Seit einiger Zeit gibt es die sogenannten E-books. Eine der Überschriften in der Presse zur Einführung hieß: Schulkinder brauchen keine Bücher mehr. Das klingt wie ein modernes Märchen. Aber wollen wir das wirklich? Keine Bücher mehr, nicht für Kinder und nicht für Erwachsene? Wie lernen die Kinder dann Lesen? Sollen wir die Kleinen abends vor den Computer setzen zum Vorlesen? Oder ist nicht doch die altbekannte Variante des Märchenbuchs die bessere, für beide Seiten, den Vorlesenden und den kleinen Zuhörer?
Brüder Grimm-Museum Kassel
In Deutschland gibt es eine Märchenstraße, auf der man ganz viel entdecken kann. Einen Teil davon findet man in Kassel, das Brüder Grimm-Museum. Es ist fast im Zentrum der Stadt und doch ein bisschen verdeckt und abseits. Wenn man das Haus dann gefunden hat, sieht man auf den ersten Blick gar nichts Märchenhaftes; einfach nur ein altes, großes Gebäude. Auch im Foyer fällt nichts Besonderes auf.
Hinein ins Reich der MärchenIm ersten Raum befindet sich eine Sonderausstellung, natürlich mit dem Thema Bücher verknüpft. Aber was ist mit den Märchen und den Brüdern Grimm? Langsam, Raum für Raum und Etage für Etage tastet man sich vor. Dabei gibt es viel Interessantes und Wissenswertes für Kinder und Erwachsene zu entdecken.
In diesem alten Herrenhaus gibt es eine breite, geschwungene Treppe in die oberen Stockwerke. An den Wänden des Aufgangs sind die wichtigsten Stationen und Daten der Brüder Grimm notiert, aber auch wichtige Ereignisse aus den Gebieten Politik, Wirtschaft und Kunst. Somit kann man sich ein genaueres Bild jener Zeit machen, manche Erfindung besser einordnen und Vergleiche zwischen den Künsten ziehen.
Die Brüder Grimm
Die erste Etage präsentiert die Brüder Grimm als Germanisten, Humanisten, Sprachwissenschaftler und Gelehrte. Hier in Kassel setzten sie die Sammlung ihrer Märchen fort, die sie in Marburg begonnen hatten. Auf ihre Wörterbücher und weitere Schriften und Werke wird verwiesen, genau so wie auf ihr Auftreten an der Universität.
Aber die Kinder zupfen die Erwachsenen ungeduldig und etwas gelangweilt am Ärmel. Sie sind doch wegen der Märchen hier. Wo findet man die denn nun?
Unter dem Dach kommen die Kleinen dann endlich voll auf ihre Kosten. Die Märchen werden lebendig. In kleinen abgeteilten Nischen sind Szenen aus verschiedenen Märchen gestaltet. Die Mädchen finden sich als Prinzessin wieder im rosafarbenen Schloss von Dornröschen, mit Plüschsessel und anderen märchenhaften Utensilien. Und die Jungs können zum Beispiel den Turban und die Schuhe des kleinen Muck probieren. Die Augen strahlen; Märchen zum Erleben, Hören, Anfassen und Spielen. Es ist schwierig, sich vorzustellen, dass der Computer diese Begeisterung ebenso hervorrufen könnte.
