
- Lachendes Gesicht auf der Toilettentür - Adrian van Leen auf Stock.xchng
Zahlreiche Forschungen haben sich mit den Auswirkungen von Fremdbetreuung in Kinderkrippen, Tagesstätten und Kindergärten auf die kindliche Entwicklung befasst. Manche Studien heben dabei eher die Vorteile, andere eher die problematischen Aspekte hervor. Dieser Artikel fasst die Pros und Kontras bezüglich der Fremdbetreuung von (Klein-) Kindern zusammen.
Vorteile von Betreuungseinrichtungen
- Struktur und Rhythmus: Der Tagesablauf in Betreuungseinrichtungen folgt meist einer festen Struktur, was dem Kind Rhythmus und Sicherheit bietet.
- Sozialisierung und soziale Fähigkeiten: Kinder in Tagesstätten und Kindergärten können vom Kontakt mit anderen Kindern profitieren, besonders wenn sie zuhause keine Geschwister oder Spielkameraden haben.
- Professionalität: Betreuer und Erzieher/innen haben in der Regel eine mehrjährige Ausbildung. Gerade erfahrene Mitarbeiter/innen sind pädagogisch oft geschickt, wodurch die Kinder in ihren sozialen Fertigkeiten sowie ihrem Selbstwertgefühl gestärkt werden können. (Die besten Experten für ihr eigenes Kind sind aber in der Regel immer die Eltern.)
- Stimulierende Umgebung: Gute Einrichtungen bieten Kindern ein Umfeld, das zu Bewegung und kreativem Spiel anregt und Neugier weckt.
- Kognitive Entwicklung: Viel Zeit in Gruppen-Betreuung wurde in Studien mit besseren mathematischen und Lese-Fähigkeiten in Verbindung gebracht. Allerdings verloren sich diese Effekte schon bald nach Schuleintritt (das heißt, die zuhause betreuten Kinder machten den Rückstand bald wett) und waren nur für Kinder von niedrigem sozio-ökonomischen Status wirklich ausgeprägt. Und begann die Fremdbetreuung bereits in den ersten 17 Monaten, wirkte sich das sogar negativ auf besagte Fähigkeiten aus.
- Sicherheit: Kinder in Betreuungseinrichtungen erleiden deutlich weniger tödliche Unfälle als Kinder, die zuhause betreut werden.
- Eltern-Zufriedenheit: Kindererziehung kann anstrengend sein – Betreuungseinrichtungen entlasten Eltern, was diese zufriedener macht, wovon wiederum die Kinder profitieren.
Nachteile und problemtische Aspekte
- Stress: Zahlreiche Studien haben nachgewiesen, dass lange Betreuungszeiten zu deutlich erhöhten Stress-Pegeln bei Kindern führen. Dies wiederum drückt sich in erhöhter Aggressivität, unruhig-wildem Verhalten und verringerter Empathiefähigkeit aus. Nachgewiesen mögliche Langzeiteffekte sind Ängste, Beziehungsprobleme und niedrige Stress-Toleranz. Während dies für alle Kinder gilt, sind es insbesondere die sehr jungen und sensiblen Kinder, die unter Trennungsangst, Überreizung und Erschöpfung durch lange Betreuungstage leiden.
- Eltern-Kind-Beziehung: Kinder, die viel Zeit fremd betreut werden, verbringen unter Umständen zu wenig Zeit mit ihren Eltern, um eine vertrauensvolle, belastbare Eltern-Kind-Beziehung aufzubauen (Stichwort Bonding). Dies hat nicht nur negative Auswirkungen auf die Eltern-Kind-Beziehung, sondern vermindert auch die Beziehungsfähigkeit der Kinder im späteren Leben sowie ihr Selbstvertrauen.
- Mangel an sinnvollen Tätigkeiten: Viele Einrichtungen bieten zu wenige sinnvolle Aktivitäten wie gemeinsames Kochen, Saubermachen, Handarbeiten oder Bewegungsspiele an. Stattdessen werden die Kinder mit wenig sinnvollen Papier-Bastelarbeiten oder Multi-Media-Angeboten unterhalten.
- Überbetonung der intellektuellen Entwicklung: In den ersten fünf Lebensjahren können Kinder alle nötigen intellektuellen Fähigkeiten durch Alltagstätigkeiten wie zum Beispiel Tischdecken, (Finger-) Spiele freies Spiel lernen. Es gibt keine überzeugende wissenschaftliche Belege für den Nutzen intellektueller Frühförderung – viel größer ist die Gefahr von Leistungsdruck, Entmutigung und Frustration.
- Gesundheit: Kita-Kinder werden häufiger krank.
Schlussfolgerung
Die Vor- und Nachteile des Besuchs von Kinderbetreuungseinrichtungen scheint ziemlich ausgewogen. Natürlich hängt dabei viel von der Qualität der Einrichtung ab – und noch mehr von der Qualität der elterlichen Erziehung zuhause. Als generelle Regel kann man aber festhalten, dass für Kinder unter drei Jahren die überwiegende Betreuung im familiären Umfeld durch Eltern, Verwandte oder gute Bekannte ideal ist – vorausgesetzt, die Betreuungsperson kümmert sich liebevoll und gerne um das Kind. Kinder im Kindergartenalter (ab drei Jahren) scheinen dagegen am deutlichsten vom Besuch einer qualitativ guten Betreuungseinrichtung zu profitieren. Wichtig bleibt dabei, dass es eine ausreichende Eingewöhnungszeit unter Begleitung eines Elternteils gibt und dass das Kind ausreichend Zeit zur Erholung und Zeit mit den Eltern hat, was generell eher für kurze Tage spricht.
Quellen und verwandte Artikel
- Kids with depressed moms do better in day care. Article von Linda Carroll auf msnbc.com.
- Effects of early child-care on cognition, language, and task-related behaviours at 18 months: An English study. Eine Studie von Sylva, Stein, Leach und anderen. Wiley Online Library.
- Expertenrat zur Kinderbetreuung: das Beste für jedes Alter. Suite101-Artikel von Martin Bohn.
- Wie Vorschulkinder von Betreuungseinrichtungen profitieren. Suite101-Artikel von Martin Bohn.
