Magersucht

Wenn das eigene Körperbild entgleist

Magersucht - Public Domain
Magersucht - Public Domain
Durch Schönheitsideale in den Medien und auf den Laufstegen ist Magersucht (Anorexia nervosa) ein heutzutage weitverbreitetes Problem.

Die Magersucht ist eine psychische Erkrankung, die mit einer Störung des Körperbildes im Sinne einer Idealisierung eines stark gewichtsreduzierten Körpers einhergeht. Betroffen ist ganz überwiegend das weibliche Geschlecht. Dadurch bedingt kommt es zur Entwicklung einer typischen Störung des Essverhaltens, die in der Folge zu einem teilweise extremen Untergewicht führt. Zahlreiche Sekundärphänomene begleiten das lebensbedrohliche Krankheitsbild.

Nach DSM-IV-Kriterien (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen) unterscheiden wir zwei Formen:

  • Der asketische Typ („restricting type“): Es handelt sich dabei um Patientinnen, die ihr Gewicht ausschließlich durch Hungern reduzieren. Diese Patientinnen leiden im engeren Sinne an einer Anorexie, auch wenn sie gar nicht, wie der Krankheitsname missdeutet, an Appetitlosigkeit (Anorexie) leiden, sondern zumindest anfangs unter starken Hungergefühlen. Im Spätbild scheinen diese zu schwinden.
  • Der hyperorektische Typ („binge eating / purging type“): Er ist gekennzeichnet durch absichtliche Reduktion der Nahrungsaufnahme („Hungern“), Selektion kalorienarmer Speisen, unterstützt durch phasenhaftes oder regelmäßiges Erbrechen, Einnahme von Laxanzien (Abführmittel) und / oder Diuretika (Entwässerungsmittel) und motorische Überaktivität. Diese Patientinnen nehmen das Hungergefühl wahr, mitunter als quälend, sodass Heißhungeranfälle auftreten können. Wenn der Heißhunger nicht unterdrückt wird, folgt dem Essen ein anschließendes Erbrechen. Im Unterschied zur Bulimie (Ess-Brech-Sucht), steht bei diesen Patientinnen das Ziel abzumagern, konstant im Vordergrund.

Körperliche Folgen

Die Magersucht ist eine schwere, unter Umständen tödliche Erkrankung. Das extreme Untergewicht verursacht körperliche Folgen:

  • Herz: verlangsamter Herzschlag, niedriger Blutdruck, Veränderungen bei der Erregung der Herzmuskels (besonders: verlängertes QT-Intervall) und Herzrhythmusstörungen, woraus ein plötzlicher Herztod folgen kann.
  • Blut: Störungen der Elektrolyte (besonders gefährlich: Hypokaliämie mit Herzrhythmusstörungen), Unterzuckerung, Blutarmut, Leukozytopenie und Thrombozytopenie.
  • Hormone: niedrige Konzentrationen von Geschlechtshormonen (LH, FSH, Östrogen), dadurch: Amenorrhoe, Unfruchtbarkeit, mitunter Ausbleiben des Brustwachstums bei Frauen. Verlust von Libido und Potenz bei Männern. Niedrige Konzentration von Schilddrüsenhormonen. Leicht erhöhte Konzentration von Glukokortikoiden.
  • Knochen: Osteoporose mit erhöhtem Risiko einer Fraktur
  • (falls häufiges Erbrechen) Zähne: Erosionen durch Magensäure, Karies.
  • Organe: Darmträgheit und chronische Verstopfung, Magenkrämpfe, Übelkeit, Nierenversagen, Blasenschwäche (Inkontinenz).

Bis zu 15 Prozent der Erkrankten sterben entweder durch Komplikationen wie Herzstillstand oder Infektionen, oder aber durch Selbstmord. Ein Teil der überlebenden Patienten leidet zeitlebens an Langzeitfolgen wie Osteoporose oder Niereninsuffizienz.

Therapie

Die „Behandlungstechnik“ bei erheblichem Untergewicht (BMI <17,5) muss nach Einwilligung der Patientin bei allem Verständnis im Rahmen eines transparenten Gesamtbehandlungsplanes klar, unmissverständliche und strikt sein.

  • Stationsaufenthalt innerhalb eines störungsspezifisch konzipierten stationären Settings, notfalls Bettruhe, Ausgangsregelungen, ein strukturiertes Essprogramm und Kontrolle der Zufuhr von Medikamenten (Abführmittel-, Entwässerungsmittemissbrauch). Man muss der Patientin zu verstehen geben, dass man sie akzeptiert, aber nicht ihre Autodestrution.
  • Bei extremer Kachexie (krankhafte, sehr starke Abmagerung) sind die Sondenernährung und gegebenenfalls die Intensivstation nicht zu umgehen.
  • Wenn die Gewichtskurve ansteigt, können die psychotherapeutischen Gespräche intensiviert werden. Im weiteren Verlauf geht die Nahrungsaufnahme zunehmend wieder in die eigene Verantwortung der Patientin über.