Manuele Fior: Fünftausend Kilometer in der Sekunde

Cover - avant-verlag
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Mit eindrucksvollen Farben erzählt Manuele Fior seine Graphic Novel "Fünftausend Kilometer in der Sekunde"

Es hat den Anschein, als würde sich Manuele Fior mit jeder Arbeit weiterentwickeln. Sein Debüt - in Albenlänge - Menschen am Sonntag (avant-verlag) war als Hommage an seine Wahlheimat Berlin gedacht, wo er als Architekt und Illustrator arbeitete. Darauf folgten die beeindruckenden Graphic Novels Ikarus, einer Hommage an die griechische Mythologie, und Fräulein Else, einer Adaption der gleichnamigen Novelle, die beide erneut im avant-verlag erschienen. Sein Strich und seine Illustrationen haben sich dabei weiterentwickelt. Der prämierte Comicautor präsentiert mit Fünftausend Kilometer in der Sekunde (avant-verlag) einen Gegenwartscomic, der sich um die Schwierigkeiten der modernen Liebe dreht.

Ménage à trois?

Die italienischen Teenager Piero und Nicola können nicht unterschiedlicher sein: Piero ist introvertiert und pflichtbewusst, während Nicola undiszipliniert und draufgängerisch ist. Dann zieht Lucia in die Nachbarschaft, wodurch sich alles ändert. Doch Fior macht keine Dreiecksgeschichte aus dieser Ausgangskonstellation. Lucia entscheidet sich für Piero, was Nicola allerdings eifersüchtig macht.

Immer wieder macht Fior einen Sprung in der Zeit nach vorne. So erfährt der Leser, dass sich die Lebenswege der drei jungen Heranwachsenden trennen. Jeder geht einen anderen Weg: Lucia studiert in Norwegen, Piero geht als Archäologe nach Ägypten und Nicola macht in seiner Heimat einen Laden auf. Doch Fior beleuchtet nur Piero und Lucias Schicksal, dass für immer miteinander verbunden zu sein scheint.

Liebe in der Moderne

Fior erzählt eine Geschichte über Sehnsucht und Suche, über Distanz und Nähe und vor allem über eine (un)erfüllte Liebe. Die Möglichkeiten der Moderne erschweren die Liebe: ständig müssen Entscheidungen getroffen werden, aber es bieten sich einem auch mehr Möglichkeiten. Distanzen werden durch Verkehrsmittel immer kleiner, Kommunikation ist nahzu immer und überall möglich. Die Liebe muss bei Fior jedoch hinter die Karriere zurücktreten.

Entfremdung und Isolation

Sein Liebespaar entscheidet sich auf die jeweils eigene Art und Weise für einen anderen Weg. Beide, Piero und Lucia, machen im Ausland ihre eigenen Erfahrungen. Lucia lernt einen Norweger kennen und lieben, während Piero seine Familie in Italien hat, aber dafür ständig auf Geschäftsreisen ist. Im Ausland bleibt er trotz Anpassung ein Fremder und zuhause wird er durch Abwesenheit zum Fremden. So gibt Fior tiefe Einblicke in die Psychologie und Mentalität seiner Charaktere.

Farbe als Ausdruck

Die Farbe hat bei Fior einen symbolischen Charakter. Zu Beginn dominiert noch ein leuchtend-warmes Gelb, dass in Norwegen durch ein Blau, in Ägypten durch ein Braun und letztlich durch ein Lila abgelöst wird. Die jeweilige Stimmung kommt durch die nuancierten Aquarellfarben treffend zum Ausdruck. Fiors reduzierter Strich deutet vieles nur an, das Artwork wird eindeutig von der Kolorierungstechnik dominiert.

Neben der langen erzählten Zeit in Fünftausend Kilometer in der Sekunde beeindruckt vor allem die kunstvollen Illustrationen des Italieners, weshalb es nicht weiter verwundert dass die Graphic Novel in Angoulême als das "Beste Comic-Album des Jahres 2010" ausgezeichnet wurde.

Wertung: 4 von 5

Manuele Fior: Fünftausend Kilometer in der Sekunde. Avant-verlag, 2011. Softcover, 144 Seiten. Euro 19,95.