Auf CD: Madonna "Ray of light" (VÖ: 1998)

Spirituelles Album der Queen of Pop liefert Musik mit Tiefgang

Madonna Louise Veronica Ciccone ist seit 1996 Studentin der Kabbala. Die spirituelle Dimension der mystischen Tradition des Judentums durchdringt „Ray of light".

Madonna war nie ein Kind von Traurigkeit. Seit ihren ersten großen Erfolgen als Sängerin hat sie für Skandale gesorgt, weil sie offensichtlich Tabugrenzen überschritt. In musikalischer Hinsicht ist sie nur schwer einzuordnen. Schwarzer Funk und kommerzieller Pop, Dance Floor und Jazz sind in ihrem Repertoire zu finden. Und selbst Black-Soul-Musik mit Hip-Hop-Beats war ihr eine Versuchung wert.

Bleibt „Ray of light“ die Ausnahme von der Regel?

„Ray of light“ aber entzieht sich den „üblichen“ Schemata einer Pop-Diva. Die anderen Alben scheinen wie programmiert für eine glänzende Karriere zu sein. Die Frage ist jedoch, ob das spirituell dimensionierte „Ray of light“ die Ausnahme von der Regel bleiben wird. Was Madonna mit diesem Album zum Ausdruck bringt, geht weit über das hinaus, was sämtliche anderen Werke darstellen mögen. Hier geht es nicht um Selbstinszenierung, einfache Bekenntnisse, verschwommene Grenzen und Koketterie, nein ganz im Gegenteil. Ihre spirituellen Erfahrungen und Erkenntnisse durchziehen den Großteil der insgesamt 13 Songs. Sie meinte einst, „Ray of light“ sei von der Sucht nach Selbsterkenntnis geprägt.

Erkenntnisreiche Innenschau

Eine derartige Aussage verlangt nach einer Begründung, die sie jedoch gar nicht zu äußern brauchte. Es liest sich merkwürdig, wenn eine erfolgreiche Pop-Diva von der Sucht nach Selbsterkenntnis erzählt. Doch die Frage ist, was passiert, insofern ein Mensch, der stets bewusst äußere Grenzen überschreitet, erstmals nach innen zu schauen versucht. Genau dies mag Madonna Louise Veronica Ciccone passiert sein. Und die Erkenntnisse aus diesem Prozess sind auf „Ray of light“ enthalten.

Spiritualität und Suche nach der inneren Basis

Der bekannteste Titel ist „Frozen“. Zweifellos einer ihrer allerbesten Songs. Einige Textzeilen muten fast kafkaesk an. Offenheit des Herzens bedeutet gleichermaßen Offenheit für die eigene Befindlichkeit, für die eigene Möglichkeit, spirituelle Energien aufzunehmen. Die Kälte des Herzens ist nur durch innere Anteilnahme an Menschen und Selbstannahme zu überwinden. In eine ähnliche Richtung, nur mit anderen Grundthemata, gehen „The power of Good-bye“ und „To have and not to hold.“ Spiritualität und die Suche nach der inneren Basis ist ebenso auf dem den Albumtitel gebenden „Ray of light“ musikalisch ausgezeichnet umgesetzt.

Selbstinszenierung als Erfolgsrezept

12 Jahre nach dem genialen „Live to tell“ (enthalten auf „True blue“, einem insgesamt eher durchwachsenen Album) gelang es Madonna, ihren Fans Songs vorzusetzen, die mit ihrem Image – scheinbar – nichts zu tun hatten. Scheinbar deswegen, weil jeder Künstler dazu neigt, Selbstinszenierung zu treiben. Und wenn es so grandios gelingt wie bei Madonna ist dagegen auch nichts einzuwenden. Schließlich schadet sie damit niemandem, und bietet der Presse Gesprächsstoff.

Spirituelles Wachstum

„Ray of light“ ist keine Platte, die aus einer spirituellen Phase heraus entstanden ist. Madonna ist der Kabbala nach wie vor treu verbunden, und wohl in spirituellem Wachstum begriffen. Bloß mag es jetzt so sein, dass sie ihre spirituellen Erfahrungen anders bündelt.

Mit „Ray of light“ hat Madonna jedenfalls ein Album aufgenommen, das durch eindrucksvolle Musik mit spirituellen Botschaften besticht. Die Sucht nach Selbsterkenntnis ist mittlerweile vielleicht schon überwunden, und an deren Stelle ein spirituell erweitertes Bewusstsein ohne Zwänge entstanden, das sich stetig weiter entwickelt.

Jürgen Heimlich, Jürgen Heimlich

Jürgen Heimlich - Geboren im Zeichen des Wassermanns im Jahre 1971. Schon in der Volksschule Niederschrift eines kleinen Erzählbandes („Das ...

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