
- Mangafigur 1 - Annika Lübke
Mangas selbst zu zeichnen, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Für die Herstellung der Bildergeschichten mit den fantasievollen Figuren gibt es in Japan sogar eine eigene Berufsgruppe. Inzwischen eifern auch viele Kinder und Jugendliche hier in Deutschland so berühmten Vorbildern wie Gosho Aoyama oder Rumiko Takahashi nach und kreieren ihre eigenen Lieblingsfiguren und Geschichten. Wie man eine Zeichnung im Manga-Stil angeht, erklärt die fünfzehnjährige Amateur-Mangaka (Manga-Zeichnerin) Annika Lübke.
Suite101: Muss man eigentlich besonders begabt sein, um Mangas zeichnen zu können?
Annika: Ich denke schon, dass man ein bisschen Talent zum Zeichnen haben sollte, obwohl man natürlich auch viel Übung braucht.
Suite101: Braucht man spezielles Zeichenmaterial für Mangas?
Annika: Ja. Man braucht einen Bleistift zum Vorzeichnen, einen Fineliner für die Konturen, dann Buntstifte oder Filzstifte. Für Anfänger reicht normales weißes Papier. Die Profis haben natürlich spezielles Material, aber das braucht man als Anfänger nicht.
Suite101: Wie fängt man eine Zeichnung an?
Annika: Man sollte sich zunächst die Figur ausdenken, die man zeichnen möchte, und die Haltung, die sie hat. Dann macht man eine grobe Skizze mit Bleistift von dieser Figur.
Suite101: Wie geht es dann weiter?
Annika: Ich persönlich fange mit dem Kopf an und zeichne zuerst die groben Umrisse. Dann weiß ich, wo und wie ich den Körper platzieren muss. Danach zeichne ich die Konturen des Körpers.
Suite101: Was kommt als nächstes?
Annika: Ich gestalte die Kleidung der Figur und arbeite dann die Details aus, zum Beispiel Haarsträhnen, Schmuck oder Dinge, die sie in der Hand halten. Das Gesicht muss natürlich alle Einzelheiten bekommen.
Suite101: Worauf sollte man beim Gestalten der Figur achten?
Annika: Sie sollte nicht zu viele Details haben, damit sie nicht überladen wirkt. Wichtig sind auch die großen Augen, die typisch sind für Mangafiguren. Die Gesichtsform ist etwa dreieckig, Kinn meist spitz, die Haare oft bunt.
Suite101: Wenn die Figur fertig vorgezeichnet ist, was machst Du als nächstes?
Annika: Wenn ich mit meiner Figur zufrieden bin, ziehe ich die Konturen und alle Details mit Fine-Liner nach. Der Liner darf auf keinen Fall schmieren, damit die Farbflächen hinterher schön klar aussehen.
Suite101: Und dann werden die Flächen ausgestaltet?
Annika: Ja. Ich überlege mir, welche Farben zusammenpassen. Es sollten aber nicht zu viele verschiedene sein, sonst wirkt das Ganze zu unruhig. Man beschränkt sich besser auf wenige Farben, damit die Figur harmonisch aussieht.
Suite101: Wie malst Du die Haut an?
Annika: Bei Buntstiften hat man es einfach, da kann man einen Hautton besser dosieren. Es gibt Stifte in einem fleischfarbenen Ton. Den gibt es zwar bei Filzstiften auch, aber hier sollte man nur die Schatten mit dem Stift andeuten, weil es sonst zu unnatürlich aussieht, so als hätte die Figur einen Sonnenbrand.
Suite101: Apropos: Wo kommen die Schatten hin?
Annika: Wer sich die Lichtquelle nicht vorstellen kann, zeichnet sich eine kleine Sonne oder sowas links oder rechts auf das Blatt und schattiert die Figur dann auf der entgegen gesetzten Seite. Die Schatten sind wichtig, damit die Figur plastisch wirkt.
Suite101: Wie schattiert man richtig?
Annika: Man nimmt immer einen Ton dunkler als die jeweilige Farbe der Stelle, die man schattieren will, zum Beispiel Dunkelblau für eine mittelblaue Fläche. Am besten geht das mit dickeren Stiften. Ich setze direkt hinter der Konturenlinie an und male an ihr entlang in das Farbfeld hinein. Dann schaffe ich einen weichen Übergang zur helleren Farbe, indem ich mit dem hellen Stift die Grenze verwische.
Suite101: Wenn man mit der Figur fertig ist, kommt dann der Hintergrund dran?
Annika: Ja, genau. Die Farben sollten hier nicht zu kräftig sein, damit die Figur nicht verschwindet. Und der Hintergrund darf natürlich nicht die gleiche Farbe haben, wie die Kleidung oder die Haare. Ansonsten kommt es immer auf das Thema des Bildes an, welche Farbkombinationen man aussucht.
Inzwischen gibt es auch zahlreiche Bücher, die gerade für Kinder geeignet sind, die gerne selbst Mangas zeichnen lernen wollen.
