Man Ray, einer der kreativsten Fotografen seiner Zeit

Man Ray schuf kreative experimentelle Fotos  - Vincenzo Pascale
Man Ray schuf kreative experimentelle Fotos - Vincenzo Pascale
Man Ray war einer der kreativsten und unkonventionellsten Fotografen seiner Zeit. So entstanden einige seiner Meisterwerke, die weltberühmt wurden.

Man muss frech, experimentierfreudig und bereit sein Regeln zu brechen, um aufzufallen und herausragende Fotos zu machen. Und dies gilt nicht erst heute, in einer Zeit, in der die Menschen Tag für Tag von einer Bilderflut regelrecht überschwemmt werden. Bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verstand es eine Person ganz besonders auf unkonventionelle Weise Fotos zum machen. Mit diesen Bildern erregte er große Aufmerksamkeit. Heute gilt diese Person als einer der großen Meister und Wegbegründer der Fotografie zu einer anerkannten Kunstform. Sein Name: Man Ray.

Man Ray fotografierte Hemmingway, Picasso und Gertrude Stein

Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende und in Philadelphia geborene Emmanuel Rudnitzky (geb. 27. August 1890), der sich später Man Ray nannte, fiel bereits in der Schule durch sein zeichnerisches Talent auf. Erst später, er hatte Malerei studiert, kam er zur Fotografie. Damit er seine Gemälde für seinen Katalog fotografieren konnte, kaufte er sich seine erste Kamera.

Um in Paris, wohin er 1921 emigriert war, überleben zu können, fing er dann auch an für seine Künstlerkollegen Fotos von deren Gemälden zu machen. In diesen Kreisen fasste er als Fotograf schnell Fuß. Da er auch mit der Kamera nicht gerade untalentiert schien, ließen sich viele von ihm porträtieren. Unter ihnen waren viele populäre Persönlichkeiten aus der Pariser Kulturszene der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts wie beispielsweise Ernest Hemmingway, Pablo Picasso, Gertrude Stein. Wegen seiner außergewöhnlichen Fotos wurden auch französische Modezeitschriften auf ihn aufmerksam. Bald rissen sich die führenden Journale wie Harper’s Bazaar und Vanity Fair um ihn.

Doch wie konnte ein Einwanderer aus den USA in der damaligen europäischen Metropole der Mode und der Kunst so weit kommen, obwohl es in Paris von aufstrebenden jungen Künstlern und Fotografen nur so wimmelte? Gründe hierfür waren sicherlich seine freche Improvisationsgabe und sein Mut feststehende Regeln zu brechen.

Kreative Portrait- und Aktfotos gehören zu Man Rays Meisterwerken

Es galt damals, wie auch heute, als großes Tabu in ein Foto zu schreiben oder zu zeichnen. Doch um diese Konventionen scherte sich Man Ray nicht. Und so konnte eines seiner vielleicht berühmtesten Bilder entstehen. Zunächst fotografierte er seine Freundin Kiki; besser gesagt deren entblößte Rückenansicht. Diese erinnerte ihn so sehr an die geschwungene Form einer Violine, so dass er einfach zum Stift beziehungsweise Pinsel griff und in das Bild – in Höhe des Rückens - die markanten Schalllöcher des Instruments malte. Ein Meisterwerk war entstanden. Das Bild ging um die ganze Welt.

Seine freche Art zu fotografieren kam gut an und brachte ihm viele neue Aufträge. Sein Talent zu improvisieren wurde zu seinem Markenzeichen. Als er eines Tages den bekannten Maler Matisse fotografieren sollte, vergaß er ein Objektiv einzustecken. Jeder Fotograf wäre zurück gefahren und hätte es geholt. Nicht so Man Ray. Er führte seine Porträt-Session fort und machte seine Bilder. Doch wie sollte dies ohne Objektiv gehen? Ganz einfach: Er nahm ein Brillenglas und klebte es vor die Kamera. Und mit Hilfe eines schwarzen Tuches, das er vor das Brillenglas hob, imitierte er den Verschluss der Kamera.

