Märchenhafte Drehorte: Der Teufel mit den drei goldenen Haaren

Drehort Schloss Linderhof (1955) - Holger Seeger / pixelio.de
Drehort Schloss Linderhof (1955) - Holger Seeger / pixelio.de
Szenen für Märchenfilme über den "Teufel mit den drei goldenen Haaren" entstanden auf Schloss Linderhof und für eine ZDF-Adaption in der Altensteiner Höhle.

Die Weissagung, der in einer "Glückshaut" geborene Sohn einer armen Frau werde "im vierzehnten Jahr die Tochter des Königs zur Frau" bekommen, ist das Motiv des Grimmschen Märchens "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren". Die Prophezeiung löst eine abenteuerliche und zudem spannende Geschichte aus, die mehr als einmal tragisch zu enden droht. Denn: Der König – der ein "böses Herz" hat – will verhindern, dass sich die Weissagung erfüllt und seine Tochter mit dem Jungen verheiratet wird. Er versucht alles, um die "Glückshaut" loszuwerden. Vergeblich.

Seine Tochter wird mit dem erwachsenen jungen Mann verheiratet. Doch der König gibt sich nicht geschlagen: Das Glückskind darf die Prinzessin nur behalten, wenn es "aus der Hölle drei goldene Haare von dem Haupte des Teufels" (Grimm) holt. Eine auf den ersten Blick schier unlösbare und vor allem "übernatürliche" (Freund) Aufgabe, die der Held aber souverän meistert... Kein Wunder, dass das 1819 veröffentlichte Märchen der Brüder Grimm mit seiner abenteuerlichen und kompakten Handlung bereits mehrfach verfilmt ist – an ebenso märchenhaften Schauplätzen.

Linderhof/Bayern: Schloss Ludwigs II. wird Märchenfilm-Kulisse

Ist Schloss Neuschwanstein im Sommer 1955 einer der Drehorte für den BRD-Märchenfilm "Schneewittchen" (R: Erich Kobler), so wird im selben Jahr auch ein anderes Schloss des bayerischen Königs Ludwig II. zur Filmkulisse: Linderhof – im Stil eines Rokoko-Schlösschens zwischen 1869 bis 1886 entstanden – ist einer der Drehorte für die erste Nachkriegsadaption von "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren". Einige Szenen des 85-minütigen Märchenfilms lässt Regisseur Hans F. Wilhelm mit der Kamera in der bayerischen Schloss- und Parkanlage festhalten.

In der Bearbeitung von Drehbuchautorin Hella Mora spielt Peter Schreiber das Glückskind Stephan, das sich gegen den König (Hans Cossy) zur Wehr setzen muss – und auf seinem Weg zum Teufel Schwarzbart (Alexander Golling) und dessen Großmutter (Käthe Graber) auch in eine Stadt gelangt, in der ein Marktbrunnen ausgetrocknet ist: Mit einer List entlockt Stephan dem Teufel in der Hölle das Geheimnis, warum das Wasser versiegt. Gedreht werden diese Szenen in der fränkischen Stadt Rothenburg ob der Tauber mit ihren märchenhaften Fachwerkhäusern und pittoresken Brunnen.

Drehorte:

  • Schloss- und Gartenverwaltung Linderhof, Linderhof 12, 82488 Ettal
  • 91541 Rothenburg ob der Tauber

Film: "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" (1955, Regie: Hans F. Wilhelm, BRD). Noch nicht auf VHS/DVD erschienen.

Schloss Wiesenburg/Brandenburg: DEFA-Märchenfilm im DDR-Internat

Als im Sommer 1977 auf Schloss Wiesenburg Szenen für den Märchenfilm "Wer reißt denn gleich vorm Teufel aus" gedreht werden, hat das alte Gemäuer bereits eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt, wandelt sich die frühere Burg- und Wehranlage im Laufe der Jahre zum repräsentativen Schlösschen mit Park. 1946 wird die Wiesenburg zum Internat: In der Erich-Weinert-Oberschule mit erweitertem Russisch-Unterricht pauken DDR-Schüler die Sprache des Bruderlandes – der Filmdreh des DEFA-Teams ist da eine willkommene Abwechslung.

Szenen für die freie Adaption von "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" in der Regie von Egon Schlegel entstehen im Innenhof des Schlosses: Als Jakob (Hans-Joachim Frank) auf dem Weg zum Teufel (Dieter Franke) in eine Stadt kommt, die wie ausgestorben scheint, ist der Aufgang vom Männekentor zum Torhaus zu erkennen. Südlich der früheren Bezirksstadt Potsdam lässt sich Jakob zudem über den Kähnsdorfer See ans Ende der Welt zum Teufel bringen. Die Hölle als "Meisterwerk der Szenenbildkunst" (Sylvester) entsteht allerdings in den DEFA-Studios von Potsdam-Babelsberg.

Drehorte:

  • Schloss Wiesenburg, Schlossstraße 1, 14827 Wiesenburg/Mark
  • Kähnsdorfer See, Gemeinde Seddiner See, 14554 Seddiner See

Film: "Wer reißt denn gleich vorm Teufel aus" (1977, Regie: Egon Schlegel, DDR). Auf VHS/DVD erschienen.

Altensteiner Höhle/Thüringen: Touristen-Höhle wird Teufels-Hölle

Im Juni 2009 beginnen die Dreharbeiten für die ZDF-Verfilmung von "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren". Im Gegensatz zur 1977er-Adaption entscheidet sich Regisseur Hans-Günther Bücking für keinen im Studio nachgebauten Wohnsitz des Teufels, sondern verlegt den Dreh für die zweifellos spannendsten Szenen des Märchens in die Altensteiner Höhle nach Thüringen. Die 1799 entdeckte heutige Schauhöhle ist mit 1785 Metern Ganglänge die längste Höhle Thüringens – soviel Platz braucht das Team bei den Dreharbeiten allerdings nicht.

Im sogenannten Höhlen-Dom, der sich im ersten Drittel des Gangs befindet und in dem sonst Musikkonzerte stattfinden, wird das Wohnzimmer des Teufels (Fritz Karl) und seiner Großmutter (Rita Russek) eingerichtet. Sie hilft dem Glückskind Hans (Bela Baptiste) und reißt dem schlafenden Teufel nacheinander drei goldene Haare aus. Alle Szenen über der Erde entstehen dagegen im nahe gelegenen Altensteiner Park und im Oberschloss Kranichfeld, auf dem der böse König (Leonard Lansink) residiert – und am Ende doch noch ausgetrickst wird.

Drehorte:

  • Altensteiner Höhle, 36448 Schweina
  • Altensteiner Park, Altenstein 4, 36448 Bad Liebenstein
  • Oberschloss Kranichfeld, Schlossberg 28, 99448 Kranichfeld

Film: "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" (2009, Regie: Hans-Günther Bücking, BRD). Auf DVD erschienen.

Literatur:

  • Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Stuttgart, 2007
  • Freund, Winfried: Märchen. Köln, 2005
  • Sylvester, Regine: Wer reißt denn gleich vorm Teufel aus, in: Berger, Eberhard/Joachim Giera: 77 Märchenfilme. Ein Filmführer für jung und alt. Berlin, 1988