Man kann nicht nicht kommunizieren

Auch Schweigen ist Kommunikation

Die in den Überschriften verwendeten Sätze entstammen der Kommunikationstheorie des 1921 in Österreich geborenen Therapeuten und Autors Paul Watzlawick.

Eins seiner berühmtesten Werke ist das 1983 erschienene Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“, in der er rigoros mit dem Vorurteil aufräumt, dass das Streben nach Glück des oberste Ziel des Menschen ist. In zahlreichen Metaphern, Anekdoten und ironischen Geschichten erläutert er, wie jeder Einzelne es schafft, seinen Alltag unerträglich zu gestalten. Als theoretischer Hintergrund dient die o. g. Kommunikationstheorie, die in der Palo-Alto-Schule entwickelt wurde, deren Mitbegründer Watzlawick ist. Er bezieht sich in seinem Buch insbesondere auf die mögliche Paradoxien und Störungen menschlicher Kommunikation (vgl. www.amazon.de).

Grundlegend geht er davon aus, dass zu einer Botschaft immer ein Sender und ein Empfänger gehören. Die Interpretation der verbalen Botschaften hängt nicht nur rein von der sachlichen Information, sondern auch von der Beziehung zwischen Sender und Empfänger der Nachricht ab. Auch wenn dies vordergründig logisch erscheint, können sich dennoch etliche Kommunikationsprobleme ergeben.

Inkongruente Botschaften

Eine der möglichen Paradoxien sind die so genannten inkongruenten Botschaften. Dies bedeutet konkret, dass die verbale Äußerung nicht zu Mimik, Gestik und/oder Körperhaltung (non-verbale Kommunikation) des Senders der Nachricht passt. Dies soll im Folgenden an einem Beispiel verdeutlicht werden:

Eine junge Frau sitzt mit traurigem Gesicht und hängenden Schultern auf einer Bank. Zufällig kommt eine Freundin vorbei, die den niedergeschlagenen Gesichtsausdruck bemerkt. Sie fragt, ob irgendetwas Schlimmes passiert sei, erhält jedoch die Antwort: „Es ist alles in Ordnung!“

Für den Empfänger der Nachricht ist es in solchen Fällen schwer, angemessen zu reagieren, zumal er nicht weiß, ob nun der verbale oder non-verbale Anteil der Nachricht maßgeblich ist. Lässt er den traurigen Gesichtsausdruck sowie die niedergedrückte Körperhaltung außer Acht und berücksichtigt lediglich die verbale Aussage, dass alles in Ordnung sei, könnte der Sender der Nachricht dies als Desinteresse an ihm und seiner Traurigkeit interpretieren. Reagiert der Sender jedoch umgekehrt, d. h. er reagiert auf den traurigen Gesichtsausdruck und ignoriert die verbale Aussage, riskiert er die ziemlich gereizte Entgegnung des Senders: „Ich sagte doch, dass alles in Ordnung ist!“

Sendet jemand inkongruente Botschaften aus, spricht dies häufig für „inneres Kuddelmuddel“ beim Sender. Einerseits wünscht er sich Zuwendung und Interesse an seiner Person, andererseits möchte er unter Umständen andere nicht mit seinem Kummer belasten.

Sach- und Beziehungsebene

Zur Sachebene zählt man die rein informativen Anteile einer Nachricht, auf der Beziehungsebene ist, wie bereits angesprochen, das Verhältnis zwischen Sender und Empfänger zu berücksichtigen.

Bei der Aussage des Ehemanns „Erna, das Bier ist alle!“ handelt es sich zunächst um eine rein sachliche Information. Betrachtet man die Beziehungsebene zwischen Ehemann und Ehefrau, sind jedoch vielfältige Deutungen möglich. Es kann sich um einen impliziten Befehl an die Frau handeln, ihm eine neue Flasche Bier zu bringen, gleichzeitig kann er damit die Zuständigkeit der Frau für seine Versorgung mit Getränken zum Ausdruck bringen. Man könnte diese Aussage unter dem Beziehungsaspekt auch als Beschwerde deuten.

Von dem Verhältnis zueinander hängt ab, wie die Ehefrau auf diesen einen Satz reagiert. Versteht die Frau dies als Beschwerde und empfindet sich selbst als zuständig dafür, wird sie ihm schnell beflissen eine neue Flasche bringen. Möglich wäre jedoch auch die Gegenfrage: „Kannst du dir dein Bier nicht selber holen?“ oder eine Äußerung ihres Unmuts über den Tonfall des Ehemanns.

Non-verbale Kommunikation

Dazu zählen, wie bereits angesprochen, Mimik, Gestik und Körperhaltung. In vielen Fällen sagt die non-verbale Kommunikation mehr aus als die verbale Äußerung selbst, zumal einem die non-verbalen Signale häufig nicht bewusst sind. Bei Menschen, die einem aus etwaigen Gründen unsympathisch sind, nimmt man unbewusst eine ablehnende Körperhaltung ein (z. B. Verschränken der Arme vor der Brust), um demjenigen deutlich zu machen, dass man eine bestimmte Distanz zu ihm wahren möchte. Diese abwehrende Körperhaltung kann auch nicht durch freundliche Worte wie „Herzlich willkommen!“ oder „Schön, Sie zu sehen!“ kompensiert werden. Verbale Sprache und Worte kann man gezielt steuern, bei der Körpersprache wird dies schwieriger und läuft meist unbewusst ab.

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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