Mamerki/Mauerwald: Bunkerstadt aus dem Zweiten Weltkrieg

Bunker in Mauerwald - Harald Rossa
Bunker in Mauerwald - Harald Rossa
Mauerwald, eine Bunkerstadt nahe der Wolfschanze, war von Juni 1941 bis Januar 1945 das Quartier für das Oberkommando des Heeres.

Vor dem Angriff des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion im April 1941, als „Unternehmen Barbarossa“ bezeichnet, ließ Adolf Hitler zuvor in Ostpreußen mehrere befestigte Kommandozentralen errichten. Dazu gehörten das Führerhauptquartier Wolfsschanze bei Rastenburg (Ketrzyn), die Bunker des Oberkommandos der Luftwaffe (OKL) beim Goldapersee in der Rominter Heide, die Feldkommandostelle Hochwald des Reichsführers SS bei Grossgarten (Pozezdrze) und die Bunkerstadt für das Oberkommando des Heeres (OKH) im Mauerwald (Mamerki) am Mauersee (Jezero Mamerki).

Die Entwicklung der Bunkerstadt Mauerwald

Die größte Anlage neben dem Führerhauptquartier Wolfsschanze war die rund 18 Kilometer entfernte Bunkerstadt Mauerwald. Von hier führte das Oberkommando des Heeres die Operationen an der Ostfront. Diese Bunkeranlage erstreckt sich am Mauersee zwischen den Orten Stobben (Pniewo) und Pristanien/Paßdorf (Przystan). Begrenzt wird das Gebiet durch die Bahnlinie von Ketrzyn nach Wegorzewo (Angerburg), dem Masurischen Kanal und den Mauersee. Die Straße von Radzieje und Wegorzewo teilt das Gebiet in 2 Teile.

Im Herbst 1940 begann die Organisation Todt unter der Tarnbezeichnung „Chemische Werke Askania“ mit dem Bau der Anlage. Auf einem Areal von 250 Hektar entstanden über 200 Gebäude und 30 Luftschutzbunker Das Gelände war in 3 Zonen unterteilt. Zwischen der Straße durch die Anlage und der Eisenbahnlinie befand sich die Zone „Fritz“. Hier hatten die Offiziere des Generalstabs und des Planungsdienstes ihre Quartiere. Das Areal zwischen Straße und Seeufer wurde als Zone „Quelle“ bezeichnet. Hier waren die Verwaltung und die Versorgungseinheiten untergebracht. Südlich gab es als Hinterland der Anlage die Zone „Brigittenstadt“. Nördlich von Mauerwald befanden sich unter der Bezeichnung „Anna“ die Fernmeldeeinrichtungen. Im Vorfeld des Angriffes auf die Sowjetunion hatte die Reichspost ein umfangreiches Netz neuer Fernmeldeverbindungen an der Grenze zur Sowjetunion aufgebaut.

Am 24. Juni 1941 verließ das Oberkommando des Heeres sein bisheriges Quartier bei Zossen und zog in die Anlage Mauerwald in Ostpreußen. Bis zu 1.500 Menschen waren hier tätig. Das Gelände des Quartiers wurde von einem motorisierten Wachbataillon geschützt. Das verfügte über Panzerabwehrwaffen und Flugabwehrgeschütze. 60 Mann der Geheimen Feldpolizei wachten über Offiziere und Soldaten. Das Oberkommando des Heeres verließ den Komplex Mauerwald am 20. Januar 1945 und ließ ihn unzerstört zurück. Daher ist die Anlage heute einer der am besten erhaltenen Bunkerkomplexe der Wehrmacht aus dem Zweiten Weltkrieg.

Deutscher Widerstand und Mauerwald

In einer der Baracken im Komplex Mauerwald versteckten deutsche Widerstandskämpfer englischen Sprengstoff. Mit dem sollte 1943 für ein Attentat auf Hitler verübt werden. Doch dazu kam es nicht. Der Sprengstoff wurde dann vergraben. Spürhunde der Geheimen Feldpolizei fanden diesen Sprengstoff. Doch die Verschwörer konnten nicht ermittelt werden. Der Sprengstoff, mit dem Claus Schenk Graf von Stauffenberg dann am 20. Juli 1944 in der Wolfsschanze ein Attentat auf Hitler verübte, stammte aus Mauerwald. Er wurde aus dem Lager der Pioniere entwendet.

Das Museum Mauerwald

2003 pachtete Bartolomiej Plebanczyk 50 Hektar des Geländes von Mauerwald und richtete ein Museum ein. Unzerstörte Bunker und Luftschutzräume sind mit einer Taschenlampe in der Hand zu erkunden. Auf dem größten Bunker steht ein Aussichtsturm mit Blick auf den Mauersee.

Öffnungszeiten: und Anfahrt

Von Mai bis Oktober täglich von 8 bis 20 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten für Gruppen nach vorheriger Anmeldung. Führungen sind in Deutsch, Englisch, Französisch und Polnisch möglich. Von Ketrzyn Richtung Mikolajki (Nikolaien) fahren und kurz hinter der Stadt links ab der Ausschilderung zur Wolfsschanze folgen. An der Wolfsschanze vorbei durch Gierloz (Görlitz) in Richtung Wegorzewo fahren. An kritischen Stellen ist die Richtung nach Mamerki (Mauerwald) ausgeschildert.

Literatur

  • Wojciech Marek Darski: Masuren von innen. Wydanictwo Mazurskie Gizycko 2011, ISBN 978-8361349-08-2
  • Jan Zduniak und Agnieszka Zduniak: Wolfsschanze und Hitlers andere Kriegshauptquartiere in Wort und Bild. Kengraf Ketrzyn 2006. ISBN 83-89119-18-8

Quellen