Mädchentraum Pferd - wann ist ein Pferdekauf sinnvoll?

Proberitt beim Pferdekauf - Sonja Köhler
Proberitt beim Pferdekauf - Sonja Köhler
Die Komplexität der Pferdehaltung wird oft unterschätzt. Kinder müssen Erfahrungen mit Pferden sammeln, bis sie die Reife fürs eigene Pferd erlangen.

Fast jedes kleine Mädchen nennt als Lieblingstier das Pferd und hätte doch zu gerne ein eigenes. Es sollte weiß sein, mit langer wallender Mähne oder schwarz, so wie Black Beauty. Doch was ist von solchen Wünschen zu halten und ab wann kann man seinem Kind ein so empfindliches Tier wie das Pferd anvertrauen?

Was bedeutet es, ein Pferd zu besitzen?

In jedem Fall bedeutet es: Viel Arbeit. Und zwangsläufig auch: Viel Geld. Ein Pferd ist keine Katze, der man täglich das Futter gibt und die Pflege dann aufhört. Kümmert man sich nicht oder nicht richtig um das Tier, wird es krank, einsam, gewöhnt sich falsches Verhalten an oder wird unausgeglichen und aggressiv.

Die Unterbringung des Pferdes

Zunächst einmal braucht man für das Tier einen Stall oder eine Box. Wenn man das Glück hat, einen Landwirt in der Verwandtschaft und in der Nähe zu haben kommt man vielleicht um die Kosten einer Unterstellung in einem Pferdehof herum (man müsste sich hier wegen dem Herdenverhalten allerdings zwei Pferde anschaffen!) – meist ist dem aber nicht so. Allein diese Unterstellkosten schwanken zwischen 100 und 300 Euro, je nach dem wie viele Leistungen von Seiten des Stalls übernommen werden.

Die Pferdepflege

Die Pflege des Pferdes benötigt viel Zeit und vor allem auch Wissen. Wie putze ich das Pferd richtig? Was muss ich beim Hufe säubern beachten? Wie verhalte ich mich, wenn das Pferd krank ist? Was sind die Anzeichen dafür? Was muss ich tun um Erkrankungen im Voraus zu vermeiden?

Der Umgang mit dem Pferd

Das Wissen rund ums Pferd kann man nicht von heute auf morgen lernen. Vor allem im Umgang mit dem Pferd kann man viel falsch machen und benötigt Erfahrung sowie Mut. Angst ist im Umgang mit seinem Pferd sehr hinderlich und gefährlich, da Pferde diese Furcht spüren und anfangen, ihren Besitzer zu testen und auszunutzen. Genau die gleiche Verhaltensweise fangen Pferde an, wenn ihr Besitzer nicht konsequent mit ihnen umgeht. Allein für die Kunst des Reitens erfordert es oft jahrelangen Unterricht und ein großes Können. Natürlich muss man, falls man ein eigenes Pferd besitzt, seine individuellen Eigenschaften, Schwächen und Stärken herausfinden und sich danach richten – ist man jedoch von vornherein ein schlechter, ängstlicher oder unsicherer Reiter wird man mit seinem Pferd keinen Spaß haben. Da viele in der Anschaffung eines Pferdes nur das Reiten sehen, führt dies im Nachhinein oft zu Überraschungen und auch Lustlosigkeit, wenn die Besitzer merken, wie viel mehr hinter der Pferdehaltung steckt. Gerade bei Kindern ist die Gefahr groß, dass das Pferd plötzlich gar nicht mehr so interessant ist, da es nicht das tut, was das Kind will oder vorstellt!

Ab wann ist es sinnvoll, meinem Kind ein Pferd zu kaufen?

