
- Mallorca Bontanicatus - Christian Goldmann
Mallorca ist nach wie vor der Deutschen liebstes Reiseziel. Nicht nur Sonne und Meer locken. Zunehmend zieht es die Touristen ins Landesinnere. Ziele sind die großartige Landschaft, die vielfältige Botanik sowie kunsthistorisch wertvolle Bauten aus mehreren Jahrhunderten. Wählt man als Reisezeit nicht gerade die sommerlichen Ferienmonate oder die Zeit der Mandelblüte, so kann man in Ruhe genießen.
Palma
Einen sehr guten Überblick über die Hauptstadt gewinnt man von der Balustrade des Castillo de Bellver. Das vollkommen runde gotische Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert liegt westlich von Palma im gleichnamigen Park. Sehenswert sind – neben dem atemberaubenden Blick über die Stadt und die Insel – der zweigeschossige Innenhof und das Museo Municipal. Nicht weit davon entfernt findet man das Freiluftmuseum Pueblo Español. Nachbildungen berühmter Bauwerke aus ganz Spanien sind verkleinert, aber naturgetreu hier versammelt.
Die Innenstadt wird von der großen Kathedrale beherrscht. Angesichts dieser Dominanz werden andere sakrale Bauten leicht übersehen. Sehenswert sind die älteste Kirche der Stadt San Miguel, Santa Cruz, Montesión sowie die Klöster San Francisco, La Conceptión und der Convento de Santa Clara.
Klöster auf Mallorca: Lluc und Ermita de la Trinitat
Leider kein Geheimtipp mehr ist das Kloster Lluc in der Serra de Tramuntana gelegen. Die Enthüllung der Schwarzen Madonna in einem feierlichen Gottesdienst ist durchaus ein Erlebnis. Sehenswert auch die vielen Votivgaben. Am letzten Juliwochenende findet hier eine große Volkswallfahrt statt.
Beschaulich hingegen geht es in der von Mönchen bewohnten Ermita de la Trinitat in der Nähe von Son Moragues zu. Reizvoll ist neben der Kapelle die Aussicht, bei klarem Wetter bis nach Barcelona.
Landgüter und Herrensitze: San Marroig, La Granja und Raxa
1860 war Erzherzog Ludwig Salvator von Österreich nach Mallorca gekommen, verliebte sich in die Insel und blieb dort viele Jahre. Von seinem einst riesigen Besitz ist das Landgut Son Marroig mit der Halbinsel Na Foradada geblieben. Sehenswert sind das Museum im Herrenhaus und die vielfältige Vegetation auf der Steilküste unterhalb des Gutes. Seinen Wohnsitz in Palma hatte Ludwig Salvator im prächtigen Palast des Grafen Santamaria de Formiguerea in der Nähe der arabischen Bäder.
La Granja und Raxa
Einen guten Einblick in das mallorquinische Leben der Oberschicht sowie in zahlreiche handwerkliche Tätigkeiten aller Art bietet das Freilichtmuseum La Granja, abseits in einer wildromantischen Landschaft hinter Esporles gelegen. Leider ist die liebevoll gepflegte Anlage kein Geheimtipp mehr – im Gegensatz zu dem erzbischöflichen Landsitz Raxa.
Abseits der großen Touristenströme liegt auf der Straße von Palma nach Soller verwunschen und ein wenig verfallen das schlossartige Herrenhaus. Besonders sehenswert ist die einzigartige mit Löwen geschmückte Freitreppe, welche vom Hauptgebäude mit einer herrlichen Fassade im italienischen Renaissancestil hinauf zu einem Pavillon mit großartigem Rundblick in die nördliche Bergwelt führt. Die Freitreppe ist übrigens in der Agatha Christie Verfilmung „Das Böse unter der Sonne“ von zentraler Bedeutung.
Gärten: Son Alfabia und Botanicactus
Ganz anders als die wildromantische Gartenanlage von Raxa sind die arabischen Gärten von Son Alfabia, nur fünf Kilometer weiter nördlich gelegen. Das barocke Schlösschen, ein Museum spanischer Renaissance, liegt im paradiesisch anmutenden Garten, bestückt mit Brunnen Fontänen, Teichen, Lauben und Laubengängen.
Aus neuerer Zeit stammt der Botanicactus von Ses Salinas, einer der größten botanischen Gärten Europas. Der Schwerpunkt der Pflanzenauswahl liegt auf Kakteen aller Art, Agaven und Aloen in allen nur denkbaren Variationen. Gartenarchitekten schufen begeisternde Kompositionen aus einer überwältigenden Vielzahl dieser Pflanzen, die zudem in äußerst reizvoller Umgebung angesiedelt wurden.
Natürliche Paradiese: Cala Mondrago und Sa Calobra
Zahlreiche von der Natur geschaffene Paradiese kann man auf Mallorca besuchen. Ein besonders beeindruckendes findet man im Südosten ca. drei Kilometer von Portopetro entfernt: die Cala Mondrago. Außerhalb der Hochsaison ist es ein Ort zum Träumen: eine kleine Doppelbucht mit kristallklarem Wasser, eine bis auf zwei Hotelanlagen und einige wenige Restaurants unbebaute Felsenküste umgeben von Wald.
Wesentlich dramatischer präsentiert sich an der Nordwestküste der Insel die Felsenschlucht von Sa Calobra. Vierhundert Meter tief hat sich der Fluss Torrent de Pareis in den Kalkstein der nördlichen Serra de Tramuntana gegraben. Eine Wanderung durch die drei Kilometer lange Schlucht ist nicht ganz ungefährlich und sollte nur mit sachkundiger Führung vorgenommen werden. Die himmelhohen Felswände tauchen die Schlucht auch tagsüber in eine eigenartige Dämmerung.
Steht in keinem Reiseführer
Eine leichte Beklemmung befällt den Spaziergänger, der sich bei einer Wanderung auf einen bewaldeten Hügel oberhalb von Illetas, westlich von Palma begibt, angesichts einer aufgelassenen, teilweise unterirdischen Militäranlage. Einst geschützt durch Gräben und Zäune, von oben getarnt durch Bäume und Sträucher ist diese düstere Kasemattenanlage inzwischen für jedermann zugänglich. Über die Zeit und die Art der Verwendung erfährt der Tourist nichts, Fragen nach dieser Anlage stoßen auf Unverständnis. Was dem Fremden unheimlich erscheinen mag, gehört bei den Einheimischen zum Alltag. Im Vorfrühling streunen ganze Familien über das Gelände, die Löcher im Boden, durch welche man in die unteren Kasematten fallen kann, fröhlich ignorierend. Sie sind dann nämlich auf der Suche nach wildem Spargel, einer der Zutaten für ein typisch mallorquinisches Omelette (Tortilla de espárragos).
Bildnachweis: Christian Goldmann
