Noch immer verdienen Frauen in Deutschland zum Großteil deutlich weniger, als ihre männlichen Kollegen. Zwar stieg der Bruttostundenverdienst 2009 für die Frauen an, doch die Gehaltslücke zwischen männlichen und weiblichen Beschäftigten, der sogenannte „Gender Pay Gap“, blieb erhalten. Denn auch die männlichen Beschäftigten profitierten. So machten die Männer ein Plus von 2,6 Prozent und kamen somit durchschnittlich auf einen Stundenlohn von 19,40 Euro, während die Frauen mit einem Plus von 2,7 Prozent durchschnittlich nur einen Stundenlohn von 14,90 Euro erzielen konnten. Mittlerweile klafft noch immer eine 22 Prozent große Brutto-Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern in Deutschland.
Warum verdienen Männer mehr?
Im Schnitt unterscheidet sich die Arbeit zwischen den weiblichen und männlichen Kollegen nicht. Sie werden also für die gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt. Auch in den meisten anderen Ländern der EU fallen die Unterschiede längst nicht so groß aus. Der Verdienstunterschied liegt dort im Durchschnitt bei 15 Prozent. Nur in Estland, der Slowakei und Zypern sind die Gehaltslücken zwischen den Geschlechtern noch größer als bei uns.
Unterschiede gibt es auch im regionalen Vergleich. In den neuen Bundesländern verdienten Frauen im Jahr 2010 rund sechs Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. In Westdeutschland waren es hingegen satte 25 Prozent. Einer Umfrage des Bundesfamilienministeriums zufolge finden mehr als 90 Prozent der Deutschen, dass die Bezahlung von Männern und Frauen gleich ausfallen sollte. Womöglich liegen die Gründe dieser ungerechten Gehaltsverteilung darin, dass immer noch der Glaube herrscht, Frauen hätten weniger Durchsetzungsvermögen und seien weniger produktiv, weil sie durch Kinder und Familie oft ausfallen würden. Es ist das klassische Bild der Frau im Berufsleben.
Die Statistiken können dies längst widerlegen. Dennoch werden Männer meist deutlich karriereorientierter wahrgenommen und dementsprechend gefördert. Sie können an Schulungen teilnehmen, für die oft das Unternehmen selbst die Kosten trägt. Das ist bei den weiblichen Beschäftigten häufig nicht der Fall. Frauen erreichen ebenso seltener Führungspositionen und verdienen auch dort erheblich weniger Geld als Männer, bei gleicher Qualifikation und mit gleicher Berufserfahrung. Leider haben Frauen weiterhin geringere Aufstiegschancen. In vielen Fällen erfahren sie nicht die gleiche Unterstützung ihres Unternehmens wie Männer und müssen nicht all zu selten ihre Fort- und Weiterbildungen selbst finanzieren.
Doch die Zahl der Frauen mit akademischem Bildungsweg und dem Mut, sich in ihrer Berufswelt durchzusetzen, ist steigend. So gibt es inzwischen das Frauennetzwerk „Business and Professional Women“ (BPW), das sich für diese Frauen auf dem Weg für eine Entgeldgleichheit einsetzt und die Initiative des Equal Pay Day, dem Aktionstag für Entgeldgleichheit oder auch „Gleichbezahltag“) ins Leben gerufen hat.
Quellen:
- Focus.de
- Frauenlohnspiegel.de
- Welt.de
- Statistisches Bundesamt Deutschland
- BPW-Germany.de