Sein Ruf als außergewöhnlicher und kreativer Fotograf verbreitete sich sehr schnell. Er schaffte es sogar der exzentrischen Marquise Casati ein völlig unscharfes und verwackeltes Foto von ihr zu einem stattlichen Preis zu verkaufen. Es zeigte die Marquise mit drei Augenpaaren darauf.

Man Ray experimentierte auch in der Dunkelkammer

Das Experimentieren und Improvisieren mit der Fotoausrüstung war Man Rays Leidenschaft. Doch diese machten nicht vor der Kamera halt. Auch in der Dunkelkammer war Man Ray ein Pionier der Fotografie. Er hatte einmal ein fahrendes Rennauto mit einer kurzen Belichtungszeit (1/1000 Sekunde) aufgenommen, um es „in der Bewegung einzufrieren“. Nachdem er das Bild entwickelt hatte, war es zwar vollkommen scharf, aber er fand es langweilig und zu statisch. Um dem Bild einen gewissen Pep zu verleihen, versuchte er beim Vergrößern den Rahmen, auf dem das zu belichtende Fotopapier lag, zu kippen. Dadurch wurde der hintere Teil des Wagens in die Länge gezogen und unscharf, der vordere Teil blieb scharf. Es entstand auf diese Weise ein Eindruck von Geschwindigkeit.

Solarisation – Fotos mit diesem Effekt war eines seiner Markenzeichen

Auch Fotos mit dem Effekt der Solarisation (Sabattier-Effekt) machte er salonfähig. Er entdeckte diesen Effekt beim Entwickeln einiger Porträts. Als er ungeduldig wurde und auf die Schnelle sehen wollte, ob er sie richtig belichtet hatte, schaltete er das Licht an. Ihm war bewusst, dass er die Bilder danach wegwerfen konnte, dennoch legte er sie aus Gewohnheit ins Fixierbad und verließ das Labor. Am nächsten Tag war er erstaunt, was aus den Bildern geworden war. Die Tonwerte hatten sich teilweise umgekehrt und es hatten sich klare Säume gebildet. Man Ray war von den zufälligen Ergebnissen so angetan, dass er von da an viele Porträts und Stillleben auf diese Weise entwickelte und verfremdete.

Rayographie – Man Ray und seine Fotogramme

Eine andere Art zu fotografieren und dies ohne Kamera, gab er sogar seinen Namen, obwohl andere Fotografen vor ihm damit schon experimentiert hatten. Die so genannte Rayographie, war nichts anderes als Gegenstände im Labor direkt auf das Papier zu legen und mit einer Lichtquelle zu belichten. Die dabei völlig ohne Kamera entstandenen Bilder (so genannte Fotogramme) bezeichnete Man Ray als Rayographien. Man Ray legte alles Mögliche auf das Fotopapier wie beispielsweise Flaschen, Perlen, Haarklammern, Draht. Dabei ergaben die undurchsichtigen Gegenstände scharfe, klare Konturen. Die transparenten Gegenstände lieferten durchscheinende Objekte mit interessanten Mustern. Die Bilder, die ein wenig an Röntgenbilder erinnerten, übten zu der Zeit einen besonderen Reiz aus. Die Zeitschrift Vanity Fair widmete dieser „neuen“ Fotokunst sogar einen Beitrag.

Mit seinen Fotos zeigte Man Ray der ganzen Welt, dass die Fotografie mehr als nur in der Lage war, die Realität abzubilden. Er ebnete durch seine verspielte, freche und unkonventionelle Art zu „fotografieren“ dem neuen Medium den Weg sich als eigenständige Kunstform zu etablieren.

Quelle

“Das Bild”, 1972 / Verlag: Time-Life N.V.

Vincenzo Pascale, Foto: Marco Pascale

Vincenzo Pascale - Unsere (Lebens-)Zeit auf diesem Planeten ist begrenzt, so dass es schade wäre, sich nur mit einer Sache zu beschäftigen. Es gibt ...

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