Maler und Künstler Heinz-Detlef Moosdorf

Der Grafiker wurde 1976 von der Stasi "aussortiert"

Heinz-Detlef Moosdorf in seinem Garten. - Lars Hartfelder
Heinz-Detlef Moosdorf in seinem Garten. - Lars Hartfelder
Heinz-Detlef Moosdorf war bis Ende der 70er Jahre ein bekannter Künstler in der DDR, bevor seine Bilder verboten wurden. Heute lebt der Maler in einem kleinen Dorf.

Die blau angestrichene Tür knarrt ganz leise. Dann öffnet ein großer, schlanker Mann mit krausem Vollbart das alte Holztor. "Hier habe ich mein eigenes Paradies", sagt Heinz-Detlef Moosdorf mit rauer Stimme. Sein Grundstück in Haida, nähe Elsterwerda, ist völlig zugewachsen. Eine Mauer, großer wilder Wein und Efeu lassen den Lärm des Alltags vergessen und spenden Ruhe. Der 1943 in Wurzen, Bezirk Leipzig, geborene Moosdorf war bis Anfang der 80er Jahre in der DDR ein bekannter Künstler, bevor ihn die Partei in die Wüste schickte.

Moosdorf lebt zurückgezogen auf dem Land

Ein halb blinder Kater, mit hängendem Kopf schleicht über den kleinen Hof. Überall stehen Figuren aus Speckstein. In der Stille zwitschern ein paar Amseln, während sich die Sonne in den Fenstern eines alten Schuppens bricht. "Das ist mein Atelier", sagt Moosdorf. "Und dort ist mein Garten", zeigt er freudestrahlend Richtung Eingang. Der Graphiker war 1992 aufs Land gezogen, kaufte sich mit seiner Frau das kleine Haus mit dem angrenzenden Acker. "Ich habe alles gesammelt, was die Leute nach der Wende weggeworfen hatten." Alte Bretter, Steine oder Fenster – der Künstler findet für jedes noch so unbrauchbar erscheinende Utensil eine Verwendung. "Die Gesellschaft schmeißt alles weg, am Ende auch mich", sagt er nachdenklich. "Mir ist deshalb wichtig, bewusst zu leben und im Kopf weiter zu wachsen."

Brief an Wolf Biermann löst Konflikt aus

Der Garten gleicht einem Labyrinth. Vorbei an Baldrian-, Engelwurz und Salbeikräuern führt eine Gasse bergab zu einem kleinen Brunnen, den Moosdorf selbst gemauert hat. Daneben befindet sich ein Hochstand, der von aufgespannten Stoffsegeln umgeben ist. Dort sammelt sich Wasser und läuft direkt in die Senke. Hier steht auch eine aus einem Weidenstamm geschnitzte Figur, geschmückt mit einer Halskrause aus Metall. "Das ist der alte Mielke", lacht Moosdorf. Die Figur kennzeichnet einen wichtigen Einschnitt im Leben des Künstlers. Bis 1976 war er in der DDR ein öffentlicher Mensch, seine bekanntesten Werke tauchen noch heute in Standardwerken der Kunst auf. Doch dann bekam er mit der Staatssicherheit Probleme. Grund dafür sei ein Brief an Liedermacher Wolf Biermann gewesen. Dessen Stücke waren im November 1976 von der DDR-Führung verboten worden. "Ich schrieb ihm, dass meine Freunde und ich seine Texte gern weiter lesen und diskutieren würden." Doch der Brief wurde abgefangen. "Von da an galt ich offiziell als potenzieller Klassenfeind."

Keine Wut mehr auf die Stasi

Wenn Moosdorf heute durch die hohenleipischer Heide spaziert, denke er noch oft an die Stasi, "die ursprünglich positive Ziele verfolgte: nämlich den Schutz vor Feinden." Erst als der Staat schwächer wurde, konnte die Stasi wuchern, lautet sein Fazit. "Wenn sich die Menschen mit dem Staat identifiziert hätten, wäre die Stasi nicht nötig gewesen." Wut empfinde er nach über 20 Jahren keine mehr. Ein schwacher Staat suche immer nach Möglichkeiten, sich selbst zu schützen. "In der DDR gab es die Stasi, heute gibt es die Schufa", sagt der Künstler provokant.

"Frei ist man in beiden Systemen nicht"

Ein Vorteil der DDR sei gewesen, dass ärmere Menschen größere Möglichkeiten hatten als heute. Zwar gebe es jetzt freie Reisemöglichkeiten, doch dafür könne sich nicht einmal jeder ein Bahnticket leisten. "Frei ist man in beiden Systemen nicht." Es komme immer auf einen selbst an. "Man kann sich anpassen oder seinen eigenen Weg gehen. Mir ist wichtig, dass ich mir immer selbst treu bleibe." Das schlimmste an der heutigen Gesellschaft sei, dass die Fähigkeiten des Einzelnen nicht mehr gefördert werden. "Wenn man sich nach Arbeit sehnt, aber keine bekommt, ist das ein großes Unglück." Auch viele Künstler können nicht mehr existieren. Es sei schlimm, wenn ein Maler nur überleben kann, wenn seine Bilder rentabel sind. Hohe Geldeinnahmen interessieren Moosdorf nicht. Sein spartanisches Leben finanziere er durch einzelne Verkäufe.

Lars Hartfelder - Lars Hartfelder, M.A. Geboren 1977 in Finsterwalde (Brandenburg). Arbeitet seit 2005 als freier Journalist in Cottbus, unter anderem ...

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