Diese Frage lässt sich grundsätzlich nicht am Alter bestimmen, die Reife und das Verantwortungsbewusstsein sind das entscheidende – und das ist bei jedem Kind verschieden. Bei Wünschen von weißen Pferden, das wie ihr Barbiepferd aussieht oder wenn es nur um die Faszination Pferd ohne Hintergrundwissen geht, ist der Kauf eines Pferdes absolut falsch. Der ersten Schritt ist in jedem Fall, sein Kind an Pferde heranzubringen. Lassen sie es Reitunterricht nehmen und achten Sie darauf, dass ihrem Kind im Reitstall auch der Umgang mit den Pferden beigebracht wird und dass es das Schulpferd (mit Hilfe und Anleitung!) putzen und satteln darf. Die Realität sieht für das Kind dann vielleicht nicht mehr so rosig aus. Wenn aber doch, so geben sie nicht sofort nach, sondern lassen sie ihr Kind zuerst Erfahrung sammeln und beobachten sie, ob es nur eine Phase des Kindes ist oder eine tatsächliche Leidenschaft für Pferde. Wenn ihr Kind also gar nicht mehr von dem Gedanken abzubringen ist, nur noch über Pferde redet und jedes Mal strahlend vom Reitstall heimkehrt, lohnt sich die Überlegung, ein Pflegepferd zu betreuen oder eine Reitbeteiligung zu suchen. Dadurch hat man zwar kein eigenes Pferd aber man kann sich an den Gedanken gewöhnen und sehen, ob es das Richtige ist. Wenn das Kind bereit ist, die Box täglich auszumisten, das Pferd zu pflegen, zu reiten und keinerlei Anzeichen aufzeigt, es zu vernachlässigen, ist es auf einem guten Weg. Überreden Sie das Kind nicht, ein Pferd anzuschaffen, sondern lassen Sie es von selbst kommen. Führen Sie lange, ernsthafte Gespräche und machen sie keine Schnellschüsse, weder bei der Entscheidung, noch beim Kauf. Denn dies ist eine Wissenschaft für sich und Sie sollten am besten eine weitere neutrale Person mitnehmen, die sich mit Pferden auskennt um sich eine Meinung über das Tier zu bilden.

Die Rolle der Eltern

Da das Kind selten volljährig beim Kauf eines Pferdes ist, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, was es für Sie als Eltern bedeutet. Das eine sind die Kosten, die sich nicht nur auf den Kauf des Pferdes und der Ausrüstung beziehen, sondern monatlich für Stall, Tierarzt und Hufschmied entstehen. Das andere ist die eigene Beteiligung bei der Versorgung. Ist ihr Kind auf Klassenfahrt oder mit Freunden unterwegs – wer kümmert sich um das Pferd? Meistens fällt die Arbeit auf ein Elternteil, oft die Mutter, da sie wegen den eigenen Kindheitsträumen mit einem Pferdekauf einverstanden war. Es muss folglich auch bei den Eltern ein Pferdewissen vorhanden sein. Natürlich kann man sich bei einer Woche oder ein paar Tagen auch von anderen Pferdebesitzern oder Stallknechten helfen lassen.

Das, was leider nur allzu häufig passiert ist, dass das Kind das Interesse verliert, auch wenn es zuvor nicht danach ausgesehen hat und die Arbeit vollständig an den Eltern hängen bleibt. In diesem Fall ist der beste Weg oft der Verkauf – das Kind wollte das Pferd und nicht die Eltern.

Das Pferd ist ein sensibles Tier, das leicht durch falsche Behandlung verstört wird. Man kann sich gar nicht genügend Überlegungen zum Thema Pferdekauf machen, und besser man ist zögerlich als vorschnell. Hat man das richtige Pferd für sein Kind gefunden, ist dies jedoch oft eine riesige Freude; nicht umsonst heißt es so schön: Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.

Sonja Köhler, Sonja Köhler

Sonja Köhler - Liebe Leser und Leserinnen, Da ich noch zur Schule gehe, konnte ich bis jetzt keine berufliche Erfahrung als Journalistin oder ...

rss