Magische Antipoden: iVIVAN LAS ANTIPODAS! von Victor Kossakovsky

iVIVAN LAS ANTIPODAS! - Victor Kossakovsky
iVIVAN LAS ANTIPODAS! - Victor Kossakovsky
Der faszinierende Dokumentarfilm iVIVAN LAS ANTIPODAS! des russischen Dokumentarfilmers Victor Kossakovsky kommt am 23. Februar 2012 in die deutschen Kinos.

Wissenschaftler beschäftigte seit der Antike immer schon die Frage: Wie sieht die Welt auf der anderen Seite der Erdkugel aus? Während auf der einen Seite der Erde die Sonne untergeht, geht sie auf der anderen Seite der Kugel auf. Will man den direkten Weg von einem zum genau gegenüberliegenden Punkt der Erde nehmen, so müsste man durch einen 12.756 Kilometer langen, kerzengeraden Tunnel im Erdinneren schreiten. Der russische Dokumentarfilmer Victor Kossakovsky stellt in seinem neuen Film iVivan Las Antipodas! vier besondere Antipoden-Paare auf der Welt dar und zeigt in einer bunten Bilderfolge die Weiten der Himmelssphäre, den Kreislauf zwischen Leben und Tod und die Magie und unendliche Schönheit stiller Orte auf der Erde.

Die Sicht der Erde im Mittelalter

Noch im Mittelalter, um das Jahr 1493 spekulierte der Arzt und Historiker Hartmann Schedel in der in Nürnberg veröffentlichten „Schedel’schen Weltchronik“ anhand zahlreicher Zeichnungen, dass die Bewohner auf der anderen Seite der Welt Ziegenmenschen seien, mit zwei Hörnern auf dem Kopf. Johannes Kepler bewies dann im 16. Jahrhundert, dass die Menschen auf der anderen Erdhalbkugel nicht ins All stürzen, weil sie auf dem Kopf stehen, sondern an allen Orten der Erde über die gleichen physikalischen Gesetze, die Gravitation, am Erdboden gehalten werden.

Der gebürtige Stankt Petersburger Victor Kossakovsky, der heute in Berlin lebt und bereits mit über 100 Preisen für seine Dokumentarfilme ausgezeichnet wurde, ist genau dieser Frage nach den unsichtbaren Gegensätzen auf der Erde nachgegangen.

Unsichtbare Gegensätze

Da aber die Welt zu 70 Prozent aus Wasser besteht, war es für den Regisseur nicht einfach, Orte zu finden, die sich an Land entsprechen und nicht auf der gegenüberliegenden Seite im Meer versunken sind. Victor Kossakovsky lieh sich Geld, um die magischen Orte zu suchen, zu bereisen und sie kennenzulernen. Er wählte vier einmalige Gegensatz-Paare und filmte das dortige Geschehen mit Hilfe ungewöhnlicher Kameraeinstellungen.

Drehort Entre Rios, Argentinien und Shanghai in China: In der Region Entre Rios leben in einem Drei-Häuser-Dorf zwei Brüder in der dritten Generation und hüten einen Flussübergang. Sie leben hier einsam, in der Stille und Harmonie mit der Natur, den Regenzeiten sowie dem Tages- und Nachtrhythmus. Tagtäglich warten sie auf Autos, die den Fluss überqueren und dafür eine kleine Gebühr an die Brüder entrichten. Und während sie warten, denken sie über die Menschen auf der anderen Seite der Erdkugel nach. Einer der Brüder sagt, er bewundere die Chinesen, sie seien sehr begabt und betriebsam.

Stille im betriebsamen Shanghai

Wenn sich die beiden Brüder nach Sonnenuntergang schlafen legen, geht das Gewimmel im Smog der 18 Millionen Menschen Metropole Shanghai gerade erst los. Männer und Frauen fahren mit dem Fahrrad oder dem Auto zur Arbeit, beginnen zu kochen sowie ihre Handwerks- oder Reinigungsarbeiten. Die Slums von Shanghai erwachen zu buntem Leben.

Kossakovskys Film nimmt den Betrachter mit auf eine Entdeckungsreise zu den Gegensätzen der Welt, die bei genauerer Betrachtung gar nicht so unterschiedlich sind. Auch in Shanghai, in den ärmsten Vierteln der Stadt wird die ästhetische Schönheit der Erde deutlich und sei es nur in dem friedlichen Lächeln einer alten Dame, die freundlich um die Ecke schaut oder im Gesicht des Obsthändlers, der in den überfüllen Straßen Shanghais geduldig seinen schweren Karren mit frischen Orangen schiebt.

Ein weiteres Gegensatzpaar Patagonien, Chile und der Baikalsee, Russland. Hier folgt die Kamera Kossakovskys dem einsamen Schäfer René Vargas, der mit einem weißen Pferd, seinen Hunden und Katzen die Schafe auf die Weiden bringt. Irgendwann ist er so hoch mit seinem Pferd auf einen Berg in den Anden gestiegen, dass er in der Wolkendecke untertaucht. Von hier aus folgt die Kamera Kossakovskys dem Flug der Kondore, die René Vargas Hütte regelmäßig besuchen. Sie steigen mit einer Flügelspannweite von 2 Metern in die Höhen der Anden auf und nutzen die Thermik, um über das Felsmassiv beinahe ohne Kraftanstrengung kilometerweit zu gleiten.

Die Liebe lebt an allen Orten der Welt

Genau gegenüber von René Vargas kleiner Hütte, am anderen Ende der Welt, lebt seine Antipodin Tatiana mit ihrer Tochter Alina in einer beinahe unbesiedelten, unberührten vielfarbigen Urlandschaft am Baikalsee. Während sie mit ihrer Tochter frische Preiselbeeren isst, denkt Alina darüber nach, wie es ist, wenn man jemanden liebt und der andere darüber noch gar nichts weiß?

Die beiden anderen Gegensatz-Paare sind Kubu, Botswana und Big Island, Hawaii sowie Miraflores, Spanien und Castle Point, Neuseeland. Auch hier zeigt Kossakovsky seltene Bilder: ein gestrandeter Wal kämpft am Strand Neuseelands um sein Leben. In Spanien erhebt sich währenddessen ein bunter Schmetterling von einem uralten Felsmassiv in die Lüfte und fliegt in unendlich blaue Weiten.

iVivan Las Antipodas! feierte seine Welturaufführung als Eröffnungsfilm bei der 68. Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica La Biennale di Venezia 2011.

Während der 108 Filmminuten baut der russische Filmemacher mit seinem technischen Überauge ständig neue Spannungsbögen auf und versetzt den Zuschauer in ein unvergessliches Erderlebnis ein. Ab 23. Februar 2012 kommt der Film auch in die deutschen Kinos.

Claudia Hangen - Dr. rer. pol. Claudia Hangen Freie Journalistin für Politik, Gesellschaft, Kultur Politik: Wie wird unsere Welt regiert? ...

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