Bernhard Fürst von Bülow

Reichskanzler und Diplomat - genannt "der Aal"

Bernhard von Bülow war der populärste Reichskanzler nach Otto von Bismarck. Seine Kanzlerschaft endete aber mit widersprüchlichen Resultaten in Politik und Diplomatie.

Zuletzt waren sie Feinde: Bernhard von Bülow und sein früherer Dienstherr Wilhelm II. Von Bülow, vorletzter Kanzler des Kaiserreichs im Frieden, veröffentlichte nach dem Ersten Weltkrieg seine Memoiren. In den vierbändigen "Denkwürdigkeiten" zeichnete er ein kritisches Bild des letzten Kaisers. Dessen Unberechenbarkeit kritisierte er ebenso wie sein Verständnis von Machtausübung. Da Wilhelm II. sich als Souverän sah, war er unwillig, Kontrollen von ihm getroffener Entscheidungen hinzunehmen. Sehr plastisch beschrieb von Bülow, wie schwierig es oft war, mit Einfällen und Wünschen des Hohenzollernherrschers umzugehen. Dabei ist zu ergänzen, dass er seine eigene Rolle als Kanzler durchweg positiv darstellte und jegliche Kritik auf die anderen Personen beschränkte.

Karriere als Diplomat

Bernhard von Bülow entstammte einer Diplomatenfamilie; schon sein Vater war Staatssekretär des Äußeren (heute der Außenminister). Nach der Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 trat er selbst in den diplomnatischen Dienst ein und vertrat sein Land unter anderem als Botschaftsrat in St. Petersburg. Er lernte Otto von Bismarck recht gut kennen und auch bewundern. Wie er schrieb, beeindruckte ihn dessen Realismus zu Deutschlands Lage: Einerseits die stärkste Macht auf dem europäischen Kontinent, andererseits im Herzen Europas durch mögliche Bündnisse seiner Nachbarn gefährdet. Schließlich wurde von Bülow Botschafter in Rom, dann selbst Staatssekretär des Äußeren und übernahm 1909 das Amt des Reichskanzlers.

Wendig und weltmännisch

Sein gewandtes Auftreten trug zum Ansehen bei, das von Bülow sich erarbeiten konnte. Er galt als eine der großen Begabungen als Redner und machte mehr als einmal Eindruck im Reichstag, wo er seine Standpunkte in freier Rede vorbrachte. Diese Gewandheit haftete ihm so an, dass ihn schließlich der Staatssekretär des Äußeren Alfred von Kiderlen-Wächter in seinen Privatbriefen nur noch "der Aal" nannte. Von Bülows politische Bilanz ist durchwachsen. Im Innern kam es kaum zu Reformen. Vor allem die dringend notwendige konstitutionelle Machtverteilung unterblieb. Der Kanzler verteidigte den Anspruch Wilhelms II., der die Stärkung von demokratischen Strukturen und Gegengewichten zur Machtausübung ablehnte. Wirtschaftlich war es eine gute Zeit, die Deutschlands Aufstieg zur führenden Wirtschaftsmacht in Europa und eine ungeheure Zunahme seines Wohlstands brachte. Außenpolitisch wuchs die Macht des Reiches, das sich durch seine unstete, öfter auch aggressive Haltung durchaus Feinde machte. Besonders das enge Bündnis mit Österreich-Ungarn und der Bau der Hochseeflotte, der zu Spannungen mit Großbritannien führte, sollten sich als Hypothek erweisen. Beides wirkte sich noch nach dem Rücktritt des Kanzlers im Jahre 1909 negativ, ja unheilvoll auf das Schicksal des Landes aus.

Zum Weiterlesen sei empfohlen: Gerd Fesser, Reichskanzler von Bülow, Leipzig 2003.

Dieter Hoffmann, Dieter Hoffmann

Dieter Hoffmann - Vielfältige Erfahrungen kommen zusammen: ein wichtiges Buch über die Juden in Rheinhessen. Freier Mitarbeiter bei der ...

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