Manga – Bis in den Himmel

Neue Veröffentlichung von Manga-Altmeister Jiro Taniguchi

Manga: Bis in den Himmel - Schreiber und Leser
Manga: Bis in den Himmel - Schreiber und Leser
Nach einem Verkehrsunfall schlüpft die Seele des einen Opfers in den Körper des anderen. Interessante Manga-Story der leisen Töne - ohne den letzten Pfiff.

Und abermals ein Manga des japanischen Autors Jiro Taniguchi. „Bis in den Himmel“ erscheint im Manga-Sublabel shodoku des Verlags Schreiber und Leser. Zusammen mit dem Hamburger Carlsen Verlag werden in unregelmäßigen Abständen die Mangas – manche sagen auch ehrfurchtsvoll Graphic Novels – von einem der wohl berühmtesten Autoren japanischer Comics veröffentlicht.

Manga, Comic, Graphic Novel

Zunächst fällt der für Mangas ungewöhnliche Einstieg auf. Sind die deutschen Verlage in den letzten Jahren mehr und mehr dazu übergegangen, die Mangas in ihrer Originalleserichtung, also von rechts nach links, abzudrucken, hat sich der Verlag bei „Bis in den Himmel“ überlegt, die Seiten zu spiegeln. In gewohnter westlicher Manier geht es also von links nach rechts. Ein Trend, der übrigens auch bei den Taniguchi-Comcis aus dem Hause Carlsen zu beobachten ist. Letztlich ist es natürlich Geschmackssache. Aber abgesehen von einigen Puristen, sollte doch eher auf den Inhalt als auf die Form geachtet werden

300 Seiten Manga

„Bis in den Himmel“ ist auf seinen gut 300 Seiten eine Variante des Themas: Fremder Geist in meinem Körper, das sich in fortgeschrittenem Lesestadium zu einer fast schon kitschigen Familiengeschichte entwickelt. Worum geht’s? Am zweiten Juli eines nicht näher genannten Jahres kommt es in der japanischen Metropole Tokio um 0:51 Uhr zu einem folgenschweren Verkehrsunfall, an dem zwei Menschen beteiligt sind. Ein Auto kommt von der Spur ab, gelangt auf die Gegenfahrbahn und rammt ein Cross-Motorrad. Am Steuer des Autos sitzt der 42-jährige Techniker und Familienvater Kazuhiro Kubota, im Sattel des Motorrads der 17-jährige Motocross-Champion Takuya Onodera. Beide sind schwer verletzt und werden in ein Krankenhaus eingeliefert, wo sie einige Zeit im Koma liegen. Doch nur einer von beiden wacht auf.

Comic, Körper, Geist

Die Frage, wer wo wieder zu sich kommt, ist das Herzstück dieses Comics. Denn Kazuhiro Kubotas Geist erwacht im Körper von Takuya Onodera. Wer nach der Unfallaction des Anfangs jetzt auf einen ausgewachsenen Science-Fiction-Comic tippt oder gar an eine Neuauflage des Goetheschen Faust Stoffes („Zwei Seele wohnen, ach, in meiner Brust“) denkt, der irrt. In typisch ruhiger und gelassener Taniguchi-Manier entwickelt sich die Story von „Bis in den Himmel“ gemächlich, leise und in ansprechende melancholische Manga-Wattebilder verpackt.

Manga-Melancholie statt Science-Fiction

Kubota im Körper Onoderas möchte sich seinen letzten Wunsch erfüllen und noch einmal mit Frau und Kind sprechen. Als pflichtbewusster Angestellter hatte er nie genug Zeit für seine Familie, die Anstrengungen seines Jobs habe ihn im Prinzip das Leben gekostet – leise Sozialkritik gibt es auch in „Bis in den Himmel“. Allerdings macht sich Onoderas Geist immer deutlicher bemerkbar. Also ist Eile geboten, wenn Kubota seinen letzten Wunsch in die Tat umsetzen will. Der Manga begleitet Körper und Geist auf diesem Weg und erzählt von den Schwierigkeiten, die sich aus dieser doch recht bizarren Situation ergeben.

Ein Manga ohne große Überraschungen

Nach einigen Veröffentlichungen von Taniguchis Mangas in Deutschland, wie „Gipfel der Götter“ oder „Die Sicht der Dinge“, zählt „Bis in den Himmel“ eher zu den schwächeren Werken des Japaners. Die Geschichte ist logisch, durchdacht und gar nicht mal schlecht, und doch wirkt sie etwas altbacken und vorhersehbar. Kenner von Taniguchi erwarten natürlich keine großen Überraschungen, aber dieser Manga haut einfach nicht so richtig vom Hocker. Da hat Taniguchi noch ganz andere Kaliber zu bieten.

Bis in den Himmel. Zeichnungen und Text: Jiro Taniguchi. Schreiber und Leser / shodoku 2009. Softcover, broschiert, schwarz-weiß, 304 Seiten. Euro 16,95.

Martin Höche, Martin Höche

Martin Höche - Martin Höche hat als Journalist für das Interviewportal Planet-Interview gearbeitet und Beiträge in verschiedenen deutschen ...

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