Man nannte sie die "Papierspielerin"

Minutiöse Mosaik-Bilder aus Papier-Schnipsel

Eine Ausstellung im Heimatmuseum Wolfratshausen zeigt den Nachlass der Collagen-Künstlerin Inge Quaet-Faslem.

Bis ins hohe Alter von 83 Jahren arbeitete Inge Quaet-Faslem mit Hingabe an ihren minutiösen Papier-Collagen. Das war 2006. Im November 2007 vermachte sie unerwartet und ohne Erklärung ihr künstlerisches Lebenswerk Albrecht Widmann, dem Eigentümer des Kunstbunkers in Geretsried. Sie wollte von ihrer Kunst und bald darauf auch vom Leben nichts mehr wissen. Warum das so war, ließ sie im Verborgenen. Inge Quaet-Faslem starb in der Nacht vom 6. auf den 7. März 2008 im Isar-Loisach Seniorenpark in Wolfratshausen.

Bilder für Tiere

Zur Erinnerung an die Künstlerin, die ihre letzten 15 Jahre in Achmühle lebte, stellt der Geretsrieder Widmann nun die Sammlung von 83 Collagen dem Heimatmuseum in Wolfratshausen für eine Ausstellung zur Verfügung. Er sieht die Kunst und Kultur, mehr als andere Bereichen, als schönen Anlass für ein enges Zusammenrücken der beiden Nachbarstädte. „Auf dass wir uns mögen wollen“, sagte er bei seiner Eröffnungsrede. Widmann bedankte sich auch beim Museumsleiter Hubert Lüttich, der mit seiner „militärischen Zuverlässigkeit“ maßgeblich daran mitwirkte, dass der Nachlass der Künstlerin nun der Öffentlichkeit gezeigt werden kann und wies darauf hin, dass die Bilder zu erwerben sind. Der Erlös kommt seinem Tierschutzprojekt „ACE – Tiere in Not“ zu Gute. Bürgermeister Helmut Forster überraschte Widmann mit einem „kleinen Spendenscheck“. Auch Inge Quaet-Faslem engagierte sich zu Lebzeiten für die Tiere.

Collagen in wahnsinniger Geduldsarbeit gemacht

Die Kunstwerke aus Papierschnipseln sind beeindruckend. Die Künstlerin hat nur selten zur Schere gegriffen, meist hat sie die klitzekleinen Stückchen mit dem Fingernagel in Form gerissen. Sie verwendete Hochglanzmagazine und hat vermutlich die Schnipsel wie in Farbtöpfen sortiert. Die Bilder sind so filigran ausgearbeitet, dass man sie für Ölbilder halten könnte. Quaet-Faslem muss die Motive, den Bildaufbau, die Perspektive und Farbgestaltung vorher schon genau im Kopf gehabt haben, „sonst hätte sie ihr Bild nicht an einer Ecke beginnen und ohne Korrektur beenden können“, erklärte Widmann. Die Collagen sind mit einer Präzision ausgeführt, zu der eine wahnsinnige Geduld gehört. „Bei der Wohnungsauflösung nach ihrem Tod hat man überall Lupen gefunden“, so Widmann.

Es sind Serien entstanden, vorwiegend aus Landschaften, Blumen und Bäumen. Eine kleine Collage stellt eine Allee im Herbst dar. Das Laub segelt im Wind zu Boden. Die Äste sind bereits kahl und das Licht lässt vorahnen, dass der erste Schnee bald kommen wird. Die Verästelungen sind wie mit einer Feder gemalt, jedes einzelne welke Laubblatt ist nur so groß wie ein Reiskorn. Bei ihrer Technik hat die Künstlerin peinlich genau auf die natürliche Form geachtet.

An einer separaten Wand hängt eine Gruppe von Blumenmotiven. Es fällt auf, dass diese Collagen einfacher ausgearbeitet und die Schnipsel darauf größer geworden sind. Es sind die letzten Bilder von Inge Quaet-Faslem aus dem Jahr 2006. „Selbst als es ihr nicht mehr gut ging, konnte sie von ihrer Kunst nicht lassen“, erzählte Ingeborg Mannheim auf der Vernissage. „Sie stand vom Bett auf, klebte ein paar Schnipsel und legte sich wieder hin.“ Bei den Mannheims in Achmühle wohnte Inge Quaet-Faslem, bis sie aus gesundheitlichen Gründen in den Isar-Loisach-Seniorenpark kam.

Das Leben der einst so starken und intelligenten Frau, die zwanzig Jahre mit dem Maler Karl Maldek befreundet war, endete einsam und traurig. Sie wurde schwierig und gab sich auf. Sie wollte sterben und hatte doch Angst vor dem Tod, weiß Widmann. Er, die Mannheims und Margarete Brendler, eine Freundin begleiteten sie bis zu ihrem Tod.

Die Ausstellung ist bis 31. Januar 2009 im Heimatmuseum Wolfratshausen zu sehen.

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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