karneval nicht mit viel Prunk und Tätäräta auf, sondern es wird richtig Stunk gemacht!

Wer mitmachen will holt sich am besten noch eine Karte für diese Saison. Im E-Werk in Köln-Mühlheim finden jährlich 50 Sitzungen statt. Alle Informationen kann man sich auf der Internetseite der Stunker www.stunksitzung.de beschaffen. Man kann sich die Sitzung jedoch auch im Fernsehen ansehen. Der WDR überträgt die aktuelle Stunksitzung Weiberfastnacht am 16. Februar ab 22 Uhr. Zur Einstimmung gibt es im Vorhinein zudem am 11. Februar um 23.30 ein „Best of Stunksitzung“.

Dann bleibt nur noch zu sagen: Viel Spaß beim Stunken und Schmunzeln.