
- The Tree Of Life - Concorde Filmverleih
Versöhnung ist auch in den schlimmsten Fällen schwarzer Pädagogik möglich: durch Gott, durch das Einssein mit der Schöpfung. Das ist die Aussage des bilderreichen und kongenial komponierten Films von Terrence Malick, ausgezeichnet mit der Goldenen Palme von Cannes 2011, dessen wenige gesprochene Worte seiner Darsteller wie Gedichtverse vor dem Auge des Zuschauers über die jeweilige Szene hinweg hineinfliegen. Wie tanzende Buchstaben auf Notenblättern.
Anders als "The Tree of Life": Colombine oder die Wut der Indigos auf die schwarze Pädagogik
Ein anderer Weg, jenseits dieses Films, wäre ein weiteres Colombine: Mach kaputt, was dich kaputtmacht. Aber so ein Indigokind ist Jack nicht. Indigokids sind ab Mitte der Sechzigerjahre erst auf diesem Planeten inkarniert. Jack im Film ist dafür längst zu alt.
Die Folge der autoritären Erziehung, Verlorenheit in der Welt, löst der erwachsen gewordene Jack, Sohn eines strengen, moralischen Vaters, auf, indem er sich am Meer in ein spirituelles All-Eins-Sein-Erlebnis mit der Schöpfung hinein begibt. Versöhnung, Vergebung, Liebe sind wieder möglich.
"The Tree of Life": Das Drama des gedemütigten Kindes
Der Grund für die Versöhnungsnotwendigkeit im Detail: Jack O'Brien wächst in den 50er-Jahren in Texas als ältester von drei Brüdern eines strengen Vaters und einer viel zu passiven, der Zeit gemäßen, engelsgleich schönen Mutter auf. Er blickt hinter das Lügengebäude einer moralischen Erziehung nach den Wertevorstellungen einer Kirchengemeinde, die sich christlich nennt. Weniger um die bedingungslose Liebe, die Jesus Christus gelehrt hat, geht es den texanischen Klerikalen, sondern um die Kontrolle der Gesellschaft - so wie es Jacks Vater um die Kontrolle seiner Familienmitglieder geht. Kurz: alles dreht sich um Macht. Obwohl Pitt den Zwiespalt des Vaters zwischen Herzensmensch und Rollenvorbild einer konservativen Zeit glaubhaft rüberbringt, bleibt Jack in den Folgeerscheinungen des Familienhorrors gefangen: Das Leben bleibt für ihn bis in das Erwachsenenalter, mittlerweile ist Jack ein erfolgreicher Architekt (gespielt von Sean Penn), ein Labyrinth.
"The Tree of Life": Apokalyptisches Glück heilt Neurose
Erst als erwachsener Mann werden ihm die Gaben der Mutter, die einst den Mund gegenüber dem jähzornigen Vater hielt, wirklich nützlich und lebensrettend: Sie war hellfühlend und auf diese Weise alles verzeihend (nur sie kannte die Angst ihres Mannes), und das ist Jack auch. Damals als kleiner Sohn des brutalen Vaters Mr O'Brian nutzte ihm das nichts, Widerspruch hätte Wahnsinn bedeutet. Als Erwachsener taucht er mit der Seele der Mutter ein in die Natur und Gott - und das rettet ihn. Wie? Sehen Sie selbst.
Malick präsentiert dem Kinogänger eine Reise ohne Ende in ein unbekanntes Territorium: die Erinnerungen der Kindheit und gleichzeitig die Rhythmen des Universums. Damit ist der Film ein Epos. Der Regisseur zeigt Jacks Anstrengungen, seinem Leben einen Sinn zu geben, als Teil der kosmischen Mächte: Bilder von der Entstehung des Universums und den ersten Kreaturen verbinden sich nach einem harten Schnitt mit der Geburt der Kinder in O'Brians texanischem Holzhaus. Der Ursprung des Lebens aus der Liebe gilt als verbindendes Element beider Bildereinheiten des Films. Jack findet den Weg zurück zur universellen Ebene, zum Ursprung der Liebe.
