
- Manuel Cortez - Manuel Cortez, fotografiert von Simon Cornils
Manuel Cortez feierte am 14. September 2011 seine Bildschirmpremiere als Luca Benzoni in der als Telenovela gestarteten Soap "Anna und die Liebe". Jedes neue Gesicht, das in einer Soap auftaucht, weckt erneut die Sehnsucht junger Menschen nach einer ebensolchen Karriere. Die Folge: Viele junge Frauen und Männer wollen den Beruf des Schauspielers ergreifen. Das Fernsehen vermittelt die Idee, dass jeder den Sprung vor die Kamera schaffen kann. Begonnen hat dies mit den Daily Soaps in Deutschland. Die teils unbeholfen wirkenden, ersten Gehversuche der jugendlichen Neuschauspieler bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ sind unvergessen. Doch mittlerweile sind auch die Performances der jüngeren Darsteller bei Deutschlands erster und inzwischen erfolgreichster Soap besser geworden. Auch die zahlreichen Casting-Shows vermitteln den Eindruck, als sei der Schritt ins Fernsehen der Weg zum grenzenlosen Erfolg. Eine fundierte, schauspielerische Ausbildung fehlt jedoch meistens. Und selbst wenn sie wie im Fall von Manuel Cortez vorhanden ist: Eine Beschäftigungsgarantie gibt es nirgends. Ein zweites Standbein empfiehlt sich daher als Absicherung der Existenzgrundlage.
Manuel Cortez' erste Schritte
Der in Berlin lebende Schauspieler Manuel Cortez hat bereits im Alter von zehn Jahren die Kinderschauspielschule in seiner Geburtsstadt Lissabon besucht. Am renommierten Lissaboner Konservatorium der Vereinigung junger Schauspieler folgte eine Schauspiel- und Gesangsausbildung. Eine Frisörlehre und eine Ausbildung zum Diplommaskenbildner (Schwerpunkt Spezialmakeup und Special Effects) ergänzen die Grundlagen seiner beruflichen Tätigkeit. Fünf Fremdsprachen spricht Cortez fließend. In den Jahren 1994 bis 1997 entwickelte er sein Können im Theater weiter, unter anderem bei "Viel Lärm um nichts“. Seine Filmografie beginnt im Jahr 2000; seitdem hatte Cortez mehrere Gastauftritte in bekannten Serien wie "Die Wache“, "Edel & Starck“ oder "Die Rettungsflieger“.
Kinoauftritte in "Engel & Joe“ und "Autobahnraser“ ergänzen seine Vita. In der SAT.1-Erfolgs-Telenovela "Verliebt in Berlin“ hat Manuel Cortez der Rolle des Modedesigners Rokko Kowalski einerseits ein unterhaltsames, leicht schräges Auftreten verliehen, in dieselbe Rolle aber andererseits ein hohes Maß an leisen Tönen und Tiefgang gelegt. Dass Manuel Cortez auch ganz andere Typen verkörpern kann, zeigte er 2007 in "Nachtschicht“; einer von Publikum und Kritik gleichermaßen hochgelobten Krimireihe des ZDF. In einer Gastrolle dort spielte Cortez einen Kleinkriminellen; bei dieser knallharten Performance war so gar nichts von dem liebevollen Rokko oder dem schwulen, sympathischen Kosmetikverkäufer Boris zu spüren, den Cortez in der RTL-Comedy "Angie" spielte.
Der Schauspielermarkt am Fallbeispiel Manuel Cortez
Engagements wie bei "Nachtschicht“ erhalten nur wirklich gute Schauspieler. Durch das Aufkommen der Soaps in ARD und RTL jedoch wurde massenhaft nur gering ausgebildeter Schauspielnachwuchs auf den Bildschirm gebracht. Die Neulinge wollen nach dem Ende ihrer Engagements natürlich weiterhin Schauspieler bleiben und drängen auf den Markt. Doch da fehlt es an Anschlußmöglichkeiten. Wer sich aktuelle Fernsehserien und Spielfilme anschaut, erkennt schnell, dass Schauspieler im Alter von unter 30 Jahren außerhalb der Soaps kaum zu sehen sind. Tierärzte, Kommissare, Kapitäne, Mediziner oder Rechtsanwälte – besetzt werden sie der Rolle entsprechend mit Schauspielern ab 40. Das mag daran liegen, dass das jüngere Publikum nach dem Genuß der täglichen Serie dann doch lieber ins Internet wechselt, anstatt weiteren Sendungen vor der Glotze zu folgen. Es fehlen aber auch jünger besetzte Sendungen für die Zuschauer unter 40 oder gar unter 30 Jahren.
Cortez setzte auf mehrere Standbeine
Doch während Cortez‘ Kollegen in Hoffnung auf neue Angebote teils jahrelang auf die Anrufe ihrer Agenten warten, erweiterte Cortez seine Tätigkeit um andere Gebiete: Cortez arbeitete auch als Art Director und Producer: Unter anderem für den Sänger Marilyn Manson. Zusammen mit dem Fotografen und Kameramann Phillip Baben zelebrierte Cortez die Enthüllung des Bildes "Die 7 Todsünden“ im Rahmen eines aufsehenerregenden Events mit zahlreichen prominenten Gästen. Bilder von Baben/Cortez wurden 2007 auch in der New Yorker Strychnin Gallery ausgestellt – Facetten eines Künstlers, die in Deutschland weitgehend unbekannt sind, obwohl die Liste der Einträge auf seiner Seite der Filmdatenbank imdb.de schon insgesamt 44 Produktionen umfasst.
Die Vorgehensweise des Manuel Cortez
Der am 24. Mai 1979 geborene Manuel Cortez beweist im Gegensatz zu seinen Kollegen Weitblick: Er sucht sich ungeachtet des Genres Rollen aus, die ihm die Chance dazu geben, sich als Schauspieler weiterzuentwickeln und erschließt sich daneben andere Gebiete kreativen Schaffens. Er steigert damit nicht nur seinen Marktwert, sondern stellt sich auch wirtschaftlich besser auf. In Zeiten, in denen sich immer mehr Schauspieler seiner Altersgruppe um immer weniger Rollen bemühen müssen, ist dies von großer Bedeutung. Ein Vorteil auch für seine Agentur, die unter geringerem wirtschaftlichen Druck arbeiten muss, weil ihr Schauspieler alternative Einnahmequellen hat.
Dazu machen Künstler wie Cortez es ihren Agenturen leichter, sie zu vermarkten, weil es über solche Multitalente einfach mehr zu erzählen gibt, als über andere; auch wenn sein Job als Fotograf in der 1. Staffel von "X Factor" weitestgehend unbemerkt blieb. Insofern darf ein Mann wie Manuel Cortez auch in dieser Hinsicht als Prototyp des Schauspielers von morgen gelten, von dem es sicher noch viel zu hören und sehen geben wird. Denn Cortez hat im Gegensatz zu den meisten anderen begriffen, dass es nicht reicht, sich nur auf ein Gebiet künstlerischen Könnens festzulegen. Seine Fans erhielten von SAT.1 die Gelegenheit, ihn bei "Anna und die Liebe" wieder einmal über einen längeren Zeitraum zu erleben.
