Mainz - Babytod führt zu Hygienestreit

Hygiene  - © Jetti Kuhlemann/ pixelio.de
Hygiene - © Jetti Kuhlemann/ pixelio.de
Der Tod von drei Babys am Universitätsklinikum Mainz führt zu einem heftigen Streit über die Hygiene an deutschen Krankenhäusern.

Während die verwaltungs- und strafrechtlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Tod von drei Babys am Universitätsklinikum in Mainz durch Staatsanwaltschaft und Gesundheitsbehörden intensiv weitergeführt werden, ist in ganz Deutschland ein veritabler Streit über die Hygiene an deutschen Krankenhäusern ausgebrochen.

Führen Systemmängel zu jährlich 40.000 Toten?

Am letzten Wochenende trafen zwei Sachverhalte aufeinander. Während am Universitätsklinikum Mainz insgesamt sieben der elf mit Enterobacter-Bakterien verseuchten Babys den Kampf gegen ihre dadurch mit herbeigeführte Gesundheitsschwäche verloren, erschien im Wochenmagazin „Der Spiegel“ ein mittlerweile vielbeachteter Bericht. Dieser spricht über mangelnde Krankenhaushygiene als weit verbreitetes Phänomen im bundesdeutschen Gesundheitswesen. Neben mangelnder Reinigung von medizinischem Gerät durch externe Dienstleister soll es auch bei einfachsten praktischen Dingen, wie der regelmäßigen Reinigung der Hände, der Zubereitung und Aufbewahrung von Lebensmitteln, der Gebäudereinigung und der sachgerechten Entsorgung von Klinikabfall schwere Systemmängel geben. Im Resultat soll das zur statistischen Größe von 600.000 infizierten Patienten und 40.000 Toten führen.

Gefährdet Gesundheitsföderalismus Menschenleben

Die 40.000 Toten bedeuten, dass zehnmal soviel Menschen an mangelnder Krankenhaushygiene wie an Verkehrsunfällen jährlich zu Tode kommen. Für einen modernen westlichen Industrie- und Dienstleistungsstaat wie die Bundesrepublik Deutschland eine statistische Größe, die dieses Land in die Nähe von entwicklungspolitischen Schwellenländern führt. Dabei wurde insgesamt noch nie soviel für ein funktionierendes Gesundheitssystem ausgegeben, wie aktuell. Zahlreiche Experten machen die Systemfehler in der Gesundheitsverwaltung, wie Hygiene beim Gesundheitspersonal, Lebensmittellogistik, Gebäudereinigung und Klinikabfallentsorgung insgesamt am gesundheitspolitischen Föderalismus, der in Deutschland herrscht, fest. Durch unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen in den einzelnen Bundesländern würde kein durchgängiges Hygienesystem im deutschen Gesundheitswesen herrschen. Dass alle diese derzeit geltenden Hygienesysteme sich nach der Theorie nach dem gleichen letzten Stand der Hygienewissenschaft und Technik orientieren und in der Praxis vor allem der Faktor Mensch bei der Umsetzung immer wieder versagt, wird in der laufenden Diskussion bisher nur verhalten angemerkt.

FDP-Bundesgesundheitsminister Rösler will einheitliche Regelungen

Aktuell ist nunmehr der FDP-Bundesgesundheitsminister in die gesundheitspolitische Diskussion zu diesem Thema eingestiegen und fordert eine einheitliche Regelung im Hygienebereich aller Gesundheitsbetriebe, wie den Universitäts- und Landeskliniken. Dazu soll es schon bald eine erste Verhandlungsrunde mit den Gesundheitsministern der Länder geben. Allerdings ist in diesem Zusammenhang, wie auch bei anderen ähnlich gelagerten Kompetenzkonflikten zu befürchten, dass eine finale Lösung damit auf die lange Bank geschoben wird. Neben zusätzlichen Kosten für die Klinik- und Krankenanstaltenbetreiber durch neue Regelungen ist nämlich auch mit einer Machtverschiebung im Gesundheitswesen zu rechnen. Und hier ist von Kiel bis München durch die betroffenen Landesregierungen mit massivem Widerstand zu rechnen.

Bundesweites Hygienegesetz ja oder nein?

So meldete sich auch sofort die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Dreyer (SPD) mit einem Debattenbeitrag zu Wort und lehnte eine allgemeine Debatte über Krankenhaushygiene aus aktuellem Anlass ab. Auch Gesundheitsexperten aus dem Bereich Hygiene und Klinikmanagement warnen vor einer allgemeinen Debatte. Vielmehr wird auf die bereits gültigen zahlreichen Vorschriften auf Bundes- und Landesebene hingewiesen, die nur eingehalten werden müssten, um das Risiko diesbezüglich zu minimieren. Aber dazu würde ausreichend Personal und dazu notwendige Budgets fehlen. Deshalb verlagert sich die Debatte weg vom Recht und hin zum Ressourcenmanagement, was eine lange Diskussion nach sich ziehen wird, die vom Anlassfall des Babytods in Mainz jedenfalls wegführen wird.

Bildnachweis: ©Jetti Kuhlemann/pixelio.de

Dr.Fritz Simhandl , Dr.Simhandl

Fritz Simhandl - Mag.Dr.Fritz Simhandl Unternehmens-, Medien- und Kommunikationsberater Freier Publizist, Wirtschaftstrainer Rechts- und ...

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