Mantra-Rezitation: Japa

Das Chanten der Namen Gottes und anderer Mantras

Mantra Rezitation mit Meditationskette (Japamala) - Sri Chimnoy Centre New Zealand
Mantra Rezitation mit Meditationskette (Japamala) - Sri Chimnoy Centre New Zealand
Japa ist eine spirituelle Übung, bei welcher ein Mantra oder Gottesname wiederholt wird, oft in Verbindung mit dem Atem. Japa ist sowohl Gebet als auch Meditation.

Japa ist eine einfache, aber tiefgründige spirituelle Übung aus der indischen Tradition. Während sie vor allem im Hinduismus und in der Sikh-Religion praktiziert wird, finden sich Anklänge daran auch in allen anderen Religionen, zum Beispiel im Rosenkranz des Katholizismus.

Was ist Japa?

Japa bedeutet die unaufhörliche Wiederholung eines Mantras oder Gottesnamens. Wird ein Mantra verwendet, heißt dies Mantra Japa. Wird ein Gottesname benutzt, nennt man es Nama Japa. Die Wiederholung kann entweder laut, geflüstert oder in Gedanken geschehen. Der Sanskrit-Ausdruck Japa leitet sich vom Wortstamm jap- ab, welches dem Practical Sanskrit Dictionary zufolge „murmeln“ oder „leise wiederholen“ bedeutet. Zwar gilt die stille, rein mentale Art der Übung als die fortgeschrittenere, aber gerade für Anfänger oder in Momenten der Schläfrigkeit oder Unruhe kann es helfen, das Mantra laut auszusprechen.

Ziele der Mantra-Rezitation

Japa kann praktisch den ganzen Tag lang geübt werden und braucht sich nicht auf eine formale Sitzmeditation zu beschränken. Das Ziel des Japa gleicht dem aller Yoga-Disziplinen. Es ist die Selbst- oder Gottverwirklichung. Japa ist dabei ein Weg, die vollständige Identifikation mit dem Objekt der Meditation (also der durch das Mantra symbolisierten Wahrheit oder Gottheit) zu erreichen. Durch beständige Wiederholung und Konzentration wird der Geist (manas) allmählich transzendiert, so wie das normale Sonnenlicht durch die Bündelung anhand einer Lupe so stark werden kann, dass es durch Papier brennt.

Wie übt man die Wiederholung der Namen Gottes?

Wie bereits erwähnt, bedeutet Japa die Wiederholung oder das sich Vergegenwärtigen eines Mantras oder Gottesnamens. Die Technik an sich ist ziemlich schlicht: Das Mantra oder der Gottesname werden ständig wiederholt – entweder laut oder in Gedanken. Wann immer man in Gedanken abschweift, kehrt man einfach zum Mantra zurück, sobald man sich dessen bewusst wird. Dabei gilt es, einen entspannten Geisteszustand zu kultivieren. Zu viel Zwang würde den Geist nur angespannt und starr werden lassen. Der Übende erlaubt einfach seinem Denken, im Mantra zu ruhen. Japa sollte Freude bereiten. Natürlich mag diese Technik zu Beginn mechanisch und monoton wirken, letztlich kann sie aber zur Entwicklung einer starken Konzentration und tiefer Gefühle von (Gottes-)Liebe, Hingabe, Schönheit, Gnade und Macht führen.

Mantra und Atem

In der Regel ist es hilfreich, die Wiederholung mit dem Atem zu verbinden. Wiederholt man zum Beispiel das Mantra „Om Namah Shivaya“, so kann man „Om“ beim Einatmen und „Namah Shivaya“ beim Ausatmen wiederholen. Auch die Verwendung einer Japamala kann hilfreich sein. Eine Japamala (oder kurz: Mala) ist eine Gebets- oder Meditationskette, welche aus aufgereihten Perlen (meist aus Holz) besteht. Diese Perlen werden beim Japa mit dem Daumen abgezählt, was die Konzentration unterstützen kann. Es können natürlich auch christliche Mantren benutzt werden. Japa hat unter anderem Ähnlichkeit mit der christlichen Meditationstechnik der Kontemplation.

Japa als Mantra-Meditation

Japa kann sowohl den ganzen Tag als auch als Sitzmeditation praktiziert werden. Dazu sitzt man in einer der üblichen Sitzhaltungen und schließt entweder die Augen oder richtig sie auf ein Bild. Somit kann Japa wie jede andere Meditationstechnik auch im Sitzen, über einen beschränkten Zeitraum, geübt werden. Sie ist damit eine Art der Mantra-Meditation. Alle gängigen Mantras und Gottesnamen sind dafür geeignet, längere Mantras wie das Gayatri Mantra eignen sich weniger zur Meditation und mehr zum Singen oder ständigen Rezitieren.

Die mystische Kraft von Mantren

Viele spirituelle Meister wie Swami Sivananda, Swami Ramdas und Ramakrishna Paramahamsa priesen die Macht des Japa und empfahlen die Wiederholung der göttlichen Namen als eine Übung, die ganz besonders für unser Zeitalter geeignet sei. Es heißt, dass der oder die Übende durch die mystische Kraft, die einem Mantra oder Gottesnamen innewohnt, Zugang zur göttlichen Energie, Gnade und Seligkeit bekommen kann und negatives Karma „verbrannt“ wird. Während Japa von Anfang an den Geist beruhigen und die Konzentration vertiefen kann, dauert es in der Regel lange Zeit, bis sich fortgeschrittenere Erfolge einstellen. Durch ausdauerndes Üben kann es aber geschehen, dass das Mantra von alleine, ohne bewusste Anstrengung, immer weiter wiederholt wird, sogar während der Arbeit oder im Schlaf. Das letztendliche Ziel ist samadhi, die bewusste Erfahrung der Einheit mit dem göttlichen Selbst.

Eine Vorsichtsmaßnahme beim Japa

Obwohl Japa fast den ganzen Tag praktiziert werden kann, sollte es wichtige Handlungen und Arbeit nicht behindern. Idealerweise kann es während der Alltagsverrichtungen wie Kochen, Putzen, Gehen, Joggen oder Auto fahren geübt werden. Bei Aktivitäten, bei denen eine größere Konzentration nötig ist, ist sie nicht zu empfehlen.

Links und Literatur

Japa Yoga von Swami Sivananda (E-Book Ausgabe von Yoga-Vidya)

Das Online Sanskrit-Wörterbuch A Practical Sanskrit Dictionary der Universität von Chicago

Martin Bohn, Martin Bohn

Martin Bohn - Als ausgebildeter Yogalehrer schreibe ich nebenher Artikel für verschiedene Yogazeitschriften in Deutsch und Englisch. Hauptberuflich ...

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