
- Manhattan - © rohavideo / PIXELIO
"Manhattan" ist eine Liebeserklärung des amerikanischen Regisseurs und Schauspielers Woody Allen an New York. Mit feinsinniger Ironie und mystifizierten Panoramaaufnahmen in schwarz-weiß schuf Allen eine perfekt inszenierte Hommage an seine Heimatstadt.
Schon in der Einleitung des Films: Faszination New York
"Er betete New York an. Er vergötterte diese Stadt über alle Maßen." Mit diesen Worten aus dem Off, gesprochen vom Hauptdarsteller Isaac Davis, beginnt der Film "Manhattan".
Isaac Davis, verkörpert von Woody Allen, ist auf der Suche nach einem passenden Anfang für einen Roman, der die Schönheit und die Faszination New Yorks deutlich machen soll. Panoramabilder der Stadt und idealisierte Alltagsszenen in schwarz-weiß unterstreichen die Worte Isaacs, die mal kitschig, mal schwärmerisch klingen. Diese Liebeserklärung Woody Allens an New York versteckt er unter feinsinniger Ironie, indem sich Isaac Davis immer wieder selbst verbessert und seine Schwärmereien als Unsinn abtut, um schlussendlich einen absolut sachlichen Satz in den Raum zu stellen: "New York war seine Stadt und würde es immer sein."
Die ästhetischen Aufnahmen New Yorks, untermalt mit der erhabenen Musik von George Gershwin und eigens eingespielt von den New Yorker Philharmonikern, lassen den Zuschauer selbst in Schwärmereien für diese einzigartige Stadt ausbrechen.
Dreiecksgeschichte rund um Woody Allen, Diane Keaton und Mariel Hemingway
Isaac Davis ist der Hauptdarsteller des Films, wobei die Stadt New York die eigentliche Hauptrolle spielt. Isaac Davis hat was von Woody Allen, wie das in vielen Filmen Allens der Fall ist. Inwieweit aber die Figur Woody Allen verkörpert, kann nur geraten werden. Fakt ist, dass Isaac Davis sich mit der Geliebten eines Freundes einlässt. Im wirklichen Leben ließ sich Woody Allen mit der Frau seines Freundes ein.
"Manhattan" erzählt von einer Dreiecksgeschichte. Isaac Davis hat eine Liebelei mit der 17-jährigen Tracy (Mariel Hemingway). Abgesehen von dem enormen Altersunterschied passt das Paar auch äußerlich nicht zusammen. Tracy ist einen Kopf größer als Isaac, was dem Paar eine gewisse Komik verleiht. Während seiner Beziehung mit Tracy verliebt sich Isaac in die Geliebte seines Freundes. Diese Geliebte namens Mary (Diane Keaton) ist ein intellektueller Snob. Und genau diese Pseudointellektualität bei Frauen versetzt Isaac Davis in eine Art erotischer Trance.
Woody Allen lässt diese begabten aber beziehungsunfähigen Menschen kluge Gespräche über Kunst, Musik und Literatur führen. Diese unspektakulären Dialoge enthüllen die Schwächen ebendieser Großstadtmenschen, welche der Moderne in Wirklichkeit gar nicht gewachsen sind. Dabei geht es Allen nicht um die Bloßstellung dieser Figuren, sondern um ihre Schwierigkeiten, die ihre Halbbildung in einer Stadt wie New York mit sich bringt.
Eine Liebeserklärung in schwarz-weiß
"Manhattan" handelt von egozentrischer Liebe, von loyaler Liebe und von destruktiver Liebe. Aber vor allem handelt der Evergreen von der Liebe zur Stadt New York. Woody Allen zeigt ein nostalgisches New York. Skylines, das Guggenheim Museum, der Central Park und die Brooklyn Bridge sollen dem Zuschauer klar machen, wie schön und faszinierend New York ist. Immer wieder tauchen während des Films Aufnahmen der berühmtesten Sehenswürdigkeiten New Yorks auf. Viele Szenen wurden von Allens Terrasse in der Fith Avenue aufgenommen. Nur in schwarz-weiß, so Woody Allen, ließe sich diese gar nicht so schöne Stadt schön darstellen.
Woody Allen: "Ich drehe seit 30, 35 Jahren Filme in New York, ich hab jeden Zentimeter der Stadt abgedeckt. Ich hab versucht, New York als die romantischste, wärmste, schönste Stadt der Welt darzustellen." (www.tagesschau.de, 1. Dezember 2005)
Premiere feierte "Manhattan" 1979. Allein im ersten Jahr spielte er in den USA 16,9 Mio. Dollar ein und wurde mit Preisen überhäuft. Einen Oscar gab es leider nicht, obwohl der Film für das beste Originaldrehbuch (Woody Allen schrieb es gemeinsam mit Marshall Brickman) und für die beste Nebendarstellerin (Mariel Hemingway, Enkelin von Ernest Hemingway) nominiert war.
Woody Alllen – Ein Perfektionist durch und durch
Ungewöhnlich ist das Format des Films: Panavision-Cinemascope 2.35:1. Nicht ungewöhnlich jedoch waren Woody Allens Forderungen, welche vertraglich festgelegt wurden: Das Format des Films darf im Fernsehen nicht verändert werden, der Film darf nicht in beschnittenen Versionen gezeigt werden und während der Ausstrahlung im Fernsehen darf der Film auf keinen Fall durch Reklame unterbrochen werden.
