Es geht nicht darum Malerei von der Pike auf zu lernen, sondern die 13 Kursteilnehmerinnen von Martina Kemner wollen mit dem Pinsel ihre Gefühle zum Ausdruck bringen, sich über das eigene Innere klar werden oder schlichtweg nur entspannen. „Magisches Malen“ heißt ihr Motto und über diese Magie, die entstehen kann, wenn man aus seinem Inneren schöpft, erzählte die Märchenpädagogin Christa Albrecht eine alttürkische Nomadengeschichte auf der Vernissage am 15. September in der städtischen Bücherei in Geretsried.
Es geht um keine Maltechnik, sondern um eine Phantasiereise mit dem Pinsel
Seit zwei Jahren gibt Martina Kemner, Heilpraktikerin und Kunsttherapeutin, ihren Kurs „Magisches Malen“. „Ich hatte damals von so einem Kurs geträumt und am Tag darauf bei der VHS angefragt, ob sie sich dafür interessieren würden“, erinnert sich Kemner. Das Projekt lief sofort gut. Sie unterrichtet keine Maltechniken, sondern schickt ihre Teilnehmerinnen auf eine Phantasiereise. Kemner erzählt ihnen zu Beginn an den Kursabenden immer eine Geschichte oder verteilt Bilderkarten als Anregung. Dann wird in Acryl auf Leinwand gemalt, was gefühlsmäßig entsteht – ganz ohne Wettbewerbszwang und ohne künstlerischen Anspruch. „Uns geht es darum abzuschalten, zum Ausdruck zu bringen, was man nicht in Worte fassen kann, sich Klarheit zu verschaffen und Spaß zu haben“, erklärt die Kursleiterin.
Licht und Geborgenheit, thematische Suche nach dem Bauchgefühl in der Malerei
Das kann die Kursteilnehmerin Gerlinde Ehmer aus Egling nur bestätigen. Sie ist vom ersten Kurs an dabei geblieben. „Ich suchte damals eine Gruppe, in der es nicht um die Technik sondern um die Gefühle geht“, sagt die Hobbykünstlerin. Eines ihrer Bilder leuchtet in kräftigen gelben Tönen. Im Zentrum des Motivs strahlt eine große Sonnenscheibe, unter ihr geht ein Durchgang ins helle Licht auf der anderen Seite. „Wohin es dahinter geht, ist dem Betrachter überlassen“, sagt Gerlinde Ehmer. Besonders spannend bleibt die Tatsache, dass ihr dieses Licht zum Thema Schatten einfiel. Zum Thema „Geborgenheit“ kam Waltraud Demmel aus Wolfratshausen ein Bildnis von der Mutter Gottes in den Sinn. Sie hat sie in zartes Blaugrün gehüllt und mit Glitzerstaub umspielt. Die Gesichter von Maria und dem Jesuskind bleiben anonym verschwommen, sind konturenlos. Ein zweites Bild von Waltraud Demmel zeigt ihren eigenen Lebensbaum. „Ich wusste vorher nicht, dass er so aussehen wird“, sagt sie. Er ist wild verästelt, weiß nicht recht, wohin er wachsen soll. Jeder Zweig des Lebensbaumes ist in einer anderen dominanten Farbe gemalt und ein mächtiger Stamm hat sich tief ins Erdreich verwurzelt. Bilder sagen für gewöhnlich mehr als Worte. Um das geht es den Volkshochschülerinnen von Martina Kemner vor allem.
