Magie – Fantasy-Roman von Trudi Canavan

Rezension einer Fantasy-Geschichte aus Australien

Trudi Canavan: Magie - Penhaligon
Trudi Canavan: Magie - Penhaligon
In „Magie" erzählt die Fantasy-Autorin Trudi Canavan die Vorgeschichte ihrer Trilogie „Die Gilde der Schwarzen Magier". Im Mittelpunkt steht die Meisterschülerin Tessia.

Die australische Fantasy-Autorin Trudi Canvan schaffte den internationalen Durchbruch mit ihrer Trilogie „Die Gilde der Schwarzen Magier“. Mit „Magie“ („The Magician’s Apprentice“, wörtlich die Meisterschülerin) hat sie nachträglich die Vorgeschichte vorgelegt. Hauptfigur ist die junge Tessia, die Heilerin werden möchte. Als sie jedoch ihr magisches Talent enthüllt, muss sie zunächst lernen, mit ihren neuen Fähigkeiten umzugehen. Viel Zeit bleibt ihr dafür nicht, denn ihre Heimat Kyralia steht vor einem Krieg mit der ehemaligen Kolonialmacht Sachaka, einem Land, in dem sich Frauen den Männern unterordnen müssen und der Großteil der Bevölkerung als Sklaven gehalten wird.

Buch, in dem Magie zu viele Probleme löst

Die Meisterschülerin Tessia steht in „Magie“ zwar im Mittelpunkt, doch Trudi Canavan führt im Laufe des Romans noch eine Vielzahl weiterer Personen ein. Da auch die Erzählperspektive ständig wechselt, bekommt der Leser zwar kurze Einblicke in das Innenleben vieler Figuren. Die inneren Konflikte werden jedoch meist nur angerissen. Die Einblicke geschehen auf Kosten einer wirklichen Entwicklung und Wandlung der Helden. Tessia und Jayan – ein weiterer junger Magier, der vom Aufbau einer Magiergilde träumt – stellen gedanklich immer wieder Veränderungen fest. Die Zwischenschritte, die dahin geführt haben, unterschlägt Canavan jedoch. Im Zweifel nimmt die Autorin den einfachsten Weg. Das zeigt sich auch in der Handlung, in der Probleme ganz plötzlich durch Magie oder magische Artefakte gelöst werden können. Der Einsatz von Magie gelingt anderen Autoren da deutlich eleganter, etwa Ruth Nestvold oder Peter V. Brett.

Fantasy-Roman mit zahlreichen Handlungssträngen

Die Vielfalt der Handlungsstränge führt dazu, dass die Handlung überladen wird. In vielen entscheidenden Situationen bricht die Erzählung ab, um ganz plötzlich an anderer Stelle wieder aufgenommen zu werden. Wenn Tessia etwa in der Hauptstadt Imardin die Universität der Heiler betritt und so der Erfüllung ihres Lebenstraums näherkommt, möchte man mehr erfahren, als bei einem kurzen Gespräch mit einem der Dozenten herauskommt. Auch die Beziehung zwischen Tessia und Jayan hätte mehr Raum verdient gehabt. So reihen sich viele kleine Geschichtchen aneinander, ohne dass eine davon wirklich zu Ende erzählt wird.

Prequel der Gilde der Schwarzen Magier"

Man hätte Trudi Canvan (geboren 1969) gewünscht, dass sie sich schon eher an die geplante Fortsetzung ihres Erfolgs „Die Gilde der Schwarzen Magier“ gemacht und lieber auf das Prequel dazu verzichtet hätte. Oder aber auch die Vorgeschichte auf mehrere Bücher aufgeteilt hätte. So führen die zu vielen Kompromisse, um die Handlung in einen Roman zu pressen, zu einem verminderten Lesevergnügen bei „Magie“. Das macht sich nicht zuletzt am ziemlich abrupt geratenen Schluss bemerkbar.

Trudi Canavan: Magie. Penhaligon 2009. Gebundenes Buch, 736 Seiten (mit Glossar und Karten). Euro 19,95 (Österreich 20,60).

Trudi Canavan: Magie. Blanvalet 2010. Taschenbuch, 736 Seiten. Euro 10,99 (Österreich 11,30).

Jörn Käsebier - Bei Suite101.de betreute Jörn Käsebier zweieinhalb Jahre die Ressorts Wirtschaft & Geld sowie Sport als Redakteur, solange es ...

